0
Millionenverlust 2024
Brose Bamberg: Wütender Stoschek nennt Zahlen zum Job-Abbau
Brose Bamberg am Berliner Ring: Kein leichtes Jahr für den Automobilzulieferer
Brose Bamberg am Berliner Ring: Kein leichtes Jahr für den Automobilzulieferer // Foto: Sebastian Schanz
Bamberg – Ein wütender Michael Stoschek streicht Homeoffice: Die Brose-Betriebsversammlung in der Coburger Zentrale war brisant. Neue Zahlen zum Job-Abbau in Bamberg und Hallstadt lassen Fragen offen.

Ein dünnhäutiger Michael Stoschek und verunsicherte Beschäftigte: Vor der Betriebsversammlung in der Coburger Brose-Zentrale am Dienstag, 17. Dezember 2024, ist die Anspannung deutlich spürbar – denn Stellenabbau und Sparprogramme sind die Mittel der Wahl in der Krise. 

Am Dienstagnachmittag dringen dann die ersten Zahlen und Infos aus der Betriebsversammlung. Michael Stoschek sei sehr wütend gewesen, erzählen Insider. Dem Geschäftsführer im Bereich Sitze sei er mehrfach ins Wort gefallen. 

Michael Stoschek streicht das Homeoffice

Außerdem habe er angekündigt, Homeoffice ab Januar zu streichen. Gleichzeitig aber wolle er junge Nachwuchskräfte locken und sehe Tesla-Chef Elon Musk als Vorbild. Die Stimmung sei explosiv gewesen, berichten Brose-Mitarbeiter.

Michael Stoschek ist Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Brose
Michael Stoschek ist Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Brose // Foto: Brose

Wenig später verschickt Brose eine Pressemitteilung. Die lässt allerdings Fragen offen.

Brose baut weltweit Stellen ab

„Auf Vorschlag der Geschäftsführung hat der Verwaltungsrat am 9. Dezember 2024 beschlossen, die indirekten Personalkosten weltweit bis 2027 in mehreren Stufen um rund 20 Prozent zu reduzieren. Der erste Schritt ist der Abbau von rund 700 Stellen an den deutschen Standorten bis Ende 2025, davon rund 520 Stellen an den fränkischen Standorten", heißt es in der Pressemitteilung. „Für Coburg bedeutet das eine Reduktion von circa 200 Stellen, in Bamberg und Hallstadt von ebenfalls rund 200 Stellen und in Würzburg von circa 120 Stellen."

Der neue Geschäftsführer Stefan Krug erklärt dazu: „Diese Anpassungen sind schmerzhaft, aber erforderlich, um die Arbeitsplätze der verbleibenden Mitarbeiter zu sichern. Ich setze mich gemeinsam mit unserem Vorsitzenden des Verwaltungsrats Michael Stoschek für eine sozialverträgliche Umsetzung in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen ein.“

Stefan Krug übernimmt die Führung der Brose SE
Stefan Krug übernimmt die Führung der Brose SE // Foto: Brose/Volker Martin

700 Stellen: Das sind weniger als allgemein befürchtet. Zumal der im Oktober neu ernannte Geschäftsführer Krug in Interviews zuletzt nicht einmal Standortgarantien gegeben hatte. Doch lassen die Zahlen offen, wie viele Stellen insgesamt abgebaut werden sollen, wenn dieser „erste Schritt" vorbei ist.

So rechtfertigt Michael Stoschek den Stellenabbau bei Brose

„Wir müssen unsere Organisation verschlanken, indem Hierarchien abgebaut und Führungsspannen vergrößert werden“, hatte Michael Stoschek zuletzt erklärt. 

950 Stellen sollen dafür an „Hochlohnstandorten“ wegfallen – das hatte Brose bereits vor einigen Wochen angekündigt. Offen blieb, inwieweit die drei fränkischen Standorte Bamberg/Hallstadt (Türen), Coburg (Sitze) und Würzburg (Elektroantriebe) gemeint waren. Alle drei Geschäftsbereiche haben eine eigene Verwaltungsstruktur. Und die ist nicht nur aus Sicht Stoscheks ineffizient. 

Mit den Informationen am Dienstag wird die Unklarheit immerhin kurzfristig beseitigt. Aber nicht mittelfristig.

Brose Bamberg: Rechts der Neubau am Berliner Ring
Brose Bamberg: Rechts der Neubau am Berliner Ring // Foto: Sebastian Schanz

Brose beschäftigt 32.000 Mitarbeiter an 69 Standorten in 24 Ländern. Hier wird offenbar zunächst nur vorsichtig ausgