Die Tragödie am Eibsee ist nicht vorbei. Es wird immer eine Tragödie bleiben. Vater und Sohn starben in dem kalten, tiefen Gebirgssee. Doch das Bild von dem Unglückstag am Samstag, 5. Juli 2025 ist ein bisschen klarer als noch während der einwöchigen Vermisstensuche. Zahlreiche Einsatzkräfte, Taucher, Sonar, Unterwasserkameras, Roboter und Hubschrauber waren im Einsatz, um einen 33-jährigen Vater und seinen sechsjährigen Sohn aus den Haßbergen zu finden. Das Kind war nach Erkenntnissen der Polizei ins Wasser gestürzt, der Vater hinterhergesprungen. Doch wie genau der Unfallhergang an jenem Samstagvormittag war, ist weiter die offene Frage, welche die Ermittler der Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen umtreibt. Ein Sprecher der Polizei Rosenheim bestätigt dies auf Anfrage des Fränkischen Tags. Derzeit laufen die rechtsmedizinischen Untersuchungen. Bis wann hier Befunde vorliegen, ist unklar.
Ertrunkene Haßberger im Eibsee: Vater war ein ungeübter Schwimmer
Dafür ist nun mehr dazu klar, warum Vater und Sohn so schnell untergingen: Der Sohn war Nicht-Schwimmer und der Vater war kein geübter Schwimmer. Dies erfuhr die Polizei, nachdem die 34-jährige Mutter Tage später vernehmungsfähig war. Gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter war die Mutter ebenfalls auf dem Tretboot, von dem aus sich der Unfall ereignete. Die beiden Familienmitglieder wurden im Anschluss an den Unfall durch das Kriseninterventionsteam betreut.
Polizei: Strömung war nicht Ursache für Ertrinken im Eibsee
Die Rolle der Strömung im See sei laut Polizei nicht die Ursache für das Ertrinken. „Die Strömung hat jedoch dazu geführt, dass die Suche mit den Tauchern aufwendiger war“, sagt ein Polizeisprecher. Darüber hinaus betont der Sprecher, dass sich der örtliche Tretbootverleih absolut rechtskonform verhalten habe. Es gibt keine generelle Pflicht zum Tragen von Schwimmwesten. Dazu, ob Vater und Sohn eine Schwimmweste trugen, machte der Polizeisprecher keine Angaben. Auch zu Fragen, inwieweit Bekleidung wie Schuhe eine Rolle spielten, äußerte sich die Polizei nicht.
Tretboot-Unfall am Eibsee: Familie aus Haßbergen hat chinesischen Pass
Zudem gab die Polizei bekannt, dass es sich bei allen Familienmitgliedern um chinesische Staatsbürger handelt. Sie wohnen seit einiger Zeit im Landkreis Haßberge. Weitere Angaben zum Beruf des verunfallten Vaters machte die Polizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht. Auf Anfrage des Fränkischen Tags erklärt ein Sprecher des Landkreises Haßberge, dass man keine Information über die Identität der Familie habe.
Eibsee-Unfall: Wie geht die Betreuung von Mutter und Tochter weiter?
Somit ist auch noch nicht bekannt, ob die hinterbliebene Frau und ihre Tochter bereits zurückgekehrt sind. Ob die psychologische Betreuung im Anschluss an die Unterstützung unmittelbar nach dem Unfall auch im Landkreis Haßberge weitergeht, ist unbekannt. „Es ist aber aus der Erfahrung der Kollegen nicht immer gewünscht, dass aktiv Unterstützung angeboten werden soll. Manchmal werden die Kontaktdaten oder Anlaufstellen den Betroffenen mitgegeben und diese melden sich dann von sich aus“, erklärt der Landkreissprecher.
BRK-Sprecher erklärt mögliche Hilfsangebote für Familie aus den Haßbergen
Die Anteilnahme nach der Tragödie ist groß. Anfragen für Onlinespendenkampagnen, um die Familie zu unterstützen, haben unter anderen Jörg Jovy erreicht. Der Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sagt: „Meine Einschätzung ist, dass sich die Familie bewusst abschirmen lässt.“ Die Unterstützung endet damit nicht: Im Regelfall nehme das Kriseninterventionsteam in der Heimat dann Kontakt mit der Familie auf. Jovy betont: „Es gibt ein gutes Netz an Hilfsangeboten, aber keinen Zwang, diese wahrzunehmen.“ Jovy spricht aus Erfahrung: Der Kreis Garmisch-Partenkirchen mit seinen Bergen, Flüssen und Seen zieht viele Freizeitsportler und Touristen an. Damit passieren immer wieder entsprechende Unfälle. Der Eibsee sei wieder gut besucht, laut Jovy.
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