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80 Jahre Fränkischer Tag
Was die Zeitung auch heute noch unverzichtbar macht
lokalredaktion
Blick in den ersten Redaktionsraum des Fränkischen Tags im Verlagsgebäude in der Innenstadt. // Foto: FT-Archiv
80 Jahre Fränkischer Tag
Bamberg – Mit einem klaren demokratischen Kurs navigiert der FT seit 1946 seine Leserinnen und Leser durch Wirtschaftswunderjahre, Wiedervereinigung und Globalisierung – und bleibt darin das Leitmedium für die Region. Darauf können Sie sich auch in Zukunft verlassen.
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Am Anfang gab es von allem zu wenig. Ein halbes Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs lag das Land in Trümmern, und das auch geistig-moralisch. Der Hitler-Faschismus hatte die in der Weimarer Republik so hoffnungsvoll gestartete erste Demokratie auf deutschem Boden niedergebrannt und Deutschland in eine der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte geführt.

Die vom Nationalsozialismus verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit haben bis heute immense globale Bedeutung, weil sie die Notwendigkeit von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie eindringlich zeigen.

Wie es zum Namen „Fränkischer Tag“ kam

In die dunkle Zeit nach der „Stunde Null“ sollte Bambergs neue Zeitung anstelle der von den Nationalsozialisten gleichgeschalteten Presse das Licht der Freiheit, des Rechts und der Demokratie bringen, das fortan jeden Tag erhellt. Und deshalb sollte sie „Fränkischer Tag“ heißen.

„Wir wollen mithelfen, unser Volk zurückzuleiten in die große Völkerfamilie der Welt“, gab der erste Herausgeber und Chefredakteur August Hans Brey als Ziel des Fränkischen Tags in dessen erster Ausgabe vom 8. Januar 1946 aus.


Gemeinsam durch bewegte Zeiten

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Der erste Tag im Verlagsgebäude am Maxplatz war vom Mangel an Kohlen zum Beheizen der Redaktionsräume und von fehlenden Auslieferungsfahrzeugen geprägt. Zeitweise fiel auch noch der Strom aus. Und auch der Hellschreiber streikte, das Fernschreibgerät für Nachrichten.

Pannenreicher erster Tag

Doch trotz der Pannen ging die erste, von der US-Militärregierung auf 60.000 Exemplare limitierte Auflage in den Druck und entwickelte sich von da an über die Jahrzehnte stetig nach oben, meistens jedenfalls. Eine Delle gab es Ende 1949, als sich nach Ende der Lizenzpflicht weitere Zeitungen in der Domstadt gründeten.

Auch das Bamberger Volksblatt ging wieder an den Start. Gegründet am 1. Februar 1849, war es ursprünglich liberal-antiklerikal ausgerichtet, wie Stefan Knoch, der stellvertretende Bibliotheksdirektor der Staatsbibliothek Bamberg, im Online-Nachschlagewerk „Historisches Lexikon Bayern“ schreibt.

FT 80 Jahre
Lastwagen zum Ausliefern der Zeitung waren am ersten Erscheinungstag des Fränkischen Tags Mangelware – genauso wie Kohle zum Beheizen der Redaktionsräume. // Foto: FT-Archiv

In den damaligen Revolutionswirren überlebte es nur vier Monate. 1872 wurde es ein zweites Mal wieder gegründet, verfocht dann nachdrücklich die katholische Sache und sollte für knapp 100 Jahre die Bamberger Zeitungslandschaft mitprägen.

1939 wurde das Volksblatt laut Knoch verboten und mit der Gauzeitung des NS-Regimes Bayerische Ostmark/Bamberger Tagblatt zwangsvereinigt.

Die Vorgängerzeitung: das Bamberger Tageblatt

Das Bamberger Tagblatt wiederum war 1834 gegründet worden und gilt als die eigentliche Vorgängerzeitung des Fränkischen Tags. Den Anstoß gab der Leiter der Königlichen Bibliothek Bamberg, Heinrich Joachim Jäck, der den befreundeten Drucker Johann Michael Reindl zur Gründung des Bamberger Tagblatts anregte.

„Die Gazette war zwar parteipolitisch unabhängig, grundsätzlich jedoch konservativ ausgerichtet“, berichtet Zeitungsforscher Knoch.

Nach dem Tod von Reindls Witwe 1902 wurde das Blatt an Richard Freiherr von Michel-Raulino verkauft. Dieser war engagiertes Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei, die gegen die Demokratie der Weimarer Republik kämpfte und durch ihre Koalition mit der NSDAP Adolf Hitler die Machtübernahme ermöglichte. Nach Raulinos Tod verblieb die Zeitung im Besitz der Familie und behielt ihre politische Orientierung bei, so Knoch.

