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Landtagswahl 2023
Trotz Humls Sieg brodelt es in Bambergs CSU
Melanie Huml (CSU), hier bei der Stimmabgabe im Stadtarchiv, hat ihr Mandat erfolgreich verteidigt: Sie bleibt Vertreterin des Stimmkreises Bamberg-Stadt.
Melanie Huml (CSU), hier bei der Stimmabgabe im Stadtarchiv, hat ihr Mandat erfolgreich verteidigt: Sie bleibt Vertreterin des Stimmkreises Bamberg-Stadt. // Ronald Rinklef
Bamberg – Melanie Huml (CSU) hat das Direktmandat zum vierten Mal erobert. Dennoch ist die Parteibasis unzufrieden: „Das Ankerzentrum fliegt uns um die Ohren.“

Es ist kurz nach 20 Uhr und im Ambräusianum in der Sandstraße ist von Feierlaune wenig zu spüren. Das letzte Häuflein aufrechter CSUler, das noch nicht nach Hause gegangen ist, erlebt gerade einen Wahlkrimi, der die schlimmsten Befürchtungen wahr werden lässt: Über 47 Prozent hat die AfD im Wahlbezirk Gereuth rund um die Baskidhall geholt. Auch in Gaustadt sind die Rechtspopulisten stark und haben im Wahllokal  Grundschule 3  mit 24,4 Prozent sogar die Grünen überholt. Eine Niederlage, die hätte vermieden werden können, glauben sie hier.

Während Melanie Huml gemeinsam mit Ministerpräsident Markus Söder im Landtag in München den Sieg der CSU beschwört, sind es unverblümte Worte, die an der Basis im Ambräusianum fallen: „Das Ankerzentrum fliegt uns um die Ohren. Die Leute lassen sich nicht mehr verarschen.“

Frust über die Abwesenheit

Vielleicht war es ja der Frust über die kurzfristige Mitteilung der „Chefin“, bei der Wahlparty doch nicht dabei sein zu können, der einige Parteisoldaten so hart urteilen lässt. Gerhard Seitz, der neue Kreisvorsitzende, ist einer der wenigen, der keinen Grund sieht, einen „Pyrrhussieg“ auszurufen. Im Gegenteil: Er bezeichnet das bayernweite Ergebnis als Sicherheit dafür, dass das Land „weiter stark und stabil regiert wird“. Man müsse heute zur Kenntnis nehmen, dass viel mehr Konkurrenten als noch vor wenigen Jahren auf dem Markt sind. AfD und Freie Wähler fischten beide im CSU-Klientel. Selbstkritisch merkt Seitz an, dass es der CSU nicht gelungen sei, gegenüber der Ampel klar zu machen, wie bessere Politik aussehen könne.

Viel mehr Konkurrenten

Auch für Melanie Humls Abschneiden findet Seitz versöhnliche Worte. Die 48-jährige Ministerin liegt, nachdem ein Drittel der Stimmbezirke ausgezählt sind, zwar vorne, doch knapp über 30 Prozent wären, wenn es dabei bliebe, alles andere als einer strahlender Sieg. Und während die Parteispitze im Ambräusianum auf die noch nicht ausgezählten Stimmen der konservativen Landkreisbewohner hofft, herrscht an der Basis schonungslose Offenheit. „Hier geht niemand davon aus, dass Melanie Huml nach dieser Wahl ihren Ministerposten behält.“

Der Himmel hellt sich auf für Huml

Kurz nach 21 Uhr sind im Wahlkreis 402 Bamberg-Stadt gerade zwei Drittel der Stimmbezirke ausgezählt, und der Himmel hat sich für die seit 20 Jahren im Landtag sitzende Melanie Huml tatsächlich aufgehellt. Sie liegt jetzt bei 37 Prozent, deutlich dahinter mit nur noch 18 Prozent die Konkurrentin Ursula Sowa, die über den ersten Platz auf der oberfränkischen Listen aber abgesichert ist. Für Huml, die am Ende bei 36,6 Prozent bleiben wird, spricht auch, dass sie mit dieser Quote deutlich über dem Zweitstimmenergebnis der CSU liegt – ein Maßstab für persönliche Beliebtheit.

Was Huml sagt

„Ich liege mit 37 Prozent ziemlich genau auf Landesschnitt und bin zufrieden mit meinem Abschneiden – knapp 20 Prozent vor der Zweitplatzierten“, sagt Melanie Huml selbst über ihr Ergebnis. Die Kritik wegen des Ankerzentrums weist sie zurück. Bayern müsse so viele Migranten aufnehmen, wie Berlin zulasse und hier blockiere die grüne Fraktion aber auch die SPD seit Monaten eine europäische Lösung, sagt Huml, die in den vergangenen Wochen beim Haustürwahlkampf viel über den Frust in Bamberg-Ost erfahren hat. „Die Sorgen und die Verunsicherung sind groß.“

Michael Weiß von der AfD startet durch

Trotz des Siegs von Huml wird an diesem Abend klar: Die Alternative für Deutschland ist in Bamberg keine Randerscheinung mehr. Michael Weiß, der vergleichsweise unbekannte AfD-Bewerber, kommt im Stimmbezirk 402 auf rund 16 Prozent. Das sind kaum weniger als die 66-jährige Vollblut-Politikerin Ursula Sowa und doppelt so viel Zähler, wie SPD-Kandidatin Eva Jutzler auf sich vereinen kann.

Eine Folge der Unzufriedenheit

Für den Direktkandidaten der AfD im Landtagswahlkreis Bamberg-Stadt Michael Weiß ist der Erfolg der rechtspopulistischen Partei Ausdruck der Unzufriedenheit der Menschen. „Das Ergebnis zeigt, dass die Leute sehr unzufrieden sind mit der aktuellen Bundes- und Landespolitik“, erklärte der 54-Jährige. Die Unzufriedenheit speise sich nicht nur aus der Migrationskrise, sondern auch aus der Klimapolitik der Ampelregierung. „Der Heizhammer und die CO2-Bepreisung haben vielen Menschen auf dem Land, die ein Eigenheim haben, Angst gemacht, enteignet zu werden.“

Eva Jutzler ist enttäuscht

Wundenlecken ist dagegen bei der SPD angesagt: Die Bamberger SPD-Direktkandidatin Eva Jutzler macht keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über das schlechte Abschneiden ihrer Partei. „Wir hatten das Problem, dass wir uns nicht lösen konnten von der Bundespolitik. Das aktuelle Erscheinungsbild der Ampel in Berlin hat uns nicht geholfen“, erklärte sie. Auf Platz vier der oberfränkischen Landesliste der Sozialdemokraten hätte sie „mit einem gut zweistelligen Ergebnis Chancen“ gehabt, in den Landtag einzuziehen. Mit einem landesweiten SPD-Ergebnis von unter zehn Prozent sei damit nun nicht zu rechnen.

Wird Bayern nur noch verwaltet?

Noch schlimmer hat es an diesem Wahltag die FDP getroffen. Kandidat Ralf Stöcklein nimmt es trotzdem gefasst. Es sei abzusehen gewesen, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte. Als erschütternd bezeichnet es der 34-jährige Politikwissenschaftler, in welchem Maße der rechte Rand von dieser Wahl profitiert habe. Freilich sei es den Freien Demokraten nicht gelungen, die Erfolge der Bundes-FDP ins rechte Licht zu setzen und mehr Aufmerksamkeit auf die Landespolitik zu lenken. Hier fehlten der Regierung aus CSU und Freien Wählern die Ideen: „Bayern wird seit Jahren nur noch verwaltet.“

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