Ausgerechnet zur Ferienzeit, wenn viele Besucher Erinnerungsfotos im Schönen Hof machen wollen, ist eine Ecke der Plassenburg eingerüstet: der Uhrenturm. Doch was von unten wie eine gewöhnliche Baustelle aussieht, ist in Wahrheit eine anspruchsvolle Sanierung in schwindelerregender Höhe. In nur sechs Wochen sollen der Turm, sein Aufbau und die Uhr umfassend instandgesetzt werden.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte Laterne – so wird der hölzerne Aufbau des Turmes bezeichnet. „Wir überprüfen die Konstruktion jedes Jahr mit einem Spezialhubsteiger. Dabei haben wir Fotos bekommen, die uns hellhörig gemacht haben“, sagt Michael Erhard vom Staatlichen Bauamt Bayreuth. An dem Holz, das aus der Nachkriegszeit stammt, waren Feuchtigkeitsschäden zu sehen.
Zahn der Zeit nagt
Das Staatliche Bauamt wandte sich deshalb an die Bayerische Schlösserverwaltung. Baureferent Ferdinand Schachinger ließ sich nicht lange bitten. Er kam eigens aus München nach Oberfranken und konnte die Schäden nur bestätigen: Der Zahn der Zeit hat an der Holzkonstruktion genagt. Über Jahre hinweg ist Feuchtigkeit eingedrungen und hat Teile des Holzes geschädigt. „Es ist klar, dass man etwas tun muss“, weiß Schachinger, bevor er mit dem Bauaufzug nach oben fährt und alles in Augenschein nimmt.
Die Sonne scheint, in 27 Metern Höhe weht ein Lüftchen. Der Aufzug reicht bis auf die Höhe des Turmes. Die letzten Meter müssen der Experte der Bayerischen Schlösserverwaltung und die Bauarbeiter über Leitern am Gerüst emporsteigen.
Nachdem Matthias Arndt von der heimischen Firma Eber-Bedachungen die Schiefereindeckung entfernt hatte, zeigte sich das Ausmaß der Schäden. Balken mussten ausgetauscht werden.
Gemeinsam mit seinen Kollegen bewegt sich Matthias Arndt sicher auf dem schmalen Gerüst. Höhenangst darf hier in 36 Metern Höhe niemand haben. Ein Netz soll verhindern, dass Werkzeug oder Material nach unten geweht wird.
Werkzeug und Baumaterial werden jeden Morgen mit dem Bauaufzug nach oben transportiert. So ersparen sich die Handwerker unnötige Wege. Gleichzeitig müssen sie planen, was sie im Laufe des Arbeitstages benötigen.
Die neu eingesetzten Holzteile heben sich farblich deutlich von der alten Konstruktion ab. „Das bleibt natürlich nicht so. Da kommt später ein Opferholz hin“, sind sich Baureferent Ferdinand Schachinger und Matthias Arndt einig.
Auch Johannes Herlitz vom Staatlichen Bauamt Bayreuth, der ebenfalls mit auf das Gerüst gestiegen ist, kann sich für diesen Vorschlag begeistern.
Dieses zusätzliche Holzteil schützt die tragende Konstruktion vor Feuchtigkeit und Verwitterung. Wird es im Laufe der Jahre beschädigt, kann es vergleichsweise einfach ausgetauscht werden.
Wenn ein Turm der Plassenburg eingerüstet ist, werden notwendige Arbeiten erledigt. Dazu gehört die Kontrolle des Mauerwerks. Mike Mindel von der Firma W+F Natursteinrestauration bessert schadhafte Fugen aus.
Bei diesen Arbeiten handelt es sich um reguläre Bauunterhaltsmaßnahmen. Sie sollen verhindern, dass aus kleinen Schäden später größere und entsprechend kostspieligere Probleme entstehen. Auch B+D und die Firma iPlan sind in das Projekt eingebunden.
Im Inneren des Uhrenturmes verbergen sich zwei Glocken, die bis heute die Uhrzeit schlagen. Die kleinere Glocke kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den Turm. Die große Glocke ist dagegen eine Sensation: Sie stammt aus dem Jahr 1671 und trägt den Namen des damaligen Markgrafen Christian Ernst. Die Inschrift ist noch immer deutlich zu erkennen.
Doch beim Besuch in schwindelnder Höhe fehlt etwas: die sonst weithin sichtbare Turmuhr. „Wenn wir schon einmal ein Gerüst stellen, versuchen wir, Arbeiten zusammenzulegen“, erklärt Schachinger. Die Turmuhr wird im Zuge der Sanierung in der Werkstatt der Bayreuther Turmuhren aufgearbeitet.
Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, soll nicht nur die Konstruktion des Turmes wieder sicher sein. Auch das Erscheinungsbild des markanten Bauwerks soll wieder dem historischen Bestand entsprechen.
Gemeinsam mit Johannes Herlitz und Michael Erhard vom Staatlichen Bauamt Bayreuth nimmt Ferdinand Schachinger die Baustelle in Augenschein. Die Arbeiten liegen im vorgesehenen Zeitplan. Investiert wird eine hohe fünfstellige Summe, verrät der Baureferent.
Mit dem Abschluss der Uhrenturmsanierung wird die Arbeit an der Plassenburg nicht beendet sein. Eine Anlage dieser Größe und dieses Alters muss kontinuierlich kontrolliert und instandgehalten werden.
Schäden zeitnah reparieren
Michael Erhard vom Staatlichen Bauamt verweist auf den „normalen Bauunterhalt“. Er legt großen Wert darauf, Schäden zeitnah anzupacken und nicht erst größer werden zu lassen. Nach starken Stürmen werden beispielsweise Fugen, Dächer und Ziegel überprüft. Die Dächer der Burg sind inzwischen bereits weitgehend erneuert.
Jeder Turm der Plassenburg besitzt eine andere Form und erfüllte ursprünglich eine andere Funktion. Entsprechend unterschiedlich sind auch die baulichen Anforderungen. Michael Erhard hat deshalb bereits den gegenüberliegenden Turm und den gesamten angrenzenden Bereich im Blick. „Die Arbeit an der Plassenburg hört nie auf. Aber für ihr Alter ist die Burg gut in Schuss“, sagt Erhard.
In knapp sechs Wochen – noch ehe der Herbst ungemütlich wird – soll das Gerüst wieder verschwunden sein. Der historische Turm samt Laterne, Schiefereindeckung und Uhr ist dann für die kommenden Jahre bereit. Im Frühjahr wird der nächste Bereich in Angriff genommen.











