Mit der Fotoausstellung „Wenn Mauern Geschichten erzählen“ ist am Donnerstag das zweite Festival Kultur P in der Kulmbacher Petrikirche gestartet. Die Fotografen der Fotogruppe Stadtsteinach haben dafür besondere und oft übersehene Schätze in den Kirchen des Dekanats in den Blick genommen. Zugleich wurde bei der Vernissage deutlich, wofür Kultur P stehen will: für eine Kirche, die nicht nur Gottesdienst-, sondern Begegnungsraum ist.
„Wir wollen in den kommenden Tagen der Kultur eine Bühne schenken“, sagte Dekan Friedrich Hohenberger zur Eröffnung. Kultur P erlebt in diesem Jahr seine zweite Auflage – oder, wie Hohenberger es augenzwinkernd formulierte: Man freue sich über ein „Baby“, das nun ein Jahr alt geworden sei und zu laufen beginne. Den Auftakt bildete am Donnerstagabend die Vernissage zur Fotoausstellung „Wenn Mauern Geschichten erzählen – erhaltenswerte Schätze im Dekanat Kulmbach“.
Es sind nicht unbedingt die großen, spektakulären Ansichten, die den Blick auf sich ziehen. Ein Detail an einer Decke, eine besondere Perspektive auf einen Altar, Spuren der Zeit an einem Gebäude: 58 Bildtafeln zeigen in der Petrikirche, was sich entdecken lässt, wenn jemand genauer hinschaut. Für Kultur P waren Mike Schwalbach, Egid Orth, Helmut Konrad, Falk Bätz, Andreas Schneider, Thomas Karger und Harald Streit im Dekanat Kulmbach unterwegs und richteten ihre Objektive auf kirchliche Gebäudeschätze, die sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen.
Was sie dabei entdeckt haben, schilderte Mike Schwalbach bei der Vernissage stellvertretend für die sieben Fotografen. Die Mauern erzählten von Gemeinschaft und Erinnerungen – und davon, weshalb es sich lohne, diese Orte zu erhalten. Besonders beeindruckt habe ihn die Markgrafenkirche Mangersreuth, die er gleich viermal besuchte. „Die Deckengemälde auf Holz sind beeindruckend“, sagte Schwalbach. Die Kirche biete zudem viel fotografischen Spielraum, gerade auch für das, „was nicht so perfekt und symmetrisch ist“.
Ein Raum für alle
Während die Ausstellung den Blick auf Kirchen als besondere Orte richtet, geht Kultur P noch einen Schritt weiter und zeigt, wie solche Orte heute mit Leben gefüllt werden können. Zum zweiten Mal öffnet die Petrikirche ihre Türen für ein Festival, das unterschiedliche Kulturformen in den Kirchenraum holt – vom Stummfilmkino mit Orgel über Musik-Kabarett und Historienspektakel bis zum Konzert.
Regionalbischöfin Berthild Sachs brachte als eine der Schirmherrinnen auf den Punkt, was das bedeuten kann. „Kirche ist ein Begegnungsraum, nicht nur während der einen Stunde Gottesdienst“, sagte sie. Begegnung finde „in Bild, Wort und Klang, im Schweigen und Lachen, im Essen und Trinken“ statt. Gerade deshalb sei es gut und wichtig, die Petrikirche für Kultur zu öffnen: „Es ist ein Raum für alle Menschen.“ Auch Kino, Komik und Sektgläser hätten darin ihren Platz. Wie elementar Begegnung sei, fasste Sachs in einem Satz zusammen: „Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen.“
„Hier ist ein Platz für Kultur“
Einer der Ideengeber von Kultur P war Oberbürgermeister Ralf Hartnack. „Hier ist ein Platz für Kultur“, erinnerte er an den Gedanken, aus dem das Festival entstand. Nach der Premiere im vergangenen Jahr habe man „ein zartes Pflänzchen“ gezogen, das nun seine ersten Blätter bekommen habe. Für die Stadt sei es wertvoll, Menschen zu haben, „die Kultur anpacken“. Was dabei entstehe und letztlich den Erfolg eines solchen Kulturprojekts ausmache, sei die Gemeinschaft.
Den Blick noch einmal auf die Ausstellung richtete die stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Viele der Motive seien ihr vertraut – spannend sei jedoch, aus welchem Blickwinkel die Fotografen sie zeigten. Die Bilder lüden zum Betrachten und Stillwerden ein, weckten Erinnerungen und erzählten von Hoffnung, Freude und Trauer. Flauder sprach von den Mauern als „stillen Zeugen der Geschichten, die in jedem Betrachter neu entstehen“.
Kultur P läuft noch bis Sonntag, 20. September. Karten für die kostenpflichtigen Veranstaltungen gibt es im Vorverkauf über Concerticket sowie an der Abendkasse. Die Fotoausstellung bleibt über das Festival hinaus bis 19. Oktober während der Kirchenöffnungszeiten in der Petrikirche zu sehen.
Gelegenheit zum Austausch mit den Fotografen gibt es am Samstag, 19. September, von 11 bis 12 Uhr bei einem Galeriegespräch mit musikalischer Begleitung. Dann, so Hohenberger, seien „Schatzsucher und die Hüter der Schätze“ vor Ort: „Es darf gestaunt, gefragt und geträumt werden.“ Der Eintritt ist frei.











