Flutopfer
Vom Nothelfer zum Freund
Bloß nicht auch noch das Lachen verlieren: Dieses Foto von Sylvia Jakobs (oben rechts) und anderen Helfern entstand bei einer Pause während der Aufräumarbeiten.
Bloß nicht auch noch das Lachen verlieren: Dieses Foto von Sylvia Jakobs (oben rechts) und anderen Helfern entstand bei einer Pause während der Aufräumarbeiten.
Foto: Dominik
Weigenheim – Seit der Katastrophe im Ahrtal diesen Sommer hilft Frank Dominik Familie Jakobs beim Wiederaufbau. Und nicht nur das.

Während wir Weihnachten feiern, sind Frank Dominiks Gedanken bei Familie Jakobs im Ahrtal. Als im Juli eine Flutkatastrophe das Ahrtal verwüstete, fuhr der 49-jährige Franke hin, um zu helfen. Er wurde Sylvia Jakobs zugeteilt. Ihr eigenes Haus, das ihrer Eltern und ein Mietshaus waren stark beschädigt. Das Haus ihrer Schwester konnte nur noch abgerissen werden.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich.
Ein Vorher-Nachher-Vergleich.
Foto: Jakobs

Dominik war da, half, startete bei sich zuhause Spenden- und Hilfsaufrufe, informierte mit Bildern der Zerstörung im Ahrtal in den Filialen seines Goldankaufs in Weigenheim, Neustadt an der Aisch und Kitzingen seine Kunden über die Not. Was hat sich seitdem getan?

Es gab viele Spenden, wofür Dominik sehr dankbar ist: Sachspenden im Wert von 37.000 Euro und insgesamt über 16.000 Euro Geldspenden. Die größte Einzelspende betrug 3.000 Euro und kam von einer Frau, die von Dominiks Vorhaben in der Zeitung gelesen hatte. Mit dem Geld kaufte der Franke vor allem Materialien und Gerätschaften, die er und ein Freund abwechselnd bei mehreren Fahrten ins über 300 Kilometer entfernte Ahrtal transportierten. Jeweils 500 Euro übergab er den Verantwortlichen zweier Kindertagesstätten in der Gegend, deren Räumlichkeiten so sehr von der Flut getroffen worden waren, dass sie nicht mehr nutzbar waren und man in Provisorien ausweichen musste. Man habe sich sehr über die Spende gefreut und sei unglaublich dankbar, sagt Cara Küpper von der Kita-GmbH auf Anfrage; man wolle das Geld nutzen, um Bücher, CDs und weitere Medien zu kaufen.

Mit einem Selfie verewigte Frank Dominik (2. von rechts) das „Team Franken“. Nach dem Aufruf in der Zeitung packten zusammen mit dem Weigenheimer auch Franz, Gerhard, Gottfried und Agatha im Ahrtal tatkräftig mit an.
Mit einem Selfie verewigte Frank Dominik (2. von rechts) das „Team Franken“. Nach dem Aufruf in der Zeitung packten zusammen mit dem Weigenheimer auch Franz, Gerhard, Gottfried und Agatha im Ahrtal tatkräftig mit an.
Foto: Dominik

Und bei Familie Jakobs? Neben Hilfe bei der Arbeit und Materialspenden erhielten die Jakobs 5.000 Euro, um Rechnungen zu bezahlen – davon kamen und kommen einige, denn die Versicherung trägt längst nicht alle Schäden und Anträge auf finanzielle Hilfe kommen nur schleppend voran. Das liegt unter anderem auch daran, dass viele wichtige Unterlagen verloren gegangen sind. Das bedeutet: Behördengänge, Anträge für neue Dokumente, zusätzliche Kosten und mehr Zeit, die verstreicht.

Dazu kommt: Im Ahrtal herrscht enormer Fachkräftemangel. 40.000 Menschen sollen von den Hochwasserfolgen betroffen sein; Handwerker sind nun gefragt. Eine fränkische Malermeisterin meldete sich bei Dominik, sie wolle helfen; demnächst wird auch sie vorbeischauen und bei den Jakobs die Häuser streichen.

Zurzeit wartet Sylvia Jakobs auf Heizungsmonteure und Fliesenleger. Sie schätzt, dass die Heizung frühestens im Januar funktionieren wird. Im Elternhaus liegt jetzt schon der Estrich, der muss noch trocknen. Die Außenarbeiten sind bereits erledigt, die Bäder aber noch kaputt. Das Mietshaus hingegen sieht noch „sehr traurig“ aus, sagt Jakobs. Wenn sie bei sich zuhause etwas kochen will, muss sie raus und mit einem provisorischen Gaskocher arbeiten – denn: Die Küche ist noch nicht fertig. Und doch, sagt sie, gehe es ihr im Vergleich zu anderen recht gut.

