Update vom 5. April 2025, 9.30 Uhr:
Mit Antwort des Stadtmarketing-Vorstands und Stellungnahme von CSU-Stadtvorsitzendem Gerhard Seitz
Die Klaus-Stieringer-Saga ist in Bamberg noch nicht zu Ende geschrieben. Nach der Awo hat der Ämter sammelnde Tausendsassa nun auch im Stadtmarketing ordentlich Druck im Kessel erzeugt. Grund ist seine Weigerung, sich von den teils fremdenfeindlichen Forderungen der BuB-Stadtratsfraktion zum Ankerzentrum öffentlich zu distanzieren.
Wie im Sozialverband Awo glaubt Marketingmann Stieringer offenbar auch hier, im Stadtmarketing, sich der Vorwürfe mit intern gegenüber dem Vorstand geäußertem Bedauern entledigen zu können. Doch hier wie da sind längst nicht alle Mitglieder mit seinem Vorgehen einverstanden.
Wie berichtet, hatte die aus Stieringer, Karin Einwag und Daniela Reinfelder bestehende Fraktion von „Bambergs unabhängigen Bürgern“ im Februar einen „Forderungskatalog für Bamberg-Ost“ veröffentlicht, der in der Stadtgesellschaft heftige Diskussionen und breite Ablehnung auslöste. Unter anderem verlangten die drei Politiker eine nächtliche Ausgangssperre für Geflüchtete, ein Zugangsverbot für männliche Flüchtlinge zu Stadionbad und Bambados und die „Relokalisierung“ der deutsch-arabischen Moschee hinter die Zäune des Ankerzentrums.
Im Awo-Kreisverband Bamberg Stadt und Land hatten deshalb der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz und die Stadträte Ingeborg Eichhorn sowie Heinz Kuntke (alle SPD) Stieringers Rücktritt vom Vorsitz gefordert. Als Antwort bekamen sie von Awo-Kreisgeschäftsführer Matthias Kirsch Ende März aber Schreiben, die den Spieß umdrehten und ihnen den Austritt nahelegten. Kirsch ließ mitteilen, dass sich Stieringer gegenüber dem Vorstand von den strittigen Punkten des BuB-Papiers distanziert und entschuldigt habe.
Beiräte: Stieringer betreibt „Anti-Stadtmarketing”
Im Stadtmarketing Bamberg kocht jetzt der gleiche Konflikt hoch. Am 12. März 2025 hatten die drei Beiräte und zugleich Stadträte Sebastian Martins Niedermaier (SPD), Ursula Redler (CSU-Fraktion) und Markus Schäfer (Grünes Bamberg) dem Vorstand eine Sechs-Punkte-Maßnahmenliste zur „Zukunft des Stadtmarketing e. V.“ vorgelegt.
Darin heißt es: „Es kann nicht sein, dass sich Klaus Stieringer öffentlich für die Umsetzung menschenverachtender und verfassungswidriger Forderungen einsetzt und trotz mehrfacher Aufforderung, sich öffentlich zu entschuldigen und die Aussagen zurückzunehmen, den Sachverhalt herunterspielt und relativiert.“
Als Geschäftsführer eines von der Stadt jährlich mit einer hohen fünfstelligen Summe bezuschussten Vereins betreibe Stieringer (55) in seiner Rolle als Mitglied der BuB-Fraktion ein „Anti-Stadtmarketing“.
Stadtmarketing-Vorstand soll Stieringer rügen
Neben einer Sondersitzung von Vorstand und Beirat, um Stieringers Rolle bei den BuB-Forderungen lückenlos aufzuklären, verlangen die Drei eine „formale Rüge des Vorstands an den Geschäftsführer“. Des Weiteren eine öffentliche und unmissverständliche Entschuldigung von Stieringer sowie die Rücknahme der Forderungen. Außerdem soll sich Stieringer schriftlich erklären, wie er in Zukunft „zwischen der Rolle als (integrativ tätiger) Geschäftsführer und als (polarisierender) Stadtrat trennen“ wolle.
Stadtmarketing-Geschäftsführer soll sich auf operatives Geschäft beschränken
Der Geschäftsführer des Stadtmarketings soll aus Sicht von Niedermaier, Redler und Schäfer künftig auf das operative Geschäft des Vereins beschränkt werden – und die Vertretung des Vereins nach außen sollten die Vorstände übernehmen.
Die Antwortmail des Stadtmarketing-Vorstands liest sich, als wäre sie eine Kopie des Schreibens von Awo-Kreisgeschäftsführer Kirsch an Stieringer-Kritiker: „Unser Geschäftsführer Klaus Stieringer hat sich in der Sitzung (vom 19. März 2025, Anmerkung der Redaktion) klar und unmissverständlich von den strittigen BuB-Punkten distanziert und sich dazu persönlich beim Vorstand entschuldigt. Der Vorstand hat diese Entschuldigung angenommen“, schreibt darin Erster Vorsitzender Andreas Jakob im Namen des siebenköpfigen Vorstands.
