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Das Smartphone als Waffe
Er droht mit dem Versenden von Nacktbildern
Per Whatsapp hat ein Rentner seiner Nachbarin Nacktbilder geschickt. Der Frau gefiel das gar nicht.
Über Snapchat versucht ein junger Mann aus Bamberg, an Nacktbilder von Frauen zu kommen. // Symbolbild: Marcus Brandt/dpa
Bamberg – Am Amtsgericht Bamberg bekommt man es mit einem skrupellosen Digital-Täter zu tun. Auch eine Hausdurchsuchung und eine kurze Haft können ihn nicht aufhalten. Er belästigt einfach weiter Frauen.

Jede halbwegs attraktive Frau, die der junge Mann aus Bamberg in seinem virtuellen Umfeld kennt, bekommt von ihm ein unmoralisches Angebot. Über Snapchat schreibt der angebliche „Sugar-Daddy“ mit der großen Brieftasche in knapp sechs Wochen rund 300 Frauen an. Er bietet ihnen Geld an, damit sie ihm Nacktbilder (Nudes) oder Sexclips (Tapes) von sich schicken. Mal sind es 2000 Euro, mitunter auch 10.000 Euro.

Fast alle Frauen ahnen, dass sie da einer über den Tisch ziehen will. Sie schweigen, lehnen ab oder blockieren den jungen Mann. Nur neun antworten überhaupt. Aber keine einzige schickt ihm das gewünschte Material.

Sie hätten dafür auch keine Gegenleistung erwarten dürfen. Denn der junge Mann lebt entweder in einer Obdachlosenunterkunft oder schläft auf dem Sofa in der Wohnung seiner Eltern. Geld hat er keines, und wenn seine Freunde ihm etwas leihen, dann kauft er dafür Drogen.

Angeklagter schon mehrfach vor Amtsgericht Bamberg

Das zeigt ein Blick auf seine Vorstrafen. Gleich viermal landet er wegen des illegalen Besitzes von Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Bamberg. Es geht um Cannabis-Produkte und Amphetamin (Speed), die man bei ihm findet. Diesmal ist ein neuer Vorfall mit dem weißen Pülverchen angeklagt: Mit dem Stoff wird er auf dem Heimweg „vom Einkaufen“ angetroffen. Fast 50 Gramm befinden sich in drei Druckverschlusstütchen in seinem Rucksack. Angeblich alles für die eigene Nase.

Die Snapchat-Masche ist nicht der einzige Versuch, an pornografische Inhalte zu kommen. Einer Bekannten aus Bamberg schreibt er über WhatsApp, er habe ihr Smartphone gehackt und sei im Besitz kompromittierenden Materials: 28 Fotografien und 42 Videos, in denen sie nackt und in Action zu sehen sei. Als Beweis hat er einen Clip, in dem sie aufreizend vor einem Spiegel posiert.

Mehr hat er nicht, hofft aber, dass der Bluff gelingt. Wenn sie nicht wolle, dass alle Welt die Videos und Fotos zu sehen bekäme, solle sie ihm zwei Tapes und zehn Nudes senden. Sonst werde er „das Senden“ anfangen. Um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, schickt er ihr Screenshots ihrer WhatsApp-Kontakte und den Hinweis, dass es nicht „so geil wäre, wenn Leute wie die“ davon etwas mitbekämen.

Dennoch lässt sich die Frau nicht einschüchtern. Vielmehr geht sie zur Polizei und erstattet Anzeige wegen des Sextortion-Falles.

Junger Mann aus Bamberg verschickt Dick-Pics

Etwas mehr Erfolg hat der junge Mann mit einer Erotik-Plattform, auf der Profis, aber auch Amateure sexuellen Content anbieten. Er bestellt dort bei einem Anbieter aus Stuttgart ein Datenpaket mit 100 Fotografien – alles Nacktaufnahmen verschiedener Frauen aus dem Rotlichtmilieu. Die Bilder landen auf seinem Smartphone. Die vereinbarten 500 Euro bleibt er allerdings schuldig.

Dafür verschickt er an eine junge Frau aus der Nähe Erlangens, die er attraktiv findet, zwei Dick-Pics, also Aufnahmen seines besten Stückes. Und er legt ungefragt noch ein erotisches Porträt einer Bekannten bei, die keine Ahnung hat, dass er ihre Selfies verbreitet. Er glaubt, auf der sicheren Seite zu sein, weil er Snapchat so eingestellt hat, dass gesendete Daten sofort nach dem Ansehen gelöscht werden. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass die Frau am anderen Ende des Chats diesen mithilfe eines „Screen-Recordings“ aufzeichnet. Damit kann man ihm die Verbreitung pornografischer Inhalte nachweisen.

Die digitalen Entgleisungen des jungen Mannes finden ihren Tiefpunkt in einer angedrohten Vergewaltigung. Wieder schreibt er über WhatsApp an eine Freundin, mit der er schon länger im Streit liegt. Er weiß, dass sie eine schwere Sexualstraftat erlebt hat. Dennoch kündigt er an, mit einem anderen Mann vorbeizukommen, und dass sie dann „dasselbe wie mit ihrem Dad durchleben müsse“.

Bei der Frau kommen all die schlimmen Erinnerungen zurück – und die Angst, noch einmal ohnmächtiges Opfer zu werden.

Angeklagter wird am Amtsgericht Bamberg verurteilt

Am Ende verurteilt Strafrichter Jonathan Maier den jungen Mann wegen Betruges, Verbreitung pornografischer Inhalte, versuchter Nötigung, Bedrohung und Besitz von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten mit Bewährung.

Dass er nicht hinter Gittern landet, liegt an einem umfangreichen Geständnis, das den beteiligten Frauen eine Befragung zu intimen Details erspart. Es liegt daran, dass er bald wieder einen festen Arbeitsplatz hat. Aber auch daran, dass er seine beiden Smartphones als Tatmittel nicht mehr zurückbekommt. Und daran, dass er sich bereiterklärt, zur Suchtberatung zu gehen und dort zehn Gespräche zu führen.

Zusätzlich soll ein Bewährungshelfer ein Auge auf ihn haben und notfalls eingreifen. Damit er nicht wieder „Frauen für die eigenen sexuellen Interessen instrumentalisiert“, so Staatsanwältin Nadine Schiffers.

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