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Rup in Gefahr
So hart ist die Atemschutz-Ausbildung bei der Feuerwehr
Alleine ist es kaum möglich, durch diese schmale Röhre zu kriechen.
Alleine ist es kaum möglich, durch diese schmale Röhre zu kriechen. // Dominic Buckreus
Ebermannstadt – Nichts sehen, zu viel hören: Im Übungszentrum für Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr kommt der Sportredakteur ins Schwitzen – auch ohne Feuer.

Dong. Die Luke knallt mir auf den Schädel. Zum Glück trage ich einen Helm. Timo Sokol hatte mich zuvor gewarnt, dass dieses Hindernis hier im Parcours der Landkreisfeuerwehr Forchheim lauert. Aber ich habe den Stadtbrandmeister schlecht bis gar nicht verstanden, weil über die Lautsprecher das Flackern eines Brands und Schreie verzweifelter Menschen zu hören sind.

Die Ausrüstung auf unseren Köpfen erschwert die Kommunikation zusätzlich. Außerdem nimmt mir ein über die Maske gestülpter Stoff die Sicht. Er soll die Dunkelheit simulieren, die meistens bei Bränden im Inneren von Gebäuden herrscht. Denn heute bin ich mit Leib und Seele Atemschutzgeräteträger.

Das Video zum Parcours gibt es hier:

Piiieep. Das tinnitusgleiche Geräusch signalisiert, dass die Luft in meiner 20-Kilo-Flasche auf dem Rücken zur Neige geht. Wie sich später herausstellt, saß meine Maske nicht schließend, das Gasgemisch strömte neben Mund und Nase viel zu schnell heraus. Da sich zusätzlich mein Blindmacher gelöst hat, eilt Kreisbrandmeister Björn Paulitsch herbei. Er öffnet eine der flexiblen Trennwände, schnallt mir eine Ersatzflasche hinten drauf, richtet meine Maske neu und nimmt mir mit einer engeren Stoffhaube erneut die Sicht.

Da es für Fotos und Video Licht brauchte, absolvierten Redakteur Daniel Ruppert und Stadtbrandmeister Timo Sokol den Parcours mit Sichtblende.
Da es für Fotos und Video Licht brauchte, absolvierten Redakteur Daniel Ruppert und Stadtbrandmeister Timo Sokol den Parcours mit Sichtblende. // Dominic Buckreus

Timo und ich setzen unseren Hindernislauf fort. Wobei von Laufen keine Rede sein kann. Vielmehr kriechen wir durch die schmalen und flachen Gänge, die durch engmaschige Gitter voneinander getrennt sind. Hier frischen die Feuerwehrleute, die ihre Grundausbildung für Atemschutzgeräteträger absolviert haben, jährlich ihre Kenntnisse auf: Vom richtigen und schnellen Anziehen der Ausrüstung bis zum Nachweis der grundlegenden Kraftausdauer.

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Durch den Parcours gehen die ehrenamtlichen Helfer immer zu zweit. Zum einen sollen die Feuerwehrleute Teamwork zeigen, aufeinander aufpassen, füreinander da sein, zum anderen gibt es Hindernisse, die alleine kaum zu bewältigen sind. Wie die enge Röhre, in die Timo etwa bis zur Hälfte robbt, ehe ich ihn bis zum Ende durchschieben muss. Nachdem ich bis zur Mitte gefolgt bin, zieht mich der 32-Jährige das letzte Stück hinaus.

Ausgerechnet zum Sommeranfang haben wir Handschuhe an, dazu feuerfeste Jacke und Hose, dicke Stiefel, Helm und Maske. Neben der Stoffhaube, die uns die Sicht nimmt – normalerweise absolvieren die Feuerwehrleute den Parcours im Dunkeln – tragen wir eine reguläre Flammschutzhaube, damit sämtliche Hautstellen bedeckt sind. „Manche Kollegen der alten Schule vertreten die Meinung, dass sie die Hitze am Ohrläppchen spüren müssen, um die Temperatur einzuschätzen, aber die Sicherheit geht heutzutage einfach vor“, erläutert Paulitsch, bevor wir mit der fiktiven Prüfung starten.

