Es ist noch ein verhaltener Jubel, denn erst vor zwei Stunden haben die Wahllokale geschlossen. Die Hochrechnungen sehen zu diesem Zeitpunkt die CSU aber bereits bei 39 Prozent, das wären knapp zwei Prozent weniger als bei der Europawahl 2019 (40,7 Prozent in Bayern, das entspricht 6,3 Prozent deutschlandweit).
Dennoch ist Monika Hohlmeier am Telefon Erleichterung anzuhören. „Toi toi toi, es geht mir gut“, sagt die CSU-Politikerin. Und meint damit die Politik – und auch ihr eigenes Leben.
Hohlmeier: Kollaps mitten im Europa-Wahlkampf
Nach einem Wahlkampf, wie ihn Monika Hohlmeier noch nicht erlebt hat. In dem sie selbst plötzlich lahmgelegt war. Infolge einer Autoimmunreaktion spielte die Bauchspeicheldrüse verrückt, rauschten die Blutzuckerwerte wegen einer seltenen Diabetes-I-Variante nach oben.
Dann kam Mitte April der Kollaps. Die 61-Jährige musste erst in die Notaufnahme und nach der lebensbedrohlichen Diagnose kurz vor der Wahl eine Vollbremsung einlegen. „Mir wurde damals plötzlich der Stecker gezogen. Das hätte auch ganz anders ausgehen können.“
Die in Bad Staffelstein lebende Europaabgeordnete belegt auf den Wahlzetteln zur Europawahl Listenplatz 4 der CSU. Noch ist der Wahlabend jung, doch diese Platzierung dürfte bei den da schon vorliegenden Zahlen auf jeden Fall für eine weitere Legislaturperiode für die einzige oberfränkische Abgeordnete im Europaparlament reichen. Sechs Plätze bekommt die CSU wahrscheinlich, vielleicht auch sieben.
CSU-Abgeordnete: AfD-Ergebnis viel zu hoch
Im Wahlkampf mussten plötzlich Parteifreunde und Politiker-Kollegen für die Tochter der CSU-Ikone Franz Josef Strauß einspringen, Termine wahrnehmen, die Wahltrommel rühren. Während Hohlmeier zur Ruhe verdonnert war und seit dem Zusammenbruch mehrmals täglich Insulin spritzen muss. „Es geht inzwischen deutlich aufwärts, ich kann stundenweise am Schreibtisch arbeiten, Briefe und Mails beantworten.“
Für sie hat die CSU mit Spitzenkandidat Manfred Weber „ein respektables Ergebnis erzielt, nach dem was alles vorausgesagt worden ist, wegen der vielen kleinen Parteien, keiner Prozenthürde und einer noch stärker erwarteten AfD“.
Während sie Weber gratuliert, ist ihr das AfD-Ergebnis immer noch viel zu hoch. Und die Ampel sei auf Europaebene abgewählt worden. „Gerade die Grünen haben ein sehr deutliches Minus erfahren, die Leute wollen sich nicht bevormunden lassen.“
Sie sehe als ein Ziel ihres politischen Wirkens, eine Kursänderung zu erreichen und unter anderem wieder für weniger Bürokratie und Dokumentationspflichten zu sorgen. „Wir wollen umsetzen, was wir den Landwirten zugesagt haben. Und wir werden darauf drängen, dass auch die Bundesregierung den Migrationspakt ernst nimmt.“
Erst Arztbesuch, dann wieder Brüssel
Im Europäischen Parlament erwarte sie nun, dass sich die demokratischen Parteien hinter EVP-Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen scharen und „ich kann nur hoffen, dass nicht wieder in Hinterzimmern etwas anderes vereinbart wird“.
Den Wahlabend verfolgt Hohlmeier in München, in der CSU-Landesleitung. „Ich hätte heute sonst einen Lagerkoller bekommen“, sagt die 61-Jährige. Und nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten will sie am Montag nach Brüssel fliegen. „Es muss ja nicht gleich ein 16-Stunden-Tag sein, zwölf müssen reichen.“
Freilich wolle sie weiter ihre Gesundheit im Blick haben, das habe sie ihren Kindern versprochen. Hohlmeier lässt sich regelmäßig untersuchen und checkt ständig den Blutzuckerspiegel. „Und im Sommer will ich nochmal gründlich Pause machen“. Aber davor stürzt sie sich erst einmal wieder in die Politik. „Das brauche ich, denn ich bin ja nach wie vor ein politischer Mensch.“












