Drei Brände hat das „Immer hin“ gleich in den ersten Jahren überstanden, zuletzt auch eine Pandemie. Bamberger Bands sammelten hier ihre ersten Bühnen-Erfahrungen, Oberbürgermeister-Kandidaten warben im „Politalk“ für sich und auch 30-Jährige konnten sich an den donnerstäglichen Karaoke-Abenden, bei Filmvorführungen und in Quiz-Runden noch jung fühlen.
Doch der Offene Jugendtreff wird seinen 30. Geburtstag nicht mehr feiern, zum 31. Juli stellt der Träger, das Jugendamt der Erzdiözese Bamberg, den Betrieb ein. Künftig wird das Gebäude anders genutzt, die Berufs-Orientierungsstelle Dynamo sowie die Fachstelle für katholische Kinder- und Jugendarbeit werden hier untergebracht sein.
Begründet wird der Schritt mit stark gesunkenen Besucherzahlen und hohen finanziellen Defiziten. Zugleich brechen auch in Bamberg die Kirchensteuer-Einnahmen weg.
„Herber Verlust für die Jugendarbeit in Bamberg“
„Das ist natürlich ein herber Verlust für die Jugendarbeit in Bamberg“, sagt Richard Röckelein. Der Geschäftsführer des Stadtjugendrings blickt auf eine jahrzehntelange enge Verbindung mit dem „Immer hin“ zurück, auf Versammlungen, Jugendleiter-Ausbildungen, Jugendpreis-Verleihungen.
„Was junge Menschen dort lernen können, ist für die Gesellschaft enorm wichtig – ein schwer zu ersetzender Wert.“ Das Personal habe sein Bestes gegeben, um den Treff auch nach der Corona-Pause mit Leben zu füllen. „Ich weiß auch nicht, ob man gerade in dieser schwierigen Zeit messen musste, wie gut das angenommen wird.“
Was die Erzdiözese Bamberg fürs „Immer hin“ ausgibt
Das weiß auch Diözesanjugendpfarrer Gerd-Richard Neumeier, die Mitarbeiter hätten im Jugendtreff auch seit 1995 gute Arbeit geleistet. „Wir wissen auch, dass es hier nicht um einen wirtschaftlichen Erfolg gehen kann, aber wir müssen eben aufs große Ganze schauen.“
So gebe die Diözese jedes Jahr fürs „Immer hin“ 250.000 Euro aus und allein für nötige Sanierungen müsse man da eine weitere halbe Million hineinstecken. Zugleich wolle man weitere gut angenommene Jugendzentren wie das Flip in Hallstadt oder das Struwwelpeter in Kronach erhalten.
„Es geht uns nicht darum, plump etwas zu schließen“, sagt Neumeier. „Aber wir müssen verantwortlich mit den Prognosen für unsere finanzielle Situation umgehen.“ Man werde auch weiterhin für die Jugend da sein und führe derzeit intensive Gespräche mit der Stadt und mit vielen anderen Akteuren.
Immerhin soll die bisherige Kleinkunstbühne nach Auskunft des Erzbistums auch weiterhin für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Für Röckelein bleibt freilich unklar, „inwieweit überhaupt noch Räumlichkeiten dafür vorhanden bleiben“.
Auch Bürgermeister Glüsenkamp in Gesprächen mit der Erzdiözese Bamberg
Maximilian Mende, Vorsitzender des Vereins Bamberger Festivals, sieht hier nicht nur die Kirche in der Pflicht: „Die Stadt Bamberg sollte solche Orte für die Jugend erhalten, und nicht erst die nächste Kultur-braucht-Raum-Demo abwarten.“
Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp nimmt die Erklärung der Erzdiözese, den Jugendtreff „als Anlaufstelle für die Jugend zu erhalten“ positiv auf. Das genaue Konzept werde aktuell mit den Akteuren besprochen.
Was kann die Stadt Bamberg abfangen?
Auch die Stadt befinde sich regelmäßig im Austausch mit der Erzdiözese. Wenn klar sei, welche Angebote im „Immer hin“ nicht mehr stattfinden können, werde die Stadt prüfen, „ob wir hier aktiv werden und ob diese in unseren Jugendräumen, wo wir bereits viele Angebote machen, noch in irgendeiner Form abgebildet werden können“.
Maximilian Mende ist an den Gesprächen über eine weitere Nutzung für kulturelle Zwecke beteiligt. „Es ist aber noch alles sehr vage.“ Dass der Jugendtreff schließe, sei aber „eine traurige Geschichte für die Jugend und die Kultur in Bamberg“. Auch sein Verein habe sich regelmäßig im „Immer hin“ eingebracht: „Wir hatten da 40 bis 50 Konzerte mit vielen lokalen Bands.“ Andere Konzert-Orte seien entweder zu groß oder häufig ausgebucht.
Kaum Orte für 18- bis 30-Jährige in Bamberg
Die Kirche müsse sparsam mit ihren schwindenden Einnahmen umgehen, aber in diesem Fall sei der Prozess falsch gewesen. „Die ganzen Akteure waren gar nicht eingebunden, Ehrenamtliche wurden nie gefragt“, beklagt Mende. „Die Kirchenleitung hat das einfach beschlossen und mit dem Hammer draufgehauen.“
Insgesamt hätten sich bei der jüngsten Vollversammlung des Stadtjugendrings viele bestürzt gezeigt. „Das ,Immer hin’ war immer ein Ort, wo viele Sachen stattfanden. Und für die Zielgruppe 18 bis 30 gibt es sonst in Bamberg nicht so viel.“
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