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Mehr als 300.000 Dateien
Bamberger sammelt Kinderpornografie - und filmt heimlich
Rechtsanwalt Fabian Pflefka aus Bamberg und der Angeklagte vor Prozessbeginn
Rechtsanwalt Fabian Pflefka aus Bamberg und der Angeklagte vor Prozessbeginn // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Über Internet-Tauschbörsen kommt ein Mann aus Bamberg an Fotos und Videos mit nackten Mädchen. Unter all den Dateien verbirgt sich aber noch viel brisanteres Material. Am Amtsgericht Bamberg kommt alles ans Licht.

Viele Jahre kommt man ihm nicht auf die Schliche. Solange sammelt ein 50-jähriger Mann aus Bamberg kinderpornografisches Material. Meist besorgt er sich die Bilder und Kurzfilme über Internet-Tauschbörsen. Da kann man dann große Datenpakete herunterladen. Wenn man zuvor selbst etwas angeboten hat. Sonst darf man nicht mitmachen.

Was er nicht weiß: Eines der verlockenden Angebote ist ein Köder. Von außen betrachtet hält man es für kinderpornografisches Material. Was es natürlich nicht ist. Vielmehr kommt man über den Versuch des Mannes aus Bamberg, an die begehrten Bildchen zu kommen, an seine IP-Adresse und damit im nächsten Schritt auch an seine Anschrift. Das alles erfährt man bei einem Prozess am Amtsgericht Bamberg.

Polizei durchsucht Anwesen: Große Datenmengen mit kinderpornografischem Material gefunden 

Bei der sehr gründlichen Hausdurchsuchung beschlagnahmen die Ermittler unzählige Speichermedien. Von USB-Sticks über Festplatten bis hin zu Smartphones. Sogar Spielekonsolen nehmen sie mit. Mitunter werden nämlich auch dort strafbare Inhalte gesichert. Nach einer groben Sichtung der Geräte ist klar, dass man alleine aufgrund der Datenmenge externe Hilfe braucht. Zumal der Mann nach dem Polizeibesuch nichts Besseres zu tun hat, als gleich wieder mit dem Sammeln kinderpornografischer Fotografien und Videoclips anzufangen. Weshalb die Kriminalpolizei Bamberg nach einem weiteren Hinweis ein halbes Jahr später noch einmal vorbeikommt. Sie wird wieder fündig.

Bamberg: Darstellungen von schweren und schwerstem sexuellen Missbrauch an Kindern sichergestellt 


Eine Spezialfirma aus München wertet alles aus. Das braucht viele Monate. Sie finden mehr als 300.000 Bilder und fast 200 Videos mit einer Gesamtlaufzeit von rund 68 Stunden, die als kinderpornografische Inhalte deklariert werden. Der Großteil zeigt sogenanntes „Posing“, bei dem kleine Mädchen zwischen fünf und vierzehn Jahren nackt oder nur teilweise bekleidet in aufreizenden Posen zu sehen sind. Die Aufnahmen dienen dem Mann aus Bamberg zur sexuellen Erregung. Freilich tauchen auch einige Darstellungen auf, die schweren und schwersten sexuellen Missbrauch an Kindern zeigen. Ohne hier näher ins Detail gehen zu wollen: Dabei kommen verschiedene Gegenstände, unter anderem auch eine elektrische Zahnbürste zum Einsatz.

Kinderpornografie: Überschritt der Angeklagte die Grenze in die Realität? 

Noch während die IT-Experten in München ihr aufwendiges Gutachten erstellen, wird die Sache plötzlich brisant. Denn unter all den längst bekannten Fotos und Videos, die seit Jahren im Internet kursieren und die man als erfahrener Ermittler in vielen Fällen schon dutzende Male gesehen hat, treten plötzlich bislang unbekannte Aufnahmen zutage. Sie zeigen ein kleines Mädchen, das sich in einer Gartenhütte umzieht und dabei heimlich gefilmt wird. Der Kameramann ist der Mann aus Bamberg. Er ist, wohl eher ungewollt, für einige Augenblicke im Bild. Zudem gibt es Schnappschüsse des Mannes aus Bamberg in einem Planschbecken, wie er zwei kleine, halbnackte Mädchen auf dem Schoß hat. Nun steht der Verdacht im Raum, der Mann aus Bamberg könne die Grenze von der virtuellen Welt ins wirkliche Leben überschritten haben.

Tatsächlich schaffen es die Beamten der Kriminalpolizei Bamberg, die „Darstellerinnen“ ausfindig zu machen. Es sind entfernte Familienmitglieder. Das blonde Mädchen in der Gartenhütte ist die Tochter seines Cousins. Die beiden dunkelhäutigen Mädchen aus dem Planschbecken sind die Kinder seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Um sicherzugehen, dass der Mann aus Bamberg sich nicht an ihnen vergangen hat, finden längere Befragungen statt. Danach ist die Erleichterung groß. Keines der Kinder schildert solche Vorfälle, und deren Umfeld berichtet nicht von auffälligem Verhalten. Möglicherweise sind die Ermittler gerade noch rechtzeitig gekommen, um Schlimmeres zu verhindern.

Verurteilung: Bamberger muss in Behandlung als Sexualstraftäter 

Der Mann aus Bamberg weiß nach der zweiten Hausdurchsuchung, dass es so nicht weitergehen kann. Er will seine sexuelle Präferenz für kleine Mädchen unter Kontrolle bekommen. Dazu sucht er die psychiatrische Institutsambulanz des Nervenklinikums Bamberg auf – fast drei Jahre lang. Dort kümmern sich erfahrene Sexualmediziner im Projekt „Hellfeld“ um ihn. Außerdem geht er sein Alkoholproblem mit monatelangen Gesprächen bei der Suchtberatung an.

Gemeinsam mit dem Geständnis, den nicht vorhandenen Vorstrafen, keinen weiteren Vorfällen, sowie dem erheblichen finanziellen Schaden sorgt dieses Verhalten dafür, dass es am Ende eine Bewährungschance gibt. Schließlich muss der Mann aus Bamberg die Kosten des IT-Gutachtens über 37.000 Euro zahlen. Das Schöffengericht mit seinem Vorsitzenden Richter Philipp Schmitz verurteilt ihn wegen Besitzes kinderpornografischer Inhalte zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Er muss die begonnene Behandlung fortsetzen – allerdings in der Fachambulanz für Sexual- und Gewaltstraftäter in Würzburg.

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