Es dürfte an einer Kombination des außergewöhnlichen Termins kurz vor der Bundestagswahl, der Kommunalwahl 2026 und Festrednerin Judith Gerlach gelegen haben, dass der diesjährige Neujahrsempfang der CSU-Kreisverbände in Stadt und Landkreis einen Rekordbesuch verbuchen konnte. 400 Gäste sorgten für ein voll besetztes Foyer in der Konzerthalle.
Im Mittelpunkt der 90-minütigen Veranstaltung, musikalisch begleitet von Suzan Baker und Dennis Lüddicke begleitet, stand die Ansprache der Gesundheitsministerin, auch das Geschehen in Aschaffenburg war sehr präsent, zumal Gerhard Seitz als CSU-Kreisvorsitzender der Stadt zum Empfangsbeginn zu einer Schweigeminute aufrief.
Seitz wünscht sich Neuanfang in der Fraktion
In seiner Begrüßungsrede warf er einen „neidischen Blick auf die Geschlossenheit“ der CSU-Landkreis. „Die seit Jahren schwelenden persönlich motivierten Streitigkeiten bei uns müssen aufhören, auch die Lagerkämpfe und Gruppenbildungen. Ein Neuanfang in der Fraktion muss sein. Es wird höchste Zeit und es ist eine historische Chance im nächsten Jahr, das Rad zu drehen. Das gemeinsame Ziel muss größer sein als das persönliche Streben nach Macht. Ich sehe in Zukunft eine CSU-Oberbürgermeisterin“. Namen wolle er nicht nennen, bekam Applaus und begrüßte die Landtagsabgeordnete Melanie Huml.
Silberhorn fordert differenzierte Betrachtung des Themas Migration
Der optimistischen Einschwörung auf 2026 von Gerhard Seitz folgten Ausführungen von MdB Thomas Silberhorn mit dem Schwerpunkt Migration. „Irreguläre Migration müssen wir bekämpfen, beginnend an der Grenze bis hin zum Thema Abschiebung. Wir dürfen aber nicht in Pauschalierungen und Hetze verfallen, ein differenziertes Betrachten dieser Thematik ist notwendig.“
Der Seitz-OB-Wunschkandidatin Melanie Huml blieb es vorbehalten, Festrednerin Judith Gerlach den Gästen kurz vorzustellen. Ehe Gerlach auf die Gesundheitspolitik einging, brachte sie, die direkt von der Gedenkfeier für die Opfer der Aschaffenburger Messerattacke kam, ihre Betroffenheit über das Geschehen zum Ausdruck. „Jeder von uns in Aschaffenburg hat eine bestimmte Verbindung mit diesem Park, dem Ort des Geschehens. Mein Büro liegt nur eine Minute davon entfernt. Da geht man in der Pause oder auch mit seinen Kindern hin. Nun ist ein starkes Unsicherheitsgefühl entstanden.“
Gerlach sieht Katastrophe in der Pflege kommen
Die Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention berichtete anschließend über die großen Herausforderungen hinsichtlich der Pflege- und Krankenhausreform. „Wir steuern auf eine Katastrophe in der Pflege hin. Es gibt immer weniger Menschen, die diesen Beruf, der auszehrt, ausüben wollen, die ambulante und stationäre Pflege nimmt aber zu.“ Doch es ist nicht nur der demografische Aspekt, der die Situation verschärft. Die Unterfränkin forderte auch vehement, eine ethische Komponente zu beachten. „Die Menschlichkeit muss hochgehalten werden. Es muss genug Zeit für die Bedürfnisse der Menschen gegeben werden. Es darf auch nicht zu viel dokumentiert werden, da müssen die Anforderungen gesenkt werden.“
Johannes Maciejonczyk als CSU-Kreisvorsitzender Bamberg-Land und Bürgermeister einer Ortschaft mit Sitz eines Kreiskrankenhauses befürwortete die dringenden Gerlach-Finanzbitten. „Die Notfallversorgung muss gewährleistet bleiben. Der Bund muss dafür sorgen, dass wir über die Runden kommen. Eine gewisse Zeit geht die Mitfinanzierung über die Kreisumlage, aber auch unsere Kommunen sind an allen Ecken und Enden gefordert.“
Seine Schlussworte wurden mit großem Applaus bedacht, schließlich konnte er auch die freudige Nachricht verkünden, dass anstelle von Weihnachtsgeschenken bei der Landkreis-CSU ein 400 Euro-Geschenk an den Förderverein der Lebenshilfe „Hand in Hand“ übergeben wird. Die Freude beim 1. Vorsitzenden Günter Kolb war riesengroß.
Nachdem das Bayernlied und die Nationalhymne verklungen waren, wurde während des Umtrunks von der Stadt CSU um Geldspenden für die Ukraine und die Betroffenen des Aschaffenburger Attentats gesammelt und damit eine passende Klammer geschaffen zur eingangs erwähnten Gedenkminute.
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