0
Weltkulturerbelauf 2025
Halbmarathon: Ex-Bayernliga-Kicker aus Bamberg triumphiert
Weltkulturerbelauf 2025
Der Bamberger Triathlet Chris Dels feiert seinen 3. Platz im Halbmarathon. // Christian Schuberth
Weltkulturerbelauf 2025
Der frühere Bayernliga-Fußballer Thomas Kotissek (rechts) freut sich mit seinem ehemaligen Trainer Christoph Starke über den ersten Sieg beim Weltkulturerbelauf. // Christian Schuberth
Bamberg – Rund 3600 Läufer und Läuferinnen aus ganz Europa nahmen die Königsdisziplin beim Weltkulturerbelauf in Angriff. Und am Ende gewann wieder ein Bamberger. Und zwar ein fast 50-jähriger Ex-Fußballer.

Thomas Kotissek  wuchs in Memmelsdorf bei Bamberg auf, kickte sowohl mit seinem Heimatverein SV Memmelsdorf als auch mit dem FC Bamberg in der Bayernliga. Die Fußballschuhe hat er bereits 2009 an den Nagel gehängt. Als er dann berufsbedingt nach Füssen im Allgäu zog - Kotissek ist dort Gymnasiallehrer -, suchte sich der dreifache Vater eine "familienfreundliche Sportart". Und kam zum Laufen. "Fußball ist mir wegen Verletzungen zu gefährlich, ich laufe jetzt nur noch geradeaus",  sagt der 48-Jährige lachend.

Doch das in einem Tempo, dem nicht nur noch wenige folgen können.  Zumindest nicht über die Halbmarathondistanz von 21,1 Kilometern beim Weltkulturerbelauf. Da schnappte sich Kotissek nach zwei 4. Plätzen 2023 (1:14:29) und 2019 (1:15:50) erstmals den Sieg. "Ich wollte endlich mal aufs Treppchen, aber dass es dann für ganz oben reicht, ist Wahnsinn. Das ist ein echtes Highlight in meiner Karriere", sagt der Ex-Bayernliga-Kicker.

Weltkulturerbelauf 2025
Thomas Kotissek streckt die Jubelfaust nach oben: Er hat zum ersten Mal den Bamberger Weltkulturerbelauf gewonnen. // Christian Schuberth

Weltkulturerbelauf Bamberg: Einsames Rennen

Thomas Kotisseks Sieg war mit zudem sehr souverän.  Bis der Zweitschnellste, Martin Kodewitz, nach ihm im Ziel war, dauerte es rund eineinhalb Minuten.  "Bis hinauf zur Altenburg waren wir noch zu zweit", schildert der frühere Memmelsdorfer  den Rennverlauf. Doch bergab hängte er den späteren Zweiten Martin Kodewitz ab und lief dann die restlichen 17 Kilometer bis ins Ziel dem riesigen Feld alleine voraus.

Weltkulturerbelauf 2025
Martin Kodewitz freut sich über Platz 2 im Hauptlauf über 21,1 Kilometer. // Christian Schuberth

Die größte Herausforderung für ihn war, das richtige Tempo zu halten. Kotissek sagt: "Man muss aufpassen, dass man sich nicht nicht von der unglaublichen Stimmung, die ich noch  bei keinem anderen Lauf erlebt habe, anstecken lässt."

Ex-Trainer Christoph Starke gratuliert

Machte er nicht, und so strahlte der  Ex-Kicker über "ein geiles Rennen, bei dem alles gepasst hat." Einer der ersten Gratulanten im Ziel war sein Ex-Trainer Christoph Starke. Der frühere Coach des SV Memmelsdorf, FC Eintracht Bamberg und der SpVgg Bayreuth war zuvor im Pflaum-Logistik-Lauf über  4,4 Kilometer mitgelaufen. Eigentlich wollte er wieder mit seinem Bruder, dem Bamberger OB Andreas Starke, gemeinsam laufen.  "Das ist immer ein Bruder-Event, da haben wir bei dieser wunderschönen Atmosphäre  unseren Spaß. Aber er musste heuer leider wegen einer Erkältung passen", erklärt Starke. Mit inzwischen 60 Jahren hat Christoph Starke keine Trainerambitionen mehr. "Ich helfe lieber bei meinem Heimatverein FC Eintracht Bamberg mit, da sitze ich im Aufsichtsrat."

