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Pfiffe gegen DFB-Elf
Wie türkischstämmige Franken die Pfiffe einordnen
Die Fans der Türkei waren im Berliner Olympiastadion in der Überzahl.
Die Fans der Türkei waren im Berliner Olympiastadion in der Überzahl. // Federico Gambarini
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Berlin – Unsportliches Verhalten oder schlicht türkische Fußballkultur? Was türkischstämmige Fußballfans aus Franken zu den Pfiffen im Berliner Olympiastadion sagen.

Nicht die 2:3-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen die Türkei vom Samstag an sich bestimmt die Schlagzeilen – sondern vielmehr die Pfiffe der türkischen Anhänger gegen das Team von Julian Nagelsmann. Nationalspieler Thomas Müller habe die hitzige Atmosphäre im Berliner Olympiastadion „gewurmt“. Den lauteren türkischen Fans habe man zeigen wollen, „dass sie für die falsche Flagge singen und pfeifen.“ Teamkollege Niclas Füllkrug sprach von einem „gefühlten Auswärtsspiel in unserer Hauptstadt“.

Eine grobe Unsportlichkeit von den Rängen oder schlicht türkische Fußballkultur: Wie beurteilen türkischstämmige Fußballfans aus Franken die Stimmung beim Freundschaftsspiel der DFB-Elf? Wir haben uns umgehört.

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Gökhan Tosun (Betreuer des TKV Forchheim): „Pfeifkonzerte sind im Fußball einfach normal. Die Türken sind da nochmal emotionaler als die Deutschen. Sie kaufen Tickets teuer ab. Mein Cousin war im Stadion und meinte, dass mindestens 50.000 Türken dort waren. Die Pfiffe galten meiner Meinung nach aber vor allem zwei Personen: Zum einen Gündogan, der damals nicht zu seinem Foto mit Erdogan stand und neulich geäußert hat, dass er seine Karriere nur der Zugehörigkeit zum DFB zu verdanken hat.

Zum anderen Rüdiger, der sich am Samstag mit einem türkischen Spieler ein Scharmützel geliefert hat. Dazu kommen alte Geschichten, die noch übel genommen werden. Ich kann mich zum Beispiel an ein Spiel in der Allianz-Arena erinnern, als die Bayern-Fans bei einer hohen Führung gegen ein türkisches Team Aldi-Tüten gewedelt haben. Wichtig ist aber, dass alles friedlich blieb. Ein anderer Cousin von mir ist Polizist in Berlin. Er meinte, dass es keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben hat.“

Gökhan Tosun
Gökhan Tosun // privat

Serkan Burcak (deutsch-türkischer Fußball-Fan und ehemaliger Vorsitzender von Vatanspor Kulmbach): „Ich habe leider keine Karten mehr für das Spiel bekommen. Die Pfiffe der rund 80 Prozent Türkei-Fans im Stadion haben sich vor allem gegen den deutschen Kapitän Ilkay Gündogan gerichtet, denn natürlich hätten wir so einen Top-Spieler gerne im türkischen Trikot gesehen. Deshalb wurde früher auch Mesut Özil ausgepfiffen.

Sport und Politik sind für mich zwei verschiedene Sachen, die ich trenne. Aber für Erdogan war die Reise nach Berlin ein doppelter Sieg, erst gegen Scholz, dann beim Fußball. Meine Generation ist noch deutsch-türkisch aufgewachsen, die heutige aber nur noch deutsch. Deshalb werden sich die Emotionen abschwächen. Wenn ich nächstes Jahr Tickets für die EM kriege, schaue ich natürlich Spiele der Türkei an.

Serkan Burcak
Serkan Burcak // privat
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