Die Kurbel – eines von vier Geräten, die absolviert werden müssen.
Die Kurbel – eines von vier Geräten, die absolviert werden müssen. // Dominic Buckreus

Noch bin ich zu Späßen aufgelegt: „Alles fühlt sich an wie Urlaub: 20 Kilo auf dem Rücken, sau heiß und ich bekomme ein Armbändchen.“ Das gewährt mir aber keinen Eintritt zur All-Inclusive-Bar – ich halte es an die Anzeigetafel eines Laufbands, um das Programm zu starten. Denn bevor es in den Käfig geht, gehe ich. Es sind nur wenige Minuten bei moderatem Tempo, in dieser Montur mit eingeschränktem Sichtfeld aber nicht ohne. Timo dreht derweil an einer schwergängigen Kurbel, dann tauschen wir.

Endlich dürfen wir in den Raum mit dem Parcours. Die moderne Konstruktion lässt es zu, dass er regelmäßig verändert wird. Der Eingang ist also jährlich woanders, ebenerdig oder auf Brusthöhe, mit Treppe davor oder ohne. Kurz nachdem ich meine Hände zum Suchen ausstrecke, ruft Timo „Darth Vader“ Sokol: „Vor uns ist eine Treppe, darüber der Eingang.“ Er öffnet die Büchse der Pandora, wenige Sekunden später sind wir drin.

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„Luke nach unten. Schmaler Durchgang auf der linken Seite.“ Ich sehe zwar nichts, folge aber der Stimme des Stadtbrandmeisters. Ich hefte mich im wahrsten Sinne des Wortes an seine Fersen. „Dreh dich so, dass deine Atemluftflasche ins untere rechte Eck zeigt“, gibt mir der 32-Jährige Anweisung. Dank seiner klaren, wenn auch für mich nicht immer leicht zu verstehenden Kommandos kommen wir zügig voran. Eine Hühnertreppe hinab, über eine hüfthohe Stahlstange steigen, eine Tür in unsere Richtung öffnen, so dass der Hintermann kurzzeitig zurückweichen muss.

„Die Hindernisse stellen Situationen dar, in denen man in einer brennenden Wohnung unter einen Tisch kriechen oder über umgekippte Möbel steigen muss“, erklärt Paulitsch. Für mich ist es heute ein Spiel: kein Zeitdruck, keine Menschen in Not. Selbst die schweißtreibende Temperatur, die von Wärmestrahlern über den Gittern verstärkt wird, dürfte im Vergleich zu einem echten Brandherd lächerlich niedrig sein.

Ein Ergometer und die unendliche Leiter

Die Orientierung habe ich längst verloren. Ich weiß weder, in welche Richtung wir robben, noch in welchem „Stockwerk“ wir uns befinden. Umso erstaunter bin ich, als wir über eine weitere Treppe den Ausgang erreichen und Timo meinen Sichtschutz entfernt. „Geschafft?“, frage ich. Nicht ganz. Bevor wir unsere Armbandchips zum Auschecken nutzen dürfen, müssen zwei weitere Geräte gemeistert werden: Einmal ein herkömmliches Ergometer, dann eine mobile Leiter, deren Sprossen senkrecht nach unten fahren.

Fazit des Sportredakteurs:

Erst als ich die Ausrüstung mit Hilfe von Timo und Björn abgenommen und mein triefendes T-Shirt gesehen habe, begreife ich, wie anstrengend die Übung war. Rein körperlich ist der Parcours für mich gut zu meistern, die mentale Komponente macht den Unterschied: Wo ist Timo? Falle ich jetzt ins Bodenlose? Bleibe ich im engen Hindernis stecken? Stoße ich mir gleich den Kopf? Selbst das beste regelmäßige Training kann einen wohl niemals auf den absoluten Ernstfall vorbereiten, aber diese Männer und Frauen haben sicher die besten Voraussetzungen, um Menschen aus der Feuergefahr zu retten.

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