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Bilanz: Siege und Niederlagen
Wofür sich Bambergs Oberbürgermeister Starke entschuldigt
Andreas Starke ist seit 2006 Oberbürgermeister der Stadt Bamberg
Andreas Starke ist seit 2006 Oberbürgermeister der Stadt Bamberg // Foto: Ronald Rinklef/FT-Archiv
Bamberg – Selbstkritisch zieht Andreas Starke Bilanz – und entschuldigt sich sogar. Eine OB-Bilanz zieht auch der FT. Und dann ist da noch eine Wunde, die Starke in Bamberg unbedingt heilen möchte.

Andreas Starke neben den Deutschen Basketball-Meistern aus Bamberg; Starke neben Ministerpräsident Horst Seehofer; Starke neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Der scheidende OB hat bei seinem Alleingang in Richtung Ruhestand 2026 einige Fotos mitgebracht. 

Andreas Starke: Der Oberbürgermeister begrüßte 2022 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Bamberg.
Andreas Starke: Der Oberbürgermeister begrüßte 2022 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Bamberg. // Sebastian Schanz

Das Gesicht ist um ein paar Falten reicher geworden in 18 Jahren Amtszeit, darunter sicher ein paar Sorgenfalten. Jung geblieben ist dagegen sein Lächeln. Dieses leicht ironische Grinsen, das jeden Moment einen lockeren Spruch erahnen lässt – dieses Charisma hat Starke in Bamberg drei erfolgreiche OB-Wahlen eingebracht.

Oberbürgermeister Andreas Starke zeigt sich selbstkritisch

Eine gewonnene Stichwahl gegen Peter Neller (CSU) 2006, ein Durchmarsch gegen Gerhard Seitz (CSU/BBB) und Wolfgang Grader (Grüne) 2012, und dann 2020 eine siegreiche Stichwahl gegen Jonas Glüsenkamp (Grüne).

In seiner Bilanz zeigt sich Starke selbstkritisch. „Es gab natürlich Höhen und Tiefen. Eine will ich nicht übergehen: Zu den Tiefen gehören sicherlich die gerichtlichen Verfahren vor drei Jahren“, erklärt Starke. Die Begriffe „illegale Sonderzahlungen“ oder „Rathaus-Affäre“, die ihm einen Strafbefehl eingebracht haben, nennt er nicht. Auch nicht die illegale Herausgabe von Daten von Bambergern mit Migrationshintergrund für Wahlkampfzwecke – Strafbefehl Nummer zwei. 

„Ich habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und das Beste für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger gesucht“, wiederholt Starke. Auch habe er sich immer schützend vor seine Mitarbeiter gestellt. „Trotzdem tun mir die Auswirkungen natürlich leid.“ 

Insgesamt bewertet Starke seine Amtszeit als Erfolg. Hat er damit Recht? In 18 Jahren hat der OB einige Siege, aber auch Niederlagen erlebt. Und Bamberg mit ihm.

Starkes Siege 

Ein wichtiger Erfolg ist bei jungen Bambergern heute schon selbstverständlich – wenn sie durch die Sandstraße flanieren. „Vorher fuhren da die Lkw durch, jetzt haben wir hier ganz viel Lebensqualität“, sagt Starke dazu. 

Die Revitalisierung der Erba-Insel von der Industrie-Brache zum begehrten Wohngebiet ist ein weiterer Sieg. Initialzündung war die Landesgartenschau 2012. Ein OB-Coup. 

Oberbürgermeister Andreas Starke überreicht Michael Stoschek die Dankesurkunde der Stadt.
Oberbürgermeister Andreas Starke überreicht Michael Stoschek die Dankesurkunde der Stadt. // Jürgen Schraudner, Stadtarchiv

Für die Brose-Ansiedlung am Berliner Ring opfert Starke 2014 den Volksfestplatz – der Wirtschaftsstandort erhält dafür einen neuen großen Player. Und nicht zuletzt einen verlässlichen Gewerbesteuerzahler. Die gleichnamige Brose-Arena hat die Stadt mittlerweile in ihre Hände genommen – auch das gilt als Erfolg Starkes. 

Der vierte Bettenturm steht, die Sanierung St. Michaels ist bald abgeschlossen. Und auch die Wiederbelebung der Brachen Untere Mühle zum Welterbe-Zentrum und des Sparkassenareals zum Quartier an den Stadtmauen sind Erfolge. 

Starkes Niederlagen

Das Ankerzentrum wirkt wie ein wunder Punkt für Bamberg – nicht zuletzt für die 2700 Menschen, die dort leben. Rund um die Flüchtlingseinrichtung feiern die Rechtspopulisten der AfD ihre größten Erfolge in der Stadt. Für den Sozialdemokraten Starke sind es braune Schönheitsfehler in seiner Amtszeit. 

Zwar betont der OB, bei den Verhandlungen vor bald zehn Jahren „nur am Katzentisch“ gesessen zu haben, als Bund und Land die Entscheidung trafen. „Es hätte keinen Sinn gehabt, Nein zu sagen, und damals herrschte eine große Welle der Schutzbereitschaft.“ Das Digitale Gründerzentrum bekam die Stadt als eine Art Gegenleistung. 

Doch nennt auch Starke selbst die Schließung des Ankerzentrums heute als einen wichtigen Punkt, den er in seinen zwei verbleibenden Jahren noch schaffen will. „Die Vereinbarung sieht klar vor, das Ankerzentrum 2025 zu schließen. Und wir müssen in Bamberg alles daransetzen, dass das auch passiert.“ Indes: Ein Jahr vorher ist davon noch nichts zu erkennen. 

Bambergs OB fürchtet wachsendes Konfliktpotenzial durch die  Überfüllung des Ankerzentrums  Bamberg.
Bambergs OB fürchtet wachsendes Konfliktpotenzial durch die Überfüllung des Ankerzentrums Bamberg. // Ronald Rinklef

Noch nichts zu erkennen ist auch auf dem Muna-Gelände. Starke hat 2018 den Bürgerwillen falsch eingeschätzt. Ein seltener Fall, wo ihn sein politischer Instinkt im Stich gelassen hat. Auch die Muna steht auf seiner To-do-in-two-Years-Liste. Verhandlungen laufen.

Neue Gewerbeflächen sollen einen Sündenfall entschärfen, der weit vor Starkes Amtszeit vergeigt wurde: In den 1970ern, als Bamberg bei der Gebietsreform einen zu engen Gürtel verpasst bekam. Zu wenig Gewerbeflächen, zu wenig Einnahmen durch Gewerbesteuer – die Muna soll gegensteuern. „2024 soll das realisiert werden“, kündigt Starke an. 

Ein Schandfleck bleibt der Bahnhofsvorplatz. Auch der triste Maxplatz sieht weiter aus wie eine steingewordene städtebauliche Niederlage des Oberbürgermeisters.

Unentschieden in Starkes Amtszeit

Irgendwo zwischen Sieg und Niederlage tendiert das Thema Touristen. Die Beliebtheit bei Besuchern ist für Bamberg Fluch und Segen gleichermaßen. 

Auch beim Thema Verkehr fällt es schwer, einen Erfolg zu sehen. Zwar ist ein Verkehrsentwicklungsplan beschlossen – doch die Durchsetzung ist in weiter Ferne. 

Glücklos nennen Kritiker Starkes Erfolge bei der Konversion. Sie argumentieren: Selten hatte ein OB ein so großes Spielfeld, um seine Visionen zu verwirklichen – wie nach dem Abzug der Amis. Zwar nennt Starke die Ansiedlung der Bundespolizei als Erfolg, doch der Flächenverbrauch ist enorm. 

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Überall Baukräne und Veränderung. Nur die Reithalle bleibt noch unberührt. // Julian Megerle

Seit Jahren muss sich Starke die Kritik anhören, den Mangel an Wohnraum in der wachsenden Schwarmstadt vernachlässigt zu haben. In den vergangenen Jahren passierte endlich etwas. Heute nennt Starke den Ulanenpark, die Erba, das Schaeffler-Gelände, die Stadtbau-Projekte sowie das Lagarde-Quartier als Teile der Wohnoffensive.  

Stichwort Offensiven: Eine solche gab es auch in Sachen Kinderbetreuungsplätze. Lange war Bamberg bekannt dafür, Eltern Absagen zu schicken. In sieben Jahren wurden 500 neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen. Diesen Misserfolg hat Starke in einen Erfolg gekehrt. 

Starkes To-do-Liste

Was in zwei Jahren noch geschehen soll? Bürgernähe nennt Starke an erster Stelle. Die Förderung von Schulen und Jugend. Außerdem möchte er die Kultur stärken – etwa mit der Reithalle auf dem Lagarde-Campus. Freie Kulturräume sind Mangelware. Beim Atrium soll 2024 der Spatenstich erfolgen.

Andreas Starke vor der Atrium-Ruine in Bamberg
Andreas Starke vor der Atrium-Ruine in Bamberg // Matthias Hoch/FT-Archiv

Das Jahrhundertprojekt Trassenausbau der Bahn will Starke streng überwachen. Der OB will eine „Teilung“ der Stadt unbedingt vermeiden. Nötig sei eine durchdachte Baustellen- und Verkehrsplanung. „Es kann nicht sein, alle 15 Unterführungen gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Wir brauchen Durchlässigkeit.“

Letztlich wird den Ausbau der Bahntrasse aber ein anderer Bamberger Oberbürgermeister begleiten müssen. Wer auch immer es sein wird: Seinem Nachfolger will Starke in den verbleibenden zwei Jahren die Weichen weise stellen. 

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