Die Kunst, etwas zwischen den Zeilen zu lesen, lässt sich bei Parteiveranstaltungen auf allen Ebenen perfektionieren. Was dort gesagt wird, ist ebenso wichtig, wie das, was eben nicht gesagt wird. Vor allem in der CSU, deren Verbände professionell eingetaktet sind und bei Neuwahlen ungern etwas dem Zufall überlassen. Passend dazu hatte der Kreisverband Bamberg Land bereits im Vorfeld der Wahl seines neuen Vorsitzenden die Personalie geklärt.
Thomas Silberhorn tritt nach zwölf Jahren ab – Johannes Maciejonczyk übernimmt. Die eigentliche Wahl brachte dahingehend keine Überraschungen.
Interessant jedoch, dass sich die CSU für eine Zukunft ohne Silberhorn an der Spitze entschieden hat. Der Bundestagsabgeordnete ist erst 53 und hätte in seiner neuen Berliner Rolle in der Opposition auch mehr Zeit gehabt – etwa für den Kreisverband.
Zuletzt musste die CSU Federn lassen
„Ich habe in zwölf Jahren auf allen Ebenen einen Übergang und Generationswechsel moderiert. Bei den nächsten personellen Änderungen die anstehen, macht es Sinn, das in jüngere Hände zu legen“, sagte Silberhorn auf Nachfrage. Was er freilich nicht sagte: Zuletzt hatte die CSU bei der Kreistagswahl sechs Prozent Verluste erleiden müssen, und auch bei der Bundestagswahl blieb er bei der Verteidigung seines Direktmandates nicht vom deutschlandweiten Abwärtstrend der Union verschont.
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Das politische Momentum ist also eindeutig auf Seite Maciejonczyks, der in Burgebrach als Bürgermeister bei der Wahl gesetzt war und als Hoffnungsträger für die Zukunft gilt. Silberhorn selbst schlug ihn als Nachfolger vor, gehandelt wurde dieser am Abend als „der neue Superstar der CSU Bamberg Land“. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.
Spannung zwischen Berlin und Bamberg
Der neue Frontmann bedankte sich für die Wahl mit 97 Prozent. Als Aufgaben für die Zukunft nannte Maciejonczyk: „Wir müssen wieder mehr zeigen, dass wir an der Basis verortet sind, uns wieder mehr ins Spielfeld bringen. Wir müssen dazu den Menschen an der Basis mehr zuhören.“ Was er freilich nicht sagte: Gerade die fehlende Nähe zur Basis wurde Silberhorn in den vergangenen Jahren vermehrt vorgeworfen – auch wenn es bei der Neuwahl stehenden Applaus gab.
„Es ist immer ein Spagat zwischen Landkreis und Berlin. Das ist ja auch der Grund, warum das nicht viele anstreben, beides zu tun“, sagte Silberhorn zu dieser Kritik. Nun kann er sich auf die Stimmkreisarbeit konzentrieren. Letzte Termine für das Verteidigungsministerium bei der Nato und der EU – „dann muss ich mich neu sortieren“.
Neu sortiert ist nun auch die CSU Bamberg Land. Im Steigerwalddorf Priesendorf geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Wochenende für CSU-Verhältnisse eine kleine Sensation: Die Frauen sind in der neuen Kreisvorstandschaft in der Überzahl, und das ohne Quote oder offizielle taktische Strategie. Zwar sagte am Ende der Wahl die Frauenunionsvorsitzende Angelika Saffer auf Anfrage: „Ich bin schon zufrieden.“ Auch die umstehenden Frauen waren dieser Meinung, meinten aber, dass die Frauen sich doch noch mehr zutrauen müssten.
Von den 1901 CSU-Mitgliedern im Kreis sind 72 Prozent Männer und 18 Prozent Frauen. Von ihrem Sieg bei den 150 anwesenden Delegierten – die meisten davon männlich, einige der weiblichen Kandidatinnen waren verhindert – sprach aber keine.
Mehr Frauen im Führungsteam
War den CSU-Frauen ihr Sieg gar nicht bewusst? Selbst Elke Eberl aus Hirschaid, die neu in den engeren Vorstand als Stellvertreterin gewählt wurde, outete sich nicht als Siegerin und sprach von den immer noch großen Hindernissen in der Partei oder im Ortsverband.
Oder war das gute Abschneiden der Frauen einfach keine Überraschung? Denn auch diese Personalien waren – typisch CSU – vorher abgesprochen. „Unser Vorstand wird jünger und weiblicher“, hatte Maciejonczyk bereits im Vorfeld angekündigt.
Mit seinem neuen Team will der Vorsitzende künftig nicht nur reale, sondern verstärkt auch digitale Stammtische im Internet besser bespielen. Als weitere Herausforderungen sieht er neben Corona die geänderte politische Landschaft in Deutschland. In Bayern und im Kreis aber müssten die politischen Kontrahenten keine Rücksicht auf Ampelkoalitionen nehmen. Im Kreistag müsse Wolfgang Möhrlein als Fraktionsvorsitzender ständig Mehrheiten organisieren, um Ideen zum Tragen zu bringen.
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Das Team dafür steht. Wiedergewählten wurden Holger Dremel, Landtagsabgeordneter aus Scheßlitz, und der amtierenden Landrat Johann Kalb aus Buttenheim. Zu den nun fünf Stellvertretern wurden neu dazu gewählt: der Hallstadter Bürgermeister und Bezirksrat Thomas Söder, Marion Link, die stellvertretende Kreisbäuerin aus Ebrach, und Elke Eberl, Zweite Bürgermeisterin in Hirschaid. Andrea Weigler aus Baunach hatte nicht mehr kandidiert.
Aus den 24 vorgeschlagenen Beisitzern wurden 14 weitere Vorstandsmitglieder gewählt: Thomas Firnstein (Scheßlitz), Jürgen Reinwald (Memmelsdorf), Martina Bartl (Oberhaid), Johanna Neser (Burgebrach), Rüdiger Gerst (Kemmern), Helmut Krämer (Heiligenstadt), Anna Schmitt (Baunach), Anja Franz (Breitengüßbach), Clarissa Schmitt (Reckendorf), Anja Sauer (Frensdorf), Ivonne Endres (Hirschaid), Hans-Jürgen Scheerbaum (Rattelsdorf), Rudolf Krapp (Wattendorf), Stefanie Stollberger (Hallstadt).