Einige Monate nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler 1933 traten die Erben nach zähen Verhandlungen die Verlagsrechte an den NS-Verlag Bayerische Ostmark in Bayreuth ab.

Ihre Gauzeitung Fränkisches Volk/Bamberger Tagblatt ließen die Nationalsozialisten im Bamberger Reindl-Verlag drucken. Nach dem Krieg untersagte die amerikanische Besatzungsmacht den Verlagseigentümern deshalb jede eigenständige unternehmerische Tätigkeit. Doch die neue Lizenzzeitung Fränkischer Tag durfte unter der Regie der neuen Lizenzträger August Hans Brey, Walter Meiß und Georg Wirth im Gebäude und auf den Maschinen des ehemaligen Bamberger Tagblatts gedruckt werden.

1953 neue gemeinsame Verlagsgesellschaft

1953 beteiligten sich das Trio und die ehemaligen Eigentümer des Bamberger Tagblatts je zur Hälfte an einer neuen gemeinsamen Verlagsgesellschaft. Infolgedessen übernahm der Fränkische Tag die Jahrgangszählung des Bamberger Tagblatts.

1970 kaufte der Fränkische Tag das Bamberger Volksblatt – die ehemalige Konkurrenzzeitung leuchtet noch heute im Impressum des FT auf.

Der digitale Wandel hat auch die Printauflage des Fränkischen Tags sinken lassen – im dritten Quartal 2025 zählten alle Zeitungen der Mediengruppe Oberfranken eine verkaufte Auflage von 70.200 Stück.

Nach der Übernahme der Kulmbacher Baumann GmbH & KG mit deren Zeitungen Bayerische Rundschau und Coburger Tageblatt 2003 und der Saale-Zeitung sowie der Zeitung Die Kitzinger 2010 hatte die Gesamtauflage ihren Peak von über 120.000 erreicht.

Übernahme der Baumann-Gruppe eine „Meisterleistung“

Den Kauf nannte der damalige geschäftsführende Herausgeber Helmuth Jungbauer eine „verhandlungstechnische Meisterleistung“. Denn durch den Deal gelang es, den großen WAZ-Konzern vom Einstieg in das oberfränkische Zeitungsgeschäft abzuhalten. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hatte ein Jahr zuvor bereits die Saale-Zeitung aus Bad Kissingen gekauft.

Jungbauer rechnete es dem Kulmbacher Verleger Horst Uhlemann hoch an, dass er nicht den Verlockungen des WAZ-Konzerns erlegen sei, sondern sich für eine oberfränkische Lösung entschieden habe.

Jungbauers Nachfolger Walter Schweinsberg nannte den FT ein „Wert-Papier“. Qualitätsjournalismus erfordere umfangreiche Recherchen und damit qualifizierte Redakteurinnen und Redakteure. „Er ist ein Wert und hat seinen Preis – damals wie heute. Dafür steht auch in der Zukunft der FT.“

Doch trotz des analogen Auflagenverlusts (im E-Paper steigt die Auflage) gehört der Fränkische Tag bei vielen fest zur Familie, ist integrierter Bestandteil nicht nur am Frühstückstisch, bildet das lokale Leitmedium im unübersichtlicher werdenden Nachrichtendschungel.

Daran wird auch die zum 1. Januar 2026 erfolgende Übernahme durch die Mediengruppe Bayern nichts ändern.

FT – „Frankens Warte für Demokratie und Freiheit“

Der Fränkische Tag bleibt politisch unabhängig und wird weiter frei und ausgewogen über das Geschehen im westlichen Oberfranken, im nördlichen Mittelfranken und im östlichen Unterfranken berichten. Und dem Willen der Lizenzträger entsprechend „Warte für Demokratie und Freiheit für eine bessere Zukunft sein“.

Den noch heute für die Redakteurinnen und Redakteure geltenden Auftrag kleidete der erste Chefredakteur Hans Brey in den herrlichen Satz: „Deshalb braucht durchaus kein politischer Pickelsteiner-Eintopf gekocht zu werden.“

Keinen Pickelsteiner-Eintopf kochen – sondern mutig schreiben, was ist, wie Rudolf Augsteins Credo als Spiegel-Herausgeber lautete. Immer im Bewusstsein, dass Politiker wechseln, die Zeitung aber bleibt.

Und deshalb endet die Neutralität dort, wo die demokratische Grundordnung in Gefahr gerät. Dann bezieht der Fränkische Tag eindeutig Position – damit nicht wieder „Scharlatane und Verbrecher das Volk verführen“, wie Brey in seinem ersten Leitartikel in der ersten FT-Ausgabe vom 8. Januar 1946 verfügte.

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