Kulmbach
„Ich bin ein Macher und kein Blender“
Sport ist für Claus Ehrhardt ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.
Sport ist für Claus Ehrhardt ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. // Martin Kreklau
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Kulmbach

Es ist fast 21 Uhr und die Sonne senkt sich langsam über dem Kunstrasenplatz der SpVgg Bayreuth. 22 Mann haben sich hier zu einem gemütlichen Feierabend-Kick verabredet. Die meisten der Spieler dürften zwischen 20 und 30 Jahren alt sein. Doch einer sticht heraus: Claus Ehrhardt. Er kickt hier mit Mitarbeitern von Eon, Bayernwerk – und Tennet, wo Ehrhardt einige Zeit gearbeitet und auch seine zweite Frau kennengelernt hat. „Ich weiß schon, dass ich doppelt so alt bin wie viele meiner Mitspieler“, sagt der 60-Jährige. Doch er könne zumindest noch eine Zeit lang mithalten – und werde akzeptiert.

Bis das Knie uns scheidet

Es ist eine der wenigen Freizeitbeschäftigungen, die in seinem engen Zeitplan Platz finden. Sport war früher ein wichtiger Bestandteil im Leben des gebürtigen Münchners. Bis zur A-Jugend hat er bei seinem Heimatverein TSV Ottobrunn gespielt, war bei der Bundeswehr in einer Sportkompanie und hat später Mädchen-Fußballteams trainiert. Danach hat er viele Jahre lang selbst Volleyball gespielt – bis seine Knie nicht mehr mitmachen wollten.

Im Gespräch wirkt Ehrhardt ruhig, besonnen, reflektiert. „Ein Mann der leisen Töne“, würde man sagen, wäre es nicht so abgedroschen. Vielleicht liegt es daran, dass er noch recht neu auf der politischen Bühne ist. Vor acht Jahren ist er nach Kulmbach gezogen, vor vier Jahren ist er über das Kulmbacher FDP-Urgestein Thomas Nagel zur Partei gekommen. Und zwei Jahre später zur ersten Bundestagskandidatur. „Die Kollegen hatten ja selbst alle schon kandidiert. Da haben sie gesagt: Jetzt bist du mal dran“, sagt Ehrhardt und lacht. Für ihn war es ein Sprung ins kalte Wasser. „Ich kannte mich zu dem Zeitpunkt mit vielen Abläufen und Anforderungen nicht aus. Das hat sich inzwischen geändert“, erklärt er.

Ein sehr liberaler Haushalt

Warum es ausgerechnet die FDP geworden ist? „Wir waren zu Hause ein sehr liberaler Haushalt“, sagt Ehrhardt. Kontakte zur FDP habe es aber nicht gegeben – dafür einen Onkel bei der SPD. Und einen Großvater, der CSU-Stammwähler war. Auch der Fokus auf Wirtschaftspolitik hat Ehrhardt an der FDP gereizt. Und natürlich generell der liberale Ansatz, der in der bayerischen Kultur eine zentrale Rolle spiele: Leben und leben lassen, ist Ehrhardts Credo.

Das Interesse für Wirtschaftsthemen wird nachvollziehbar, wenn man einen Blick in den Lebenslauf des 60-Jährigen wirft. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in München. Das Studium finanzierte er sich mit Handbüchern für Software. Mit den neuen technischen Möglichkeiten konnte man plötzlich selbst Dienstleistungen anbieten. Er interessierte sich früh für Computer und alles, was dazugehört. „Ich komme aus einer Zeit, in der man noch DV sagte und nicht IT“, sagt Ehrhardt. Das Wissen, das er sich in den 1990er Jahren dazu angeeignet hat, sollte ihm später noch nützen.

Ein Herz für die Wirtschaft

Seine Stationen führten ihn zu mehreren Banken, in die Unternehmenssteuerung, später in die Unternehmensberatung und in die Wirtschaftsprüfung. 2004 hat er sich dann selbstständig gemacht und verschiedene langfristige Projekte betreut – unter anderem bei Tennet in Bayreuth. Heute investiert er 50 Prozent seiner Arbeitszeit bei der Firma Living Logic in Bayreuth, einem Software-Entwickler. Die anderen 50 Prozent steckt er in ein neues Projekt in Kulmbach. Dort hat Ehrhardt das Institut für Arbeitsdesign und Zukunftstechnologie wieder ins Leben gerufen, das seinen Sitz im Co-Working-Space „Zeiträume“ hat. Er wünscht sich einen Raum für „viele Menschen mit kleinen und großen Ideen“, erklärt Ehrhardt. „In Kulmbach gibt es keine Start-up-Kultur. Da muss man nach Bamberg, Bayreuth oder Hof gehen. Und es war meine Intention, das zu ändern.“

„Sich selbst nicht so wichtig nehmen“

Über Ideen und Gedanken tauscht sich Ehrhardt auch gerne mit seinem aktuellen Chef aus. „Wir verfolgen in unseren Gesprächen teils einen philosophischen Ansatz. Da geht es dann beispielsweise darum, warum so viele Menschen mit Kritik nicht umgehen können.“ Sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, sei diesbezüglich ein guter Ratschlag.

Doch ist das für einen Politiker nicht hinderlich? Ehrhardt ist tatsächlich niemand, der sich in den Vordergrund drängt. „Für mich ist das vielleicht wirklich ein Nachteil. Aber mir ist es wichtig, dass man an Taten gemessen wird, nicht an Worten. Ich bin ein Macher und kein Blender“, sagt er.

Auf dem Kunstrasen-Platz in Bayreuth ist sein Team – die in den gelben Leibchen – zwischenzeitlich in Rückstand geraten. Erhardt war immer Verteidiger, doch das übernehmen jetzt die Jüngeren. Er steht im Sturm – und wartet auf seine Chance, einen Treffer zu landen. „Wenn ich nach so einem Spiel am nächsten Morgen aufstehe, dann tun mir schon ein bisschen die Knochen weh“, räumt Erhardt ein. Aber solange es noch geht, will er noch mitspielen.

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