Kino-Schließung
Cinestar zieht sich aus Bamberg zurück
Die Kino-Kette Cinestar will den Spielbetrieb am Standort Bamberg nicht weiterführen.
Die Kino-Kette Cinestar will den Spielbetrieb am Standort Bamberg nicht weiterführen.
Foto: Barbara Herbst/Archiv
Bamberg – Eigentlich war die Zukunft des größten Bamberger Kinos optimistisch eingeschätzt worden. Doch jetzt stehen 40 Angestellte vor dem beruflichen Aus.

Die Corona-Pandemie hat der gesamten Kinobranche einen schweren Schlag versetzt, angesichts der sinkenden Infektionszahlen und des Impffortschritts waren die Angestellten des Cinestar Bamberg jedoch optimistisch, bald wieder Gäste in ihrem Kino begrüßen zu dürfen. Doch daraus wird nichts: Der Betriebsrat wurde vergangene Woche darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Geschäftsführung aus Lübeck nicht beabsichtigt, den Spielbetrieb am Standort Bamberg weiterzuführen.

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Die noch etwa 40 Angestellten, die sich seit Beginn der Pandemie in Kurzarbeit befinden, stehen vor dem beruflichen Aus. „Das ist extrem bedauerlich“, sagt Betriebsratsvorsitzender Niklas Döbler. „Auch wenn die meisten Kolleg:innen noch studieren und auf 450-Euro-Basis angestellt sind, werden hier berufliche Existenzen zerstört.“ Andere Mitarbeiter hätten über 20 Jahre im Kino verbracht, sie waren seit der Eröffnung im Jahr 2001 dabei.

"Schlechte Nachricht für Kulturstadt Bamberg"

Oberbürgermeister Andreas Starke sprach von „einer schlechten Nachricht für die Kulturstadt Bamberg“. Er werde sich unverzüglich an die Cinestar-Konzernleitung wenden, „ in der Hoffnung, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“. Das wäre sein Wunsch für die betroffenen Beschäftigten wie auch für alle Leinwandfans. 

Was der Geschäftsführer dazu sagt

Zu den Gründen für die Schließung befragt, teilt uns Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock mit: „Wir betreiben das Cinestar Bamberg seit Ende 2000 und haben den Kinointeressierten der Stadt Bamberg seitdem – in den letzten Jahren unter schweren Bedingungen in einem sonst leer stehenden Center – hervorragende Filmerlebnisse geboten.“         Anfang Juli 2020 seien  im Rahmen der von der Gebäudeeigentümerin begonnenen Abrissarbeiten im und am Center „massive Eingriffe in Gebäudeeinrichtungen vorgenommen worden, die unter anderem für die Sicherheit unserer Kinogäste Relevanz haben“.        

Im August 2020 habe sich die Eyemaxx Lifestyle Development 5 GmbH & Co. KG als Eigentümerin des Atriums im Rahmen eines gerichtlichen Vergleiches dazu verpflichtet, ein ordnungsgemäßes Brandschutzgutachten vorzulegen, das den Betrieb des Kinos ermögliche. Dieser Verpflichtung ist die Eigentümerin nach Auffassung vom Cinestar nicht nachgekommen. „      Seit Beginn der Abrissarbeiten ist das Kino vom Cinestar nicht mehr in Betrieb genommen worden, weil die Sicherheit unserer Gäste absoluten Vorrang hat.“        Ende März 2020 habe die Eigentümerin den Mietvertrag für das Kino fristlos gekündigt und Cinestar zur Räumung aufgefordert. Vorbehaltlich einer Klärung der Rechtslage sei CineStar dieser Aufforderung bis dato nicht nachgekommen. „Wir befinden uns dazu in der juristischen Auseinandersetzung. Mit unseren Mitarbeitern haben wir die Verhandlungen hinsichtlich Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen“, teilt Fock weiter mit.

 

Interessensausgleich und Sozialplan

Dass die Geschäftsleitung den Betriebsrat erst informierte, als diese Entscheidungen schon durchgeführt wurden, ist für die Gewerkschaft Verdi „ein klarer Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz“. Statt gemeinsam Lösungen zu suchen, seien Fakten geschaffen worden. Der nun fällige Interessensausgleich und Sozialplan müsse „der Leidenschaft unserer Kolleg:innen und ihrem beispiellosen Einsatz für das Kino Rechnung tragen. Es müssen jetzt sozialverträgliche Lösungen her,“ so Döbler weiter. „Die Geschäftsführung muss sicherstellen, dass alle Mitarbeiter angesichts der schwierigen Situation bestmöglich aufgefangen werden.“

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Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen stehe der Stadt Bamberg auch ein kultureller Verlust bevor. Das CineStar Bamberg ist das einzige Multiplexkino in Stadt und Landkreis und kann mit seinen acht Leinwänden mehrere tausend Kinofans pro Tag unterhalten.

Angesichts der fortschreitenden Umbaumaßnahmen des Atriums war die Zukunft des CineStar eigentlich optimistisch eingeschätzt worden. Verdi fordert nun auch gemeinsame Anstrengungen von Stadt und Landkreis, um „das kulturelle Angebot Bambergs weiter aufrecht zu erhalten“.