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Monatelanger Psycho-Terror
Kreis Bamberg: Stalker macht Frau das Leben zur Hölle
Rechtsanwältin Mareen Basler aus Bamberg und der Angeklagte im Amtsgericht Bamberg
Rechtsanwältin Mareen Basler aus Bamberg und der Angeklagte im Amtsgericht Bamberg // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Eine Begegnung in einer Gaststätte wird für eine Frau aus dem Raum Bamberg zum Albtraum. Ein Mann stalkt sie über Jahre. Wie aus einer vermeintlichen Schwärmerei ein Fall von massivem Psychoterror wurde.

Sie bedient in einer Gaststätte. Er ist dort Gast. Eine ganz harmlose Sache – möchte man meinen. Doch für die Frau beginnt mit dieser zufälligen Begegnung ein jahrelanges Martyrium. Denn der Mann, der altersbedingt auch ihr Vater sein könnte, will seine „Traumfrau“ unbedingt heiraten, sie reich und glücklich machen und Kinder von ihr bekommen.

Stalking in Bamberg: Frau kämpft gegen aufdringlichen Verehrer

Sie aber will nichts von ihm wissen. Und das sagt sie ihm auch. Nicht nur einmal und nicht nur in ruhigem Ton. Ihn aber interessiert das alles nicht. „Sie ist meine große Liebe. Da gibt man nicht so schnell auf.“ Er lässt nicht locker.

Verfahren am Amtsgericht Bamberg

Nicht einmal als es wegen der ständigen Belästigungen zu einer Gefährderansprache, einem Platzverweis mit Kontaktverbot und zuletzt zu einem Verfahren am Amtsgericht Bamberg kommt. Es geht um einen Beschluss nach dem Gewaltschutz-Gesetz, um die Frau vor den Nachstellungen des Stalkers zu schützen. Dazu gehört auch eine Bannmeile von 150 Metern rund um ihre Wohnung.

Zufällige Begegnung in Gaststätte im Kreis Bamberg

Doch von Anfang an. Das Unheil nimmt seinen Lauf mit mehreren Anrufen. Der Mann meldet sich bei der Gaststätte, um in Erfahrung zu bringen, wann sie arbeitet, damit er sie besuchen kommen kann. Am Telefon aber wird er abgewimmelt.

Der nächste Schritt sind „Hausbesuche“. Die Anschrift erfährt der Mann von einer Mitarbeiterin einer Postagentur im Dorf, die es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. Von da an taucht er immer wieder vor ihrer Wohnung auf. Mal bringt er einen Blumenstrauß vorbei, mal eine Flasche Eierlikör, mal einen weihnachtlichen Wichtel. Sie stellt die Geschenke hinaus auf den Gehweg oder wirft sie kurzerhand weg.

Im Beisein einer Arbeitskollegin ruft sie ihn schließlich mit unterdrückter Nummer an. Er solle sie gefälligst in Ruhe lassen. Auch als sie ihn wenig später durch die Gegensprechanlage anschreit, er solle abhauen, ändert sich nichts.

 Ermittlerin zählt mehr als ein Dutzend Telefonate

Bereits am nächsten Tag kommt er abends wieder vorbei und klingelt Sturm. Weil er damals noch nicht ihre Mobilnummer hat, meldet er sich wieder bei der Gaststätte. Und zwar nicht nur einmal. Die zuständige Ermittlerin zählt mehr als ein Dutzend Telefonate. Dann verlegt er sich aufs Schreiben. Ganz altmodisch mit der Hand auf Papier. „Es waren kranke Liebesbriefe“, sagt die Frau im Zeugenstand. Sie kommen als Einschreiben, damit er sicher sein kann, dass sie angekommen sind. Auf mehreren Seiten schildert er ihr nicht nur seine angebliche Liebe.

Er erzählt ihr in wirren Worten auch seine ganze Lebensgeschichte. Obwohl sie die gar nicht wissen will. Auch einige Strafanzeigen, polizeiliche Vernehmungen und eine Wohnungsdurchsuchung samt Beschlagnahme seines Mobiltelefons bringen ihn nicht zur Vernunft. Er kauft sich einfach ein neues.

Jahrelanger Psycho-Terror im Kreis Bamberg


Für die Frau ist der monatelange Psychoterror die Hölle. Im Strafverfahren gegen den Mann schildert sie die furchtbaren Folgen für ihre Gesundheit, ihren Beruf und ihr alltägliches Leben. Sie traut sich nicht mehr alleine aus dem Haus, weil sie fürchtet, er könne ihr auflauern. Und tatsächlich klingelt es immer nur wenige Sekunden, nachdem sie heimgekehrt ist.

Sie meidet die Stellen, an denen er sich erfahrungsgemäß aufhält – Bäckereifiliale, Supermarkt und Tankstelle. Damit sie ihm nicht zufällig über den Weg läuft. Sie stattet ihre Wohnung mit Überwachungskameras aus. Ihre Nachbarn installieren eine Notfall-Klingel, damit sie ihnen Bescheid geben kann, sobald er wieder vor der Türe steht.

Sie will umziehen, entscheidet sich aber auf Grund ihrer sozialen Beziehungen vor Ort dagegen. Und weil sie fürchtet, er würde sie dennoch aufstöbern. Sie sucht sich keinen Lebensgefährten, weil sie Angst hat, dass der Mann ihm als Nebenbuhler etwas antun könnte.

Frau zerbricht an monatelangem Psycho-Terror

Sie schminkt sich nicht mehr und lässt sich auch sonst gehen, weil sie hofft, dass er sie dann in Ruhe lässt. Irgendwann wird es ihr dann zu viel. „Ich bin dann zu meiner Cousine nach München geflüchtet“. Sie hofft, dass er sie nach einigen Wochen vergessen hat.

Hilfe bei Polizei und Weißem Ring angefragt

Doch bei ihrer Rückkehr wartet er schon auf sie. Schlafstörungen und Angstzustände rauben ihr den letzten Nerv. Sie wendet sich an die Polizei, den Weißen Ring und die psychologische Notfall-Sprechstunde. „Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll“.

Weil der Mann nach ihrer Schilderung damit anfängt, auch diejenigen zu belästigen, die ihr helfen, nämlich Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen, wagt sie es nicht, andere Menschen um Unterstützung zu bitten. Damit diese nicht auch ins Visier des Stalkers geraten. Ähnlich ist es mit ihren Patenkindern, die nicht mehr bei ihr übernachten, weil sie sich um deren Wohlergehen sorgt. „Ich traue ihm inzwischen alles zu“.

Lage im Dorf im Kreis Bamberg scheint zu eskalieren

Tatsächlich scheint die Lage in dem Dorf inzwischen eskaliert zu sein. Denn von gleich mehreren Zeugen erfährt man während des Prozesses am Amtsgericht Bamberg unfassbare Dinge. Offenbar belästigt, bedroht und schädigt der Mann all diejenigen, die der Frau zur Hilfe geeilt sind. Und zwar mit Briefen, über deren gruseligen Inhalt wir demnächst berichten werden. 

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