Nach 64 Minuten hatte der Mann des Spiels Feierabend: Ricardo König schoss Nordwest-Landesligist FC Coburg fast im Alleingang zum Sieg in Burgebrach. Der TSV unterlag mit 1:4 (1:4), bekam die schnellen Vestekicker nicht in den Griff. König entwischte den Gastgebern am Mittwochabend viermal, dreimal stach er sehenswert zu.
"Nach der Verletzung von Fabian Carl ist Ricardo ins Sturmzentrum gerückt, macht seine Sache richtig gut", lobt Calle Schiebel den vom Flügel ins Zentrum beorderten Coburger. Der FCC-Cheftrainer verfolgte das Spiel von den Zuschauerrängen, war nach Gelb-Roter Karte am vergangenen Spieltag gegen die FT Schweinfurt für den Innenraum gesperrt.
Schiebel konnte zufrieden sein, denn das von Fritz Kühnlenz geführte Team war vor 185 Zuschauern vor allem im ersten Durchgang eine Nummer zu groß für Burgebrach. Der TSV verlor nach offener Anfangsviertelstunde den Faden, hatte Schnelligkeitsnachteile und patzte individuell. Nach dem Staffelwechsel und den ersten drei Spieltagen ist Burgebrach mit zwölf Gegentoren Toren punktloses Schlusslicht.
Fußball, Landesliga Nordwest
TSV Burgebrach - FC Coburg 1:4
Mit Konjunktiven will sich Tobias Burger nicht anfreunden. Burgebrachs neuer Cheftrainer wollte nicht spekulieren, wie die Partie am Mittwoch hätte laufen können, wenn Dominik Sperlein die Führung erzielt hätte. Der Stürmer hatte das 1:0 für den TSV auf dem Fuß, scheiterte nach feinem Doppelpass mit Andreas Pfahlmann freistehend an Christian Schliebitz (6.). Fünf Minuten später musste Coburgs Torhüter nicht eingreifen, eine lange Flanke vom rechten Flügel segelte bis zu Sperlein am linken Sechzehnereck, sein Flachschuss verfehlte die rechte Ecke knapp (11.).
Die Coburger schauten sich Burgebrachs Bemühungen zunächst in Ruhe an, beließen es bei sporadischen Bällen in die Tiefe. Nach der Anfangsphase zogen sie die Zügel dann an, intensivierten das Pressing und zeigten ihre Klasse. Direkt über drei Stationen hebelte der FCC die Gastgeber aus, König wurde in die Gasse geschickt, doch Jakob Voran parierte mit ausgefahrenem Bein glänzend (14.). Machtlos war er nur eine Minute später, als das Leder von links hereinkam, wieder König zu viel Platz hatte und aus acht Metern zum 1:0 versenkte (15.).
FC Coburg schlägt in Burgebrach doppelt zu
Den Nackenschlag verkraftete Burgebrach nicht gut. Bekam die Burger-Elf bis dato die Außenbahnen noch einigermaßen dicht, offenbarte der TSV nun große Lücken. Immer wieder schlug Coburg Diagonalbälle hinter die Kette, immer wieder hatten die nachrückenden Adrian Guhling und Maximilian Graß viel Platz. Coburg schnupperte am zweiten Tor, dem TSV gingen die guten Ansätze der Startphase verloren.
Und als eine halbe Stunde gespielt war, stand es plötzlich 0:3 aus Sicht der Gastgeber. Moritz-Luca Hopf fand mit einem 50-Meter-Ball den gestarteten König, der vor dem herauseilenden Voran an den Ball kam, ihn mit der Pike aus 17 Metern artistisch zum 0:2 überlupfte (29.). Damit nicht genug: Vom Anstoß weg verlor Burgebrach vor dem eigenen Kasten den Ball, Max Lanzendörfer fackelte nicht lange, zog aus 25 Metern ab und wuchtete den Ball in die Maschen (30.).
Für Burgebrach ging es nun zu schnell, immerhin ein Lebenszeichen kam dann aber: Nach hohem Ballgewinn kam Sperlein aus zwölf Metern zum Abschluss, diesmal versenkte er sicher und verkürzte auf 1:3 (34.). Doch noch vor der Pause machte Coburg alles klar. Bastian Bogensperger verschätzte sich bei einem neuerlichen langen Ball entscheidend, riss die Arme über dem Kopf zusammen, als er König frei aufs Tor zulaufen sah. Der 26-Jährige blieb cool, ließ Torwart Voran aussteigen und schob flach ein. Mit einer 4:1-Führung der Vestekicker ging es in die Pause.
"Waren chancenlos": Tobias Burger sieht starke Coburger
An eine Wende glaubte im Steigerwaldstadion kaum einer mehr, so überraschte es nicht, dass die zweite Hälfte Sommerfußball pur war. Der FC Coburg hatte alles im Griff, tat nicht mehr als nötig. Burgebrach stellte um, stabilisierte sich, kam aber kaum zu klaren Chancen. Mehr um Schadensbegrenzung als eine Aufholjagd ging es den Gastgebern gegen den Bayernliga-Absteiger, der trotz namhafter Ausfälle seine Ambitionen untermauerte.
Die zweiten 45 Minuten vergingen ohne zwingende Strafraumszenen, der Abpfiff erlöste die Akteure im heißen Burgebrach. Schiebel war mit dem Auftritt einverstanden, der Matchplan ging auf. "Wir haben das Video aus Leider gesehen, da fielen die Burgebracher Gegentore ähnlich. Heute haben wir auf Tempo gesetzt, die Bälle dann auch sauber rausgespielt und verdient gewonnen", lobte der Gästecoach.
Beim TSV herrscht nach dem verkorksten Start und den sichtbaren Defiziten im Spiel gegen den Ball Frust. Trainer Burger beließ es im Mannschaftskreis bei der Trainingsankündigung für den Donnerstag, war sichtlich bedient. "Jeder hat gesehen, dass wir in der ersten Hälfte chancenlos waren. Wir müssen Dinge schleunigst verbessern, das fängt bei den Basics an. Ich bin trotzdem keiner, der auf seine Mannschaft draufhaut", sagte der 43-Jährige.
Die Statistik zum Spiel
TSV Burgebrach: Voran - Bätz (69. Pinkert), Zirkel, Bogensperger, Ludwig (46. Gebhart), L. Hörnes, P. Hörnes Pfahlmann, Beyer (81. Bayer), Drozd (46. Bäuerlein) , Sperlein (69. Denzler)
FC Coburg: Schliebitz - A. Guhling (77. Straub), Tranziska, Hopf, Graß (58. Wieczorek), Späth, Lanzendorfer, Oikonomides (86. Biemann), R. Guhling (50. Ötter), Geißendörfer, König (64. Miller)
Schiedsrichter: Markus Hertlein / Zuschauer: 185 / Tore: 0:1 König (15.), 0:2 König (29.), 0:3 Lanzendörfer (30.), 1:3 Sperlein (32.), 1:4 König (39.)