Vom Helfer zum Freund: Die von der Flut schwer getroffenen Jakobs nehmen Frank Dominik in die Mitte.
Vom Helfer zum Freund: Die von der Flut schwer getroffenen Jakobs nehmen Frank Dominik in die Mitte.
Foto: Jakobs

Wenn Leute von außerhalb bei ihr vorbeischauen, sind sie überrascht davon, wie es hier noch aussieht, erzählt Jakobs. Für viele sei die Flut bereits Geschichte. Jakobs selbst hat seit der Flut keinen Fernsehanschluss, sieht also nicht, dass das Ahrtal in Nachrichtensendungen kaum noch Thema ist. „Die Aufmerksamkeit ist weg“, sagt Dominik. „Und das ist schlimm für die Leute.“

Umso dankbarer ist Jakobs ihrem Helfer, Frank Dominik, der die Leute über Social Media und in seinen Geschäften daran erinnert, dass es bei der Flutkatastrophe im Ahrtal ursprünglich um etwas anderes und mehr ging als das Lachen eines Politikers.

„Er ist ein Goldstück“

„Wenn wir ihn nicht gehabt hätten, wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen – auch emotional“, sagt Jakobs über Dominik. „Haltet durch“, habe er immer wieder zu ihr gesagt – und: „Ihr werdet nicht vergessen.“ Sie schreiben per WhatsApp miteinander, telefonieren. Kürzlich erhielt Dominik einen Brief von Jakobs – darin stand: „Du kamst als Fremder, gingst als Freund und wurdest Familie.“

Weihnachten, das Fest, an dem Familien zusammenrücken, war bei den Jakobs lange kein Thema: die Arbeiten an den Häusern, zudem zwei Coronafälle in der Familie, die aber zum Glück glimpflich verliefen. Erst danach kam die Frage nach Weihnachten auf. Sie werden draußen eine Garnitur aufstellen und Weihnachten improvisieren.

Erich Wendler, ein Helfer aus Franken, streicht bei Familie Jakobs eine Wand.
Erich Wendler, ein Helfer aus Franken, streicht bei Familie Jakobs eine Wand.
Foto: Jakobs

Sylvia Jakobs hat ein Geschenk für Frank Dominik: ein Foto von ihm, Sylvia und ihrem Mann Uwe in einem goldenen Rahmen. Passt ja zu einem Goldhändler, dachte sie sich und sagt: „Er ist ein Goldstück.“ Das Geschenk hat er schon erhalten und sich darüber sehr gefreut, sagt Dominik. Es stehe bei ihm zuhause neben den Fotos seiner anderen Familienmitglieder.

Autos und Fässer wie Spielzeug übereinandergeschoben: So sah es im Ahrtal im Juli 2021 aus.
Autos und Fässer wie Spielzeug übereinandergeschoben: So sah es im Ahrtal im Juli 2021 aus.
Foto: Jakobs

Kontakt: Frank Dominik wird sich weiterhin im Ahrtal engagieren. Wer seine Arbeit unterstützen möchte, kann Geld spenden: Spendenkonto Flutopfer Ahrweiler z. Hd. Erich Wendler, IBAN: DE1 776 069 559 010 591 9819, BIC: GENODEF1NEA, Kunden-Referenznummer: Spende Flutopfer Ahrweiler. Bei Nachfragen kann man Frank Dominik erreichen unter: 0171/ 571 6020.

„Ein Zeichen, dass wir nicht aufgeben“: Uwe Jakobs hisst die Ahrweiler Flagge.
„Ein Zeichen, dass wir nicht aufgeben“: Uwe Jakobs hisst die Ahrweiler Flagge.
Foto: Jakobs
Zur Hochzeit ihrer Tochter haben sich  Sylvia und Uwe Jakobs fein gemacht. Die beiden können trotz der Katastrophe noch lachen – auch dank der unbürokratischen Hilfe, die unter anderem aus Franken kam.
Zur Hochzeit ihrer Tochter haben sich Sylvia und Uwe Jakobs fein gemacht. Die beiden können trotz der Katastrophe noch lachen – auch dank der unbürokratischen Hilfe, die unter anderem aus Franken kam.
Foto: Jakobs
Ein Vorher-Nachher-Vergleich.
Ein Vorher-Nachher-Vergleich.
Foto: Jakobs
Bei der Kita-Spendenübergabe.
Bei der Kita-Spendenübergabe.
Foto: Dominik
So sah es im Ahrtal im Juli 2021 aus.
So sah es im Ahrtal im Juli 2021 aus.
Foto: Jakobs
Bei der Kita-Spendenübergabe.
Bei der Kita-Spendenübergabe.
Foto: Dominik
Die Kindergärten haben sich riesig über die Spende aus Franken gefreut.
Die Kindergärten haben sich riesig über die Spende aus Franken gefreut.
Foto: Dominik