1826 entstand das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha – geführt von Herzog Ernst I., mit zwei Residenzen und neu geordneten Macht-, Besitz- und Kulturverhältnissen. Den entscheidenden Kapiteln der Regionalgeschichte, die dieser Entwicklung vorausgingen, widmen sich 2026 mehrere Ausstellungen in Gotha und Coburg.
Den Auftakt macht Schloss Friedenstein, wo gleich zwei Präsentationen den Blick auf Herzog, Hof und Residenzlandschaft lenken – und zeigen, wie aus politischem Überleben kulturelle Gestaltungskraft wurde.
Ein Blick in die Geschichte
1806 war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation am Ende. Napoleon sortierte Deutschland neu, und die kleinen Wettinischen Herzogtümer in Mitteldeutschland standen auf der Kippe, darunter Sachsen-Coburg-Saalfeld. Am 12. Juni 1806 gründete Napoleon den Rheinbund. Die Fürstbistümer wurden aufgelöst, große Teile Frankens kamen zu Bayern, und die kleinen Fürstentümer mussten sich entscheiden zwischen dem Rheinbund und Preußen. In Coburg war der regierende Herrscher, Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg und Saalfeld, am 9. Dezember 1806 gestorben. Sein Sohn und Nachfolger Ernst stand bei der Preußischen Armee, gegen Napoleon. Die Franzosen hatten Coburg besetzt.
Sachsen-Coburg-Saalfeld: Schnell noch auf Napoleons Seite
Der dirigierende Minister Theodor von Kretschmann sah keine andere Möglichkeit, als dass auch Sachsen-Coburg-Saalfeld sich dem Rheinbund anschloss. Das sicherte das Territorium und machte Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld zum Herzog, auch wenn er weiterhin bei den Preußen blieb und seine Mutter, nun Herzogin Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld, stellvertretend für ihn die Ratifikationsurkunde unterzeichnen.
Dieses Manöver in quasi letzter Minute sicherte also das Herzogtum. 1815, als Napoleon besiegt und Europa beim Wiener Kongress erneut geordnet wurde, waren die Coburger wieder erfolgreich: Ihr Herzogtum blieb ihnen, und sie erhielten ein kleines Gebiet nahe dem Saarland dazu.
1818 heiratete Herzog Ernst I. Prinzessin Luise, die einzige Tochter des Herzogs von Sachsen-Gotha-Altenburg. Die Ehe hielt zwar nicht lange, aber es dürfte schon zum damaligen Zeitpunkt ziemlich klar gewesen sein, dass die Linie Gotha-Altenburg erlöschen würde. Herzog August, Luises Vater, hatte nur einen jüngeren Bruder, der ihm 1822 nachfolgte und 1825 kinderlos starb.
Gotha-Altenburg: Ein Herzog stirbt – wer bekommt sein Land?
Danach mussten die Gebiete der ernestinischen Fürstenhäuser neu geordnet werden. Das Coburger Staatsarchiv verwahrt 20 Kartenentwürfe, die unterschiedliche mögliche Gebietsverteilungen zeigen. Ansprüche auf Gotha-Altenburg erhoben nicht nur Coburg-Saalfeld, sondern auch Meiningen und Hildburghausen. Denn auch deren Herzöge waren Nachkommen von Ernst dem Frommen (1601 bis 1675) von Sachsen-Gotha-Altenburg. Er hatte sein Herzogtum seinerzeit unter seinen sieben Söhnen aufgeteilt; jede Linie benannte sich nach ihrer Residenz. Sachsen-Römhild und Sachsen-Eisenberg bestanden nicht lange; Sachsen-Saalfeld hielt sich bis 1729 und kam dann zu Coburg. Mit Sachsen-Gotha-Altenburg war nun ein weiteres Haus erloschen, und die verbliebenen Stücke mussten neu zusammengesetzt werden.
Ein König als Schlichter
Durch die Ehe mit Luise hatte Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld schon den Privatbesitz ihres Vaters geerbt und begründete damit seinen Anspruch auf Gotha. König Friedrich August I. von Sachsen (Dresden) wurde von den drei Thüringer Herzögen als Schiedsrichter angerufen. Seine Kommissare erarbeiteten den Kompromiss, der schließlich zum Hildburghäuser Vertrag führte. Coburg erhielt Gotha und damit den wohlhabendsten Teil dazu (daneben auch Königsberg in Bayern), musste aber Saalfeld abgeben. Das ging zusammen mit Hildburghausen an die Meininger. Der Herzog von Sachsen-Hildburghausen nahm den alten Titel Sachsen-Altenburg wieder auf und zog um nach Altenburg.
Ausstellungen in Schloss Friedenstein
2026 werden diesen Geschehnissen einige Ausstellungen in Coburg und Gotha gewidmet. Den Anfang macht an diesem Wochenende Gotha mit zwei Ausstellungen in Schloss Friedenstein. Im Spiegelsaal läuft (bei freiem Eintritt) „Coburg Gotha 1826 – Ein Herzog, zwei Residenzen“ bis 5. Juli. Parallel dazu und einige Monate länger zeigt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Präsentation „Im Auftrag des Herzogs – Ernst I. und die thüringische Residenzlandschaft“ in den Repräsentationsräumen des Schlosses. Ab Mittwoch, 22. Mai, zeichnet eine Ausstellung in den Kunstsammlungen auf der Veste Coburg ein Bild des Herzogtums in einer Epoche des Umbruchs. Weitere Ausstellungen in der Landesbibliothek und im Staatsarchiv in Coburg folgen im Herbst.
Der Herzog und sein Umfeld
In Coburg wie in Gotha liegt der Fokus naturgemäß auf Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, allerdings mit unterschiedlichen Akzenten. In Coburg wird eher die Person des Herzogs im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung im Spiegelsaal in Gotha spürt den Netzwerken am Hof nach: Wer waren die Menschen, die um den Herzog wirkten und die Verwaltung und (Neu-)Gestaltung der Sammlungen im Zuge des Dynastiewechsels prägten? Gestaltet wurde die Ausstellung von der Stiftung Friedenstein und der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt.
Wie der Herzog wohnte
Im Nordflügel von Schloss Friedenstein, in den Repräsentationsräumen, geht es um den Herzog und seine erste Gemahlin, die Gothaer Prinzessin Luise. Diese Präsentation greift in Teilen auf die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner“ von 2016 zurück. Anhand neuer Forschungsergebnisse und historischer Darstellungen werden von Herzog Ernst I. genutzte Räume im Schloss und ihre modernisierende Umgestaltung nachvollziehbar. Darüber hinaus werden die Bauprojekte Ernsts I., unter anderem in Reinhardsbrunn und Coburg, sowie die Auswirkungen der ernestinischen Neugliederung auf die Thüringische Residenzenlandschaft thematisiert.
Rund um 200 Jahre Sachsen-Coburg und Gotha
- Die Kunstsammlungen der Veste Coburg, die Landesbibliothek und das Staatsarchiv Coburg sowie in Gotha die Stiftung Friedenstein, die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten würdigen die 200 Jahre Doppelherzogtum mit Ausstellungen.
- Gotha, Schloss Friedenstein, Spiegelsaal „Coburg | Gotha | 1826. – Ein Herzog. Zwei Residenzen.“ 12. April bis 5. Juli 2026; in den Repräsentationsräumen „Im Auftrag des Herzogs – Ernst I. und die Thüringische Residenzenlandschaft“ (12. April 2026 bis 3. Januar 2027).
- Das Jahrbuch 2025 der Coburger Landesstiftung versammelt Beiträge aus Coburg und Gotha zu vielen Aspekten des Doppelherzogtums. Es erscheint im Mai.







![In Gotha publiziert: „Karte nach dem Theilungsvertrag v[om] 12. Nov[ember] 1826“, zu sehen in der Ausstellung „Coburg I Gotha I 1826“ im Spiegelsaal auf Schloss Friedenstein. In Gotha publiziert: „Karte nach dem Theilungsvertrag v[om] 12. Nov[ember] 1826“, zu sehen in der Ausstellung „Coburg I Gotha I 1826“ im Spiegelsaal auf Schloss Friedenstein.](/storage/image/5/2/6/6/866625_in-gotha-publiziert-karte-nach-dem-theilungsvertrag-v-om-12-nov-ember-1826_artdetail_1FSc3x_LzeSUU.jpg)





