Die Freude ist groß. Der Mann will ein Heimspiel des geliebten FC Schalke 04 ansehen. Noch dazu mit dem eigenen Sohn. Am Einlass zum Stadion in Gelsenkirchen wartet dann auf beide Fußballfans eine böse Überraschung. Sie dürfen nicht hinein. Die beiden Tickets sind Fälschungen.
Die Eintrittskarten hat der Mann auf Ebay-Kleinanzeigen gekauft und auch umgehend bezahlt. Allerdings hätte er bei der Überweisung bereits Verdacht schöpfen können. Denn die Bankverbindung führt ganz offensichtlich nach Litauen. Das Geld ist jedenfalls weg. Aber der Ärger ist da. Es kommt zur Strafanzeige. Die Ermittlungen führen, trotz aller Verschleierungsversuche mit Fake-Identitäten, nicht ins Baltikum, sondern in die Nähe Bambergs.
Verkäufer von Fake-Fußballtickets lebt bei Bamberg
Dort lebt der Verkäufer, der sich als ehemaliger Spieler in der Fußballszene bestens auskennt. Er tummelt sich in den Fan-Foren und weiß, wie die Tickets aussehen müssen, damit nicht sofort auffällt, dass sie gefälscht sind. Noch dazu handelt es sich um Preise zwischen zehn und hundert Euro. Da überlegt sich das eine oder andere Betrugsopfer, ob sich der Aufwand mit Strafanzeige, Zeugenaussage oder gar Zivilverfahren überhaupt lohnt. Von den Kosten ganz zu schweigen. Auf diese Trägheit setzt der Verkäufer. In Chats und Telefonaten hält er die Fußballfans immer wieder hin.
Besonders pikant: Er nutzt dafür nicht nur das eigene Smartphone, sondern auch das Telefon in seinem Büro. Und wenn doch jemand sein Geld zurückhaben will, dann spielt er auf Zeit und überweist minimale Beträge zurück. Mal sind es 1,40 Euro, mal 2,50 Euro, und er gibt später an, bei der Eingabe sei ein Komma verrutscht.
Vielleicht verlässt den einen oder anderen dann doch der Mut. So ergaunert sich der Verkäufer in wenigen Monaten rund 600 Euro. Nicht viel. Wobei es sich nur um die Fälle handelt, die es bis vors Amtsgericht Bamberg geschafft haben. Staatsanwalt Adrian Guhling geht von weitaus mehr Geschädigten aus, die sich einfach nicht gemeldet haben.
Das Geld gibt der Verkäufer mit vollen Händen wieder aus. „Ich habe über dem Limit gelebt.“ Bei der Polizei ist er noch ganz anders aufgetreten. Da hat er alles geleugnet und versucht, seinen Lügen mit einer eidesstattlichen Versicherung Nachdruck zu verleihen.
Nun ist es so, dass der Verkäufer mit den Betrügereien schon seit vier Jahren zugange ist. Insgesamt sind es fast 40 Fälle, die ihm erst eine Geldstrafe von 2400 Euro und hernach eine Bewährungsstrafe von elf Monaten mit 600 Euro Geldauflage eingebracht haben. Dabei geht es um Fußball-Tickets im Wert von rund 3000 Euro. Auch hier sind es Eintrittskarten für die Veltins-Arena auf Schalke, aber auch für Plätze bei Heimspielen der Eintracht aus Frankfurt am Main.
Hinzu kommen ältere Vorstrafen wegen Beleidigung und fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr.
Angeklagter gesteht am Amtsgericht Bamberg
Im aktuellen Verfahren am Amtsgericht Bamberg gibt der Verkäufer alles zu. Damit hat er Chancen, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Und er erspart sich und allen Beteiligten einen langen Prozess mit vielen Zeugen aus ganz Deutschland.
Die Geschädigten der aktuellen Fälle kommen aus Koblenz und Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, Bruckberg in Niederbayern, Diepholz in Niedersachsen, Münchsmünster in Oberbayern, Hildburghausen in Thüringen und Bedburg in NRW. Vor allem aber erspart er sich enorme Kosten für die Anreise und Übernachtung der Zeugen, die er als Verurteilter nach dem Prozess zahlen müsste.
Am Ende verurteilt Strafrichter Matthias Bachmann den Verkäufer wegen siebenfachen, auch gewerbsmäßigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit Bewährung. Obwohl der Verkäufer die Taten kurz nach dem letzten Gerichtsverfahren, unter bereits laufender Bewährung begangen und selbst nach seiner angeblichen Läuterung und Umkehr mit derselben Masche weitergemacht hat. Von neun Straftaten ist die Rede. Wobei es sieben davon wegen geringfügiger Schäden nicht in die Anklageschrift geschafft haben.
Deshalb fordert Staatsanwalt Guhling, den Verkäufer ohne Bewährung ins Gefängnis zu schicken. „Sie haben nichts dazugelernt und sich von den früheren Verurteilungen nicht beeindrucken lassen.“ Dazu aber kommt es nicht. Denn Strafrichter Bachmann hat die Betrugsopfer im Blick. Er will, dass der Verkäufer seinen Arbeitsplatz behält, den Schaden wiedergutmacht und zusätzlich eine Geldauflage von 1500 Euro an den Hospizverein Bamberg zahlt.














