Höchstadt — Den meisten dürfte er aus dem Animationsfilm „Rio“ bekannt sein: der Spix-Ara, der bis zu 56 Zentimeter groß werden kann. Seine Entdeckung verdanken wir Johann Baptist Ritter von Spix, gebürtig 1781 in Höchstadt. Er entdeckte den Vogel vor rund zweihundert Jahren. Mittlerweile ist er leider nahezu ausgestorben. Doch die Geschichte könnte noch eine gute Wendung nehmen.
1817 begab sich der Zoologe zusammen mit dem Botaniker Carl Friedrich von Martius auf eine Expedition nach Brasilien, was damals laut Herbert Fiederling, seit 2016 Vorsitzender des Spix-Vereins, kein einfaches Unterfangen war, schottete Portugal doch seine Kolonie Brasilien ab.
In die Hände spielte dem Zoologen die Tatsache, dass der Königshof von Portugal 1806 vor Napoleon nach Brasilien floh. Jahre später wurde durch die Heirat von Leopoldine, der Tochter des österreichischen Kaisers Franz-Josef und dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro eine Verbindung geschaffen, welche die Tore öffnete.
„Ein Sechser im Lotto ist nichts dagegen“, sagt Fiederling. Als Leopoldine sich 1817 nach Rio de Janeiro begab, beschloss sie: Wir nehmen Wissenschaftler mit, um das Land zu erkunden. Auch Maximilian I., König von Bayern, durfte zwei Wissenschaftler mitschicken. Spix und Martius waren damals an der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften angestellt. „So fiel die Wahl nicht etwa auf einen Münchener oder Regensburger, sondern auf einen Höchstadter und Erlanger“, sagt Fiederling schmunzelnd, der sich vor etwa 15 Jahren selbst auf die Spuren von Spix und Martius begeben hat.
Aufgrund von Streitigkeiten reisten die beiden Forscher letztlich im Juli 1817 auf eigene Faust mit einem der ersten beiden Schiffe, finanziert von König Maximilian I. Nicht unerwähnt sollte laut Fiederling sein, dass die 13-köpfige Mannschaft aus Österreich eher erfolglos nach Hause zurückkehrte, während die bayerische Mission einen „Riesenerfolg“ darstellte, wie er es formulierte. Die drei Original-Bände von Spix „Reise nach Brasilen“ finden sich im Spix-Museum wieder. 1819 stieß die zwei-Mann-Expedition in der Halbwüste Caatinga im Nordosten Brasiliens auf den blauen Ara, von welchem Spix ein Exemplar mit nach Hause brachte.
Der blaue Ara: eine seltene Art
Schon damals war der blaue Vogel, der nur in dieser Region beheimatet ist, selten, seit 1990 gilt er als ausgestorben. Lediglich 200 Exemplare weltweit leben heute in der Obhut von Menschen. „Der Spix-Ara gilt als Synonym für ausgestorbene oder vom Aussterben bedrohte Tiere“, berichtet Fiederling. Vor zehn Jahren nun hat die brasilianische Bundesbehörde mit Zuständigkeit für die Naturschutzprogramme in Brasilien ICMBio beschlossen, die Wiedereinführung des Spix-Aras zu fördern.
Damals befanden sich 89 Prozent der Spix-Aras in Obhut der ACT. (Association for the Conservation of Threatened Parrots e.V.) in Berlin Schöneiche. „Der Scheich von Qatar hatte auch Spix-Aras. Er hat seine Aras nach Berlin gebracht, da es nicht einfach ist, Spix-Aras zu vermehren“, erklärt Fiederling.
Projekt zur Auswilderung von 50 Tieren
So war es möglich, die Zahl der Aras dort von 39 auf 150 zu erhöhen. Als dies geschafft war, wurde beschlossen, 50 Exemplare auszuwildern. Sowas geht aber nicht im Hau-Ruck-Verfahren. Behördliche Stellen müssen informiert, Beschlüsse gefasst und Geld gesammelt werden. In Zusammenarbeit mit den brasilianischen Behörden gab es Aufklärungsabende für die Bevölkerung und Schulen werden über das Projekt unterrichtet. So sollte die Bevölkerung sensibilisiert werden, damit keiner der Vögel weggefangen wird, brächte ein Spix-Ara laut Fiederling doch so um die 200.000 Euro. Selbst ein ausgestopfter Vogel schlägt noch mit 20.000 Euro zu Buche.
Im Frühjahr 2021 traten die 50 Auserwählten ihre Reise von Berlin nach Caatinga an. Ein Jahr verbrachten die Vögel in einer riesigen Voliere, wo sie nach und nach ihre Unabhängigkeit vom Menschen erreichten.
Nicht ohne Stolz berichtet Fiederling, dass am 11. Juni nun die ersten acht Spix-Aras mit Sendern versehen und in die Freiheit entlassen wurden. Begleitet wird die Auswilderungsaktion von Wissenschaftlern, welche das Verhalten der Vögel genau studieren. Zu hoffen ist, dass die Spix-Aras ihr neues Zuhause annehmen und sich fleißig vermehren.