Diesem gehören als Zweiter Vorsitzender Galeria-Geschäftsführer Mathias Baluses, die Unternehmer Arno Schimmelpfennig und Pius Schiele, die Gastronomen Uwe Steinmetz und Sandro Da Ros sowie der städtische Wirtschaftsreferent Stefan Goller an.
Eine Antwort, die Niedermaier, Redler und Schäfer nicht zufrieden stellt. Weil die Forderungen zum Ankerzentrum von allen drei BuB-Stadträten, also auch von Stieringer, unterschrieben, als Pressemitteilung verschickt und breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden seien, bestehe man auch auf einer öffentlichen Entschuldigung Stieringers. Enttäuscht zeigen sich die Drei, dass auch eine Sondersitzung abgelehnt worden sei. „Unter Dialog verstehen wir nicht eine Antwort-Mail, die unseres Erachtens faktisch keinerlei neue Erkenntnisse bringt.“
Grüne, CSU und SPD wollen 70.000 Euro an Stadtmarketing stoppen
Vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Fraktionen kündigen die Drei jetzt an, dass Grüne, CSU und SPD im Stadtrat den jährlichen Stadtmarketing-Zuschuss von zuletzt 70.000 Euro stoppen werden. Wegen der aktuellen Haushaltssperre sei der Betrag noch nicht ausbezahlt worden, erklärt Niedermaier.
Grünen-Stadtrat Schäfer betont: „Wir haben uns als Beiräte der drei großen Stadtratsfraktionen bemüht, das Thema intern zu klären und Möglichkeiten aufgezeigt, um weiteren Schaden vom Verein und von der Stadt abzuwenden.“
Ursula Redler von der CSU-Fraktion meint: „Im Vorstand ist Kritik anscheinend nicht erwünscht. Denn die Herren sind leider nicht einmal ansatzweise auf unsere Fragen und Ideen eingegangen.“ Deswegen sei aber der Beirat eingerichtet worden, so Redler: „Um den Stadtrat und damit die Bürger mehr einzubeziehen.“
BBB-Stadtrat Triffo: Stieringer soll sich in Stadtrat-Vollsitzung entschuldigen
Im Beirat des Stadtmarketingvereins sitzt auch Bürgerblock-Stadtrat Andreas Triffo. Er fordert Stieringer zu einer Stellungnahme zu dem BuB-Katalog zum Ankerzentrum zu Beginn der nächsten öffentlichen Vollsitzung des Stadtrats auf. „Das wäre wirklich angebracht und das kann ich nur empfehlen“, sagt Triffo.
Das Stadtmarketing zählt nach eigenen Angaben derzeit gut 250 Mitglieder, darunter vor allem lokale Einzelhändler, Gastronomen und Unternehmer. Ziel des Vereins ist es, die Wirtschaftskraft Bambergs zu stärken und eine attraktive Innenstadt mit hoher Lebensqualität und Besucherfrequenz zu schaffen. Die bekanntesten Aktionen sind die Festivals „Bamberger zaubert“ und das „Blues- und Jazzfestival“.
Anfragen des Fränkischen Tag ließen sowohl Erster Vorsitzender Jakob als auch Stadtmarketing-Geschäftsführer Stieringer bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Vorstand: „Bitte gefährden Sie nicht den Zuschuss der Stadt“
In einem nochmaligen Schreiben an Niedermaier, Redler und Schäfer bittet der Vorstand, keine Maßnahmen einzuleiten, die den Zuschuss der Stadt gefährden könnten. „Ein solcher Schritt würde die engagierte Arbeit aller haupt- und ehrenamtlich Tätigen bestrafen und potenziell Arbeitsplätze unserer beliebten Veranstaltungen infrage stellen.“
CSU-Chef Seitz: Redlers Vorstoß ist „Privatmeinung“
CSU-Stadtchef und Stadtrat Seitz teilt mit, dass es sich bei Redlers Aussage „um ihre Privatmeinung und nicht um die Meinung der Fraktion oder Partei“ handele. Dort sei das Thema gar nicht besprochen worden.
Redlers Versuch, „mit Drohungen zum bereits beschlossenen Zuschuss Einfluss auf den Verein zu nehmen, erscheint sowohl rechtlich als auch moralisch zweifelhaft“, so Seitz.
Redler kontert, es sei beileibe nicht ihre Privat- oder Einzelmeinung: „Ich bin an einer sachlichen Auseinandersetzung orientiert und das findet überhaupt nicht statt. Ich höre viele negative Stimmen über das Stadtmarketing und kenne auch zu viele negative Beispiele. Natürlich passiert dort auch Gutes. Wir wollen schlichtweg neue Ideen und aus Fehlern lernen.“
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