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Amphibienfahrzeug in Bamberg
Michael Stoschek schippert wieder auf Regnitz zur Sandkerwa
Michael Stoschek am Steuer seines Amphibienfahrzeuges bei der Bamberger Sandkerwa 2018: Hinten rechts sein Sohn Maximilian.
Michael Stoschek am Steuer seines Amphibienfahrzeuges bei der Bamberger Sandkerwa 2018: Hinten rechts sein Sohn Maximilian. // Foto: Sebastian Schanz/FT-Archiv
Bamberg – Nach jahrelanger Pause darf Michael Stoschek heuer wieder im Amphibienfahrzeug auf der Regnitz zur Bamberger Sandkerwa fahren. So gelang es, die komplizierte Genehmigung in trockene Tücher zu bringen.

Leinen los nach sieben Jahren Pause: Michael Stoschek will 2026 wieder mit seinem motorisierten Schwimmwagen-Oldtimer zur Bamberger Sandkerwa fahren. Auf der Regnitz. Unter den staunenden Blicken der Festbesucher. Und heuer darf er das auch. 

Stadt Bamberg gibt grünes Licht für Michael Stoschek in seinem Schwimmwagen

„Die Genehmigung ist auf dem Weg“, berichtet Stephanie Schirken. Ob auf dem Wasserweg oder doch per Brief, dazu könne die Pressesprecherin keine Angaben machen. Doch eins ist klar: Die Freigabe ist in trockenen Tüchern. 

Das sagt Michael Stoschek

„Würde mich freuen, und die Zuschauer haben sich auch immer gefreut und uns zugewinkt“, bestätigt Stoschek auf FT-Anfrage. „Ich denke, ich habe diesmal wirklich alle Auflagen erfüllt.“ 

Michael Stoschek in seinem Amphibienfahrzeug auf der Bamberger Regnitz – ein Ereignis zwischen Kult und Kontroverse.
Michael Stoschek in seinem Amphibienfahrzeug auf der Bamberger Regnitz – ein Ereignis zwischen Kult und Kontroverse. // Riegerpress

Das Wort „alle“ schreibt er in Großbuchstaben, denn das Ganze ist alles andere als selbstverständlich. In den Jahren zuvor hatte sich das Genehmigungsverfahren als bürokratische Odyssee ohne Happy End herausgestellt. Für seine nicht mal 15-minütige Spritztour auf der innerstädtischen Regnitz waren viele Seiten Genehmigung notwendig. 

So kompliziert und aufwendig ist das Verfahren für die kurze Fahrt

Involviert sind neben den Fachstellen für Naturschutz und Immissionsschutz auch das Wasserwirtschaftsamt Kronach, die Wasserschutzpolizei, das Ordnungsamt, bis hin zu den Gondolieri. Nötig waren etwa ein Nachweis zur Sicherheit und Manövrierfähigkeit des einst für die Wehrmacht entwickelten Volkswagen Typ 166, bis hin zu einer neuerlichen Untersuchung durch den TÜV. 

2022 war die Fahrt deshalb ins Wasser gefallen: Als immer mehr Forderungen aus dem Rathaus eingetrudelt waren, sagte Stoschek seine Fahrt ab und kritisierte die „Schikane“. Für 2023 und die Folgejahre versuchte es der Brose-Unternehmer erst gar nicht. Heuer also das Comeback.

Die Stadt will kein Spielverderber sein

Schon 2022 hatte die Stadt versucht, nicht als Spielverderber abgestempelt zu werden. Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp ruderte als Grüner gegen den Eindruck an, die Fahrt verhindern zu wollen – nur sei eben ein hieb- und stichfestes Verfahren nötig. Kein Spielverderber, sondern „Möglichmacher“ wolle man bei der Stadt sein.

Michael Stoschek im Amphibienfahrzeug im Main 2022.
Michael Stoschek im Amphibienfahrzeug im Main 2022. // Michael Stoschek

„Das Angebot, beim ordnungsgemäßen Verfahren zu unterstützen, bleibt auch für das kommende Jahr aufrecht. Ich würde mich freuen, wenn das gelingen würde. Die Fahrt hat ja schon fast Kultstatus, deshalb würden wir sie auf sauberem rechtlichen Boden gern ermöglichen“, hatte Glüsenkamp 2023 gesagt.

Sogar die Schiffer- und Fischerzunft leistet keinen Widerstand

Jetzt also scheint das alles gelungen zu sein. Sogar die Untere Schiffer- und Fischerzunft Bamberg, die in ihrem Regnitz-Revier keine fremden Schwimmwagen dulden wollte, ist heuer mit an Bord. Zumindest gibt sich Vorsitzender Christopher Kropf ein bisschen versöhnlich: „Man muss es halt über sich ergehen lassen. Die Stadt hält eine schützende Hand darüber.“ 

So steht Stoschek heuer offenbar nichts mehr im Wege. Aus Richtung Europabrücke, Kurs Nord-Ost aufs Festzelt zu – und dann zur Insel Geyerswörth, wo die eigene Brasserie la Villa mit französischen Köstlichkeiten wartet. 

Klein-Venedig in Bamberg: Das Touristenboot „Christl“ und die Gondel
Klein-Venedig in Bamberg: Das Touristenboot „Christl“ und die Gondel // Foto: Sebastian Schanz

Kein Seemannsgarn: So verlief die Lokalposse 

Zu erzählen gäbe es für den 78-Jährigen dort dann eine lange Geschichte über erfolgreiche und gescheiterte Amphibienfahrten: 2012 hatte er das erste Mal mit seinem Schwimmwagen Kurs auf die Sandkerwa genommen – damals scheinbar noch ohne Genehmigung. Dieser laxe Umgang mit der deutschen Ordnungsliebe brachte dem erfolgreichen Unternehmer 2015 beinahe ein Bußgeld ein. Doch das Umweltamt beließ es damals bei einer Verwarnung für die Ordnungswidrigkeit.

2016 dann fanden beide Seiten eine ebenso kreative wie fragwürdige Lösung: Stoschek beförderte in seinem Schwimmwagen einen Vertreter des Roten Kreuzes – damit wurde die Gaudi quasi zur offiziellen Dienstfahrt erhoben. 2017 fiel die Sandkerwa wegen finanzieller Schieflage ins Wasser. 

2018 klatschten die Zuschauer im Festzelt, als Stoschek mit seinem Sohn Maximilian auf der Rückbank am Leinritt vorbeifuhr. 2019 bremste ein technischer Defekt den Schwimmwagen aus, 2020 und 2021 dann Corona. 2022 scheiterte die Fahrt am Amtsschimmel, danach am fehlenden Antrag. 2026 könnte die Sandkerwa wieder um eine kleine Attraktion reicher sein.

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