Thomas Kotissek will es nach einer erfolgreichen Kicker-Karriere ("Das Läuferische war schon beim Fußball meine Stärke") nun auch in der Leichtathletik wissen. 2022 hat er es sogar schon zum Senioren-Weltmeister im Halbmarathon gebracht. Im vergangenen Herbst steigerte der Lehrer seine Marathonbestzeit in Frankfurt auf starke 2:24 Stunden. Wenn er nächstes Jahr in die Altersklasse 50 wechselt, will er dort einige Rekorde angreifen. "Der deutsche Marathon-Rekord liegt bei 2:28 Stunden", sagt Kotissek, der sich sogar eine Zeit von 2:22 Stunden über die 41,195 Kilometer zutraut. Und auch die Bestmarken über zehn Kilometer oder im Halbmarathon "liegen in meiner Reichweite". 

Weltkulturerbelauf 2025
Kristina Höhn vom TSV Rothenburg gewann die Frauenwertung im Halbmarathon. // Christian Schuberth

Auch bei den Frauen hatte die Siegerin eineinhalb Minuten Vorsprung. Kristina Höhn vom TSV 2000 Rothenburg lief die schwierigen 21,1 Kilometer mit 280 Höhenmetern in 1:22 Stunden. Lauf-Influencerin Ingalena Schömburg-Heuck (als "Leni Runner" hat sie 273.000 Follower bei Instagram), die den Weltkulturerbelauf 2023 gewonnen hatte, musste sich diesmal mit Platz 2 begnügen. 

 

Hand in Hand ins Ziel

Gleich zwei Sieger gab es im Wieland-Lauf über 10,7 Kilometer. Der Wahl-Münchner Christoph Kessler lief Hand in Hand mit seinem Teamkollegen Tobi Ritter (beide LG Telis Finanz Regensburg) über die Ziellinie. Der Dritte, Giulio Simonetti, hatte bereits 37 Sekunden Rückstand. „Wir wussten, dass wir ähnlich stark sind, und wollten vorne mitlaufen und schauen, was passiert“, sagte der gebürtige Karlsruher Christoph Kessler, der schon vor zwei Jahren am Start war und damals in 35:44 Minuten auf Rang 7 kam.

Weltkulturerbelauf 2025
Christoph Kessler (rechts) und Tobi Ritter (links) liefen Hand in Hand beim 10,7-Kilometer-Lauf über die Ziellinie. // Christian Schuberth

Kessler und Ritter übernahmen nach etwa vier Kilometern die Führung und wechselten sich an der Spitze clever ab. „Das Kopfsteinpflaster und die engen Gassen sind schön, aber schwierig zu laufen, da muss man schon konzentriert sein“, sagte Kessler, der vor allem von der „geilen Stimmung“ begeistert war.

"Man wird förmlich durch die Straßen getragen"

Überaus glücklich war vor allem Chantal Buschung. Die Läuferin des LC Villach strahlte im Ziel nicht nur wegen ihres Sieges im Wieland-Lauf, sondern auch wegen der einzigartigen Atmosphäre in der Domstadt. „Das war wunderschön, ich habe selten so einen Lauf mit so einer megageilen Stimmung erlebt. Da wird man förmlich durch die Straßen getragen“, sprudelte es aus der gebürtigen Frankfurterin heraus.  Buschung gehörte einst zu den besten deutschen Dreispringerinnen (Bestweite 12:67 Meter) und war Dritte bei der Hessischen Meisterschaft über 10.000 Meter. Über 5000 Meter kann sie eine starke Bestzeit von 17:30 Minuten vorweisen.

Weltkulturerbelauf 2025
Die frühere Dreispringerin Chantal Buschung gewann souverän über die 10,7 Kilometer. // Christian Schuberth

Beim Weltkulturerbelauf übernahm Buschung bei Kilometer 6 die Führung von Kathi Trost-Kessler und baute ihren Vorsprung bis ins Ziel auf 22 Sekunden aus.

Neben Buschung waren noch drei Läuferinnen und Läufer aus der Bamberger Partnerstadt Villach am Start. Doch sicher nicht das letzte Mal, wie Buschung sagte: „Ich komme wieder!“

Inhalt teilen
  • kopiert!