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Ein Kronzeuge packt aus
Bande klaut Wohnmobile in Region Bamberg: Täter vor Gericht
Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia aus Bamberg, eine Dolmetscherin, der Angeklagte und seine Polizeieskorte.
Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia aus Bamberg, eine Dolmetscherin, der Angeklagte und seine Polizeieskorte. // Foto: Udo Güldner
Bamberg/Gundelsheim/Memmelsdorf/Altenkunstadt – Am Landgericht Bamberg geht es um organisierte Kriminalität. Mehrere Wohnmobil-Diebstähle in Bamberg, Memmelsdorf, Gundelsheim und Altenkunstadt sorgten im vergangenen Sommer für Aufsehen. Es ist nur die Spitze des Eisbergs.

Sie kommen nachts und sind bestens vorbereitet. Es dauert nur wenige Minuten. Dann haben sie das Türschloss des Wohnmobils mitten in Memmelsdorf „gestochen“, ohne dass jemand etwas mitbekommt. Während einer mit Spezialwerkzeug am Zündschloss hantiert, kümmert sich ein „Kollege“ um die Bordelektronik. Damit man das Gefährt nicht über einen GPS-Sender orten kann, baut er das Navigations- und die Multimedia-Systeme aus. Man tauscht die Nummernschilder, wodurch das Fahrzeug eine polnische Herkunft bekommt.

Und man hinterlässt auch sonst keine Spuren. Nicht einmal die Funkzellenauswertung bringt etwas. Die von den Tätern genutzten Wegwerf-Mobiltelefone sind unter falschem Namen gekauft, die Mietwagen zur Einreise und als Eskorte zurück in den Osten mit Fake-Personalien beschafft worden. Und dann haben die Täter für alle Fälle auch noch gefälschte Führerscheine dabei.

Diebe stehlen Wohnmobile in Region Bamberg und Lichtenfels

Es bleibt in jenem Sommer nicht bei einem Fall. Immer sind es Wohnmobile für rund 50.000 Euro. Alle vom selben Hersteller – wohl weil sich die Täter damit auskennen.

Die meisten Diebstähle sind erfolgreich, einige bleiben aber auch im Versuch stecken. Etwa weil das Spezialwerkzeug im Zündschloss abbricht.

Am Landgericht Bamberg geht es um die Tatorte Memmelsdorf, zweimal Gundelsheim, Bamberg, Altenkunstadt, Bayreuth, sowie Werdau im Erzgebirge und Nordhorn in Niedersachsen. Im Hintergrund lauern aber noch weitere Straftaten, beispielsweise in Lichtenfels, Stralsund oder Lingen, die auch der polnischen Bande zugerechnet werden.

Auf die Spur der Diebesbande kommt man durch mehrere glückliche Umstände. Zum einen hat einer der Wohnmobil-Eigentümer einen Apple AirTag eingebaut und kann so immer sehen, wo sich sein Fahrzeug befindet. Dann gibt es Blitzer-Fotos aus Bad Gottleuba-Berggießhübel nahe Dresden, nicht weit entfernt vom Grenzübergang Petrovice. Vor allem aber helfen die Aufnahmen der Überwachungskameras auf tschechischem Boden. Etwa kurz vor dem Grenzübergang nach Polen bei Ceska Kamenice. Darauf kann man die gestohlenen Wohnmobile, das Begleitfahrzeug und die Insassen genau erkennen.

Wohnmobil-Diebstahl über mehrere Landesgrenzen hinweg

Es gelingt der tschechischen Polizei, einige der Wohnmobile wiederzufinden. Wenn auch mit Sachschäden, die sich insgesamt auf rund 29.000 Euro belaufen. Es sind wichtige Spurenträger für DNA-Material. Dessen Auswertung führt zu einem Mann aus Polen, der nach der Festnahme durch die Bundespolizei nach dem letzten Diebstahl in Nordhorn in der JVA Cottbus sitzt. Er soll an sein Heimatland ausgeliefert werden – man will ihm auch dort den Prozess machen. Zuvor aber soll er sich in Bamberg verantworten.

In seiner Zelle tauchen nicht nur einige Notizzettel mit verdächtigen Telefonnummern auf. Die Wachtmeister können später auch fünf illegal eingeschmuggelte Mobiltelefone sicherstellen.

Gefasster Angeklagter packt aus

Als die Beamten der Kriminalpolizei für Zentralaufgaben in Bayreuth mit dem 40-jährigen Mann sprechen, erleben sie ihr blaues Wunder. Das Bandenmitglied schweigt nicht oder lügt irgendwelche Geschichten zusammen, sondern bietet sich als Kronzeuge an und nennt in drei langen Befragungen nicht nur seine Komplizen. Er schildert auch das Vorgehen und den inneren Aufbau der Bande und verrät die beiden Hintermänner, die bislang unerkannt in Polen und Spanien leben. Letzterer ist auf der Flucht vor den Behörden in Warschau und Danzig und hat sich auf die Iberische Halbinsel abgesetzt.

Für den Kronzeugen ist eine solch weitreichende Aussage eine lebensgefährliche Sache, handelt es sich doch um organisierte Kriminalität. Schließlich geht es um Millionen. Die Rede ist von bundesweit 50 Fahrzeug-Diebstählen, seien es Wohnmobile oder Pkw, die jeden Monat auf das Konto der Gruppierung gehen sollen.

Landgericht Bamberg: Niedrige Strafe für Angeklagten

Am Ende profitiert der Mann von der Kronzeugen-Regelung, die im Paragrafen 46b des Strafgesetzbuches verankert ist. Die Dritte Strafkammer mit ihrem Vorsitzenden Richter Johannes Tränkle verhängt die außerordentlich niedrige Strafe von vier Jahren Gefängnis. „Damit andere sehen, dass es sich lohnt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten.“ Für insgesamt sieben Fälle des vollendeten und versuchten besonders schweren Bandendiebstahls mit Sachbeschädigung. Noch dazu angesichts unzähliger Vorstrafen in Polen wegen Einbruchs, Diebstahls, Urkundenfälschung, Hehlerei, Drogenhandels, Freiheitsberaubung und Entführung. Gesamtstrafe: sechs Jahre.

Hinzu kommt eine frühere Verurteilung am Amtsgericht Dinslaken wegen besonders schweren Diebstahls. Vor fünf Jahren geht es um einen Porsche im Wert von 120.000 Euro, den drei polnische Profis in Moers entwendet haben. Dafür gibt es damals zehn Monate mit Bewährung.

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