Kulmbach
Zuwachs fürs Stadtarchiv
Das Kulmbacher Landratsamt gehört zu den bis heute bekannten Gebäuden, an denen Bau Backer-Bau beteiligt war. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1873 zurück.Repro: Sonny Adam
Das Kulmbacher Landratsamt gehört zu den bis heute bekannten Gebäuden, an denen Bau Backer-Bau beteiligt war. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1873 zurück.Repro: Sonny Adam // 
Kulmbach

Die Geschichte der Firma Backer-Bau ist heute – mehr als 20 Jahre nach dem Niedergang des Traditionsunternehmens in Kulmbach noch auf Schritt und Tritt sichtbar. Denn die Sparkasse, die Kulmbacher Spinnerei, aber auch das Landratsamt, die Reichelbräu, Ireks, die Kläranlage, das Klinikum, die Tiefgarage und viele weitere Bauten, die jeder Kulmbacher kennt, hat das Unternehmen errichtet. Viele Bürger erinnern sich noch an die blau-weißen Mischautos und an das Firmenlogo.

Jetzt hat der einstige Firmenchef Richard Backer neun Alben mit Tausenden von Fotos und Dokumenten an das Archiv der Stadt Kulmbach überreicht.

Die Fotos machen Kulmbach Stadtgeschichte lebendig und erinnern an eine völlig andere Art des Bauens.

Auf einem Foto sind uralte amerikanische Lastwagen im Einsatz. „Das war, als die B85 gebaut wurde“, schildert Richard Backer. In der Kulmbacher Innenstadt rückten die Arbeiter 1955 und 1956 zum sechsten Bauabschnitt der Kanalisation an. Und bei der Reichelbräu war Backer-Bau über viele Jahre auf der Baustelle. Die Aufnahmen aus dem Firmenarchiv zeigen, wie sich Kulmbach verändert hat.

Backer-Bau war führend

Mit einem Handschlag besiegelten Richard Backer, der frühere Chef des Bauunternehmens, und Oberbürgermeister Ralf Hartnack die Übergabe. Während Mark Andrae, Sachgebietsleiter des Stadtarchivs, in den bislang öffentlich unzugänglichen Unterlagen blätterte, erzählte Backer, was hinter den Bildern steckt. Für Hartnack, der selbst Bauingenieur ist, liegt der Wert des Bestands gerade darin, dass sich anhand der Fotos und Pläne nachvollziehen lässt, wie Gebäude entstanden sind, die viele Kulmbacher bis heute kennen. Das sei „von unschätzbarem Wert“, sagte er. Den Urgroßvater von Richard Backer würdigte Hartnack als Visionär.

Handarbeit auf Autobahn

Die Geschichte des Familienunternehmens reicht bis ins Jahr 1873 zurück. Backer-Bau spezialisierte sich auf Betonbau und später auf Fertigteile. Wie auf den Baustellen früher gearbeitet wurde, schilderte Backer am Beispiel der Reichsautobahn. 1936 war das Unternehmen am Bau zwischen Bayreuth und Trebgast beteiligt. Ein oder zwei Bagger seien dort im Einsatz gewesen, erzählte er. Mehr nicht. Den Großteil der Arbeit hätten die Männer von Hand erledigt. Auf einer solchen Baustelle seien 500 bis 600 Menschen eingesetzt worden.

Nach dem Krieg arbeitete die Firma unter anderem für Siemens in Redwitz und für Textilbetriebe bis in den Raum Hof. In Kulmbach baute sie die Spinnerei und war später auch an deren Sanierung beteiligt. Heute befindet sich dort das Fritz-Einkaufszentrum. Auch beim Landratsamt, bei der Sparkasse und beim Wohnturm West war das Unternehmen beteiligt. Backer erinnerte außerdem an das Gebäude von Eckhardt und Eckhardt mit seiner halbrunden Attika und an das Fertigteilwerk in der Lichtenfelser Straße.

Das Unternehmen zählte nach Backers Angaben 500 Beschäftigte und hatte Niederlassungen in Hainichen und Triptis. Mitte der 1990er-Jahre geriet es wirtschaftlich unter Druck. Der allgemeine Konjunkturabschwung und die Zurückhaltung im Bausektor verschärften die Lage. Besonders die Textilbetriebe hielten sich laut Backer mit Bauaufträgen zurück. Im Frühjahr 2004 musste Backer-Bau Insolvenz anmelden. Betroffen war auch die Tochterfirma Konventa, die sich auf den Wohnungsbau spezialisiert hatte.

Villa ging verloren

„Die Firma ist mit Mann und Maus untergegangen“, sagte Backer. Die Familie habe persönlich gehaftet und ihre Villa verloren. Die Prozesse im Zusammenhang mit der Insolvenz hätten sich fast 20 Jahre hingezogen. Inzwischen seien sie abgeschlossen. Die Insolvenz habe für ihn einer „Plünderung“ geglichen, sagte Backer und schaut noch immer mit Verbitterung an diese harte Zeit zurück, in der auch die heimischen Politiker nicht geholfen hätten. In all den Jahren hat Becker allerdings immer darauf geachtet, dass das Firmenarchiv erhalten blieb.

Unterlagen historisch

Die Alben und Unterlagen aus der Hand zu geben, fiel ihm deshalb schwer. Dass er sie nun der Stadt anvertraut, hat für Backer auch mit dem Wechsel an der Rathausspitze zu tun. Von Hartnack, der selbst aus der Baubranche kommt, erhofft er sich einen wertschätzenden Umgang mit der Firmengeschichte. Bei der Übergabe bot er an, dem Stadtarchiv bei Fragen zu den Unterlagen weiterzuhelfen.

Anfragen liegen schon vor

Zum Bestand zählen neben Baustellenfotos, Plänen und Zeichnungen auch Festschriften und Richtsprüche. Eine Rarität ist die Betriebsordnung von 1936. Sie dokumentiert, wie das Unternehmen seine Arbeitsverhältnisse während der NS-Zeit regelte, nachdem die freien Gewerkschaften zerschlagen worden waren.

Mark Andrae möchte die Fotos und Schriftstücke digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Erste Anfragen gebe es bereits, etwa zum Bau der Kulmbacher Kläranlage, an dem Backer-Bau 1955 beteiligt war, verriet Andrae. Der Sachgebietsleiter für das Archiv machte klar, dass die alten Fotos einen historischen Wert haben. Bei der Übergabe war auch Uwe Angermann von der Stadt Kulmbach anwesend. Auch er staunte über die Dokumente.

Per Handschlag besiegeln Richard Backer (links) und Oberbürgermeister Ralf Hartnack die Übergabe des Firmenarchivs von Backer-Bau an die Stadt.SonnyAdam
Per Handschlag besiegeln Richard Backer (links) und Oberbürgermeister Ralf Hartnack die Übergabe des Firmenarchivs von Backer-Bau an die Stadt.SonnyAdam // 
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