Es ist ein Kompromiss, der allen gerecht werden soll: Auf dem früheren Muna-Gelände könnten künftig Erschließungsflächen für Gewerbe und neue Naturschutzgebiete wachsen – zuvor soll aber endlich der Kauf von der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) über die Bühne gehen.
Muna Bamberg: einst Munitionsfabrik für zwei Weltkriege
Die Fläche, auf der einst Munition für zwei Weltkriege produziert wurde, war vor fünf Jahren der große Zankapfel der Bamberger Stadtentwicklung. Am Ende stimmte damals die große Mehrheit der Bamberger gegen die Pläne für ein großes Gewerbegebiet.
Während sich danach Stadt und Bürgerinitiative „Rettet den Hauptsmoorwald“ in vielen Fragen nähergekommen sind, wurde jahrelang mit der Bima um einen Ankauf gerungen. Der Bund nutzte die Zeit, um bis September 2022 für einige große Stücke vom einst 139 Hektar großen Kuchen Eigenbedarf anzumelden.
So soll an der Gutenbergstraße ein neues Hauptzollamt entstehen, weitere Flächen (unter anderem am Schießplatz) werden zum Ausgleich diverser Autobahn- oder Bahnbaustellen verwendet.
Bamberg muss erklären, was auf der Muna geplant ist
Für den verbliebenen Rest von 58 Hektar drängt laut Baureferent Thomas Beese nun die Zeit, da derzeit der Bund keinen weiteren Eigenbedarf sieht - was sich aber auch schnell wieder ändern könne. Deshalb müsse die Stadt Bamberg nun kurzfristig erklären, was sie auf der Fläche vorhat.
Ein grobes Nutzungskonzept der Verwaltung sieht ein erweitertes Naturschutzgebiet Muna mit 15 Hektar vor, für die Haupterschließung sowie Wald- und Grünlandbereiche werden 23 Hektar angesetzt. Damit bleiben etwa 20 Hektar für gewerbliche Entwicklungsflächen – was auch das maximale Zugeständnis der Bürgerinitiative war.
Neues Gewerbe in Bamberg: Erschließung über die Gutenbergstraße
Erschlossen werden sollen die neuen Entwicklungsflächen dann über die Gutenbergstraße. Das bedeutet zwar zusätzlichen Verkehrsdruck auf den Berliner Ring, eine Anbindung an die Geisfelder Straße soll laut OB Andreas Starke (SPD) aber unbedingt vermieden werden.
Damit wird eine der Hauptforderungen der Bürgerinitiative aufgegriffen, die zusätzliche Belastungen für die Menschen in Bamberg-Ost auf jeden Fall verhindern wollte. Björn Scharf macht für die BI außerdem deutlich: „Wir bestehen weiterhin auf die Ausweisung der seit 2019 geforderten Schutzgebiete.“
Neues Bamberger Hauptzollamt
Was die 20 Hektar angeht, betont seine Mitstreiterin Antonia Grim, dass hier von „Entwicklungsflächen“ und nicht von Gewerbeflächen die Rede sein müsse. Wie dann die endgültige Ausgestaltung aussehe, bleibe das Ergebnis einer umfassenden Bürgerbeteiligung. Und für die BI ist laut Scharf auch schon das künftige Hauptzollamt Teil der 20 Hektar Entwicklungsfläche
„Keine Zeit für Rosinenpickerei“
Beese stellt fest, dass vor einer tatsächlichen Nutzung das Gelände aber erst einmal auf Kampfmittel untersucht, Altlasten beseitigt und das Gebiet erschlossen werden müsse. Das alles sei für die Stadt Bamberg mit weiteren Investitionen und Ausgleichsmaßnahmen verbunden. Insofern stellt auch die Zweckerklärung, die der Konversionssenat am Dienstagabend verabschiedet hat, zunächst einmal „eine langfristige Entwicklungsperspektive“ dar.
Für Starke ist damit ein Kompromiss gefunden worden, „der auch ganz eng mit dem Ergebnis des Bürgerentscheid 2018 zusammenhängt“. Diesen Interessenausgleich müsse man nun mit Leben erfüllen, es sei nicht mehr die Zeit für „Rosinenpickerei“. Starke gibt sich hoffnungsvoll: „Seitens der Bima könnte nach zeitnaher Übermittlung bald eine Wertermittlung und ein Entwurf eines Kaufvertrages vorgelegt werden.“
Grünes Bamberg dankt OB Starke
Wenn sich Stadt und Bima über die Vertragsinhalte einig würden, sei vielleicht noch in diesem Jahr eine notarielle Beurkundung des Kaufes möglich.
Stefan Kurz (Grünes Bamberg) dankte dem OB ausdrücklich dafür, dass er „als Ausfluss des Bürgerwillens eine Lösung gesucht“ habe. Der gefundene Ausgleich habe letztendlich viele Gewinner, Befürworter eines Gewerbegebietes und diejenigen, die das nur im kleineren Rahmen wollten.
Manche hätten gern mehr Gewerbe für Bamberg gehabt
CSU-Fraktionssprecher Peter Neller hätte sich „gewünscht, dass dieser Kompromiss schon länger zustande gekommen wäre“. Man könne ihn durchaus als Erfolg feiern, allerdings seien 20 Hektar „in wirtschaftlicher Hinsicht nicht der große Wurf“.
Auch Peter Süß (SPD) ist der Ansicht, dass „ein wenig mehr Gewerbegebiet für Bamberg gut gewesen wäre“.
Diese Einschätzung teilen im Großen und Ganzen auch Hans-Günter Brünker (Volt) und Daniela Reinfelder (BuB), die aber den Kompromiss ebenso mitgehen: „Besser als nichts.“
Für die fraktionslose Karin Einwag ist hingegen „das Gewerbegebiet immer noch zu groß“. Und Heinrich Schwimmbeck (Bamberger Linke Liste) lehnt den Kompromiss ab, weil aus seiner Sicht auf der Muna alles so bleiben sollte, wie es derzeit ist. Doch davon ist nach dem jüngsten Kompromiss nun nicht mehr auszugehen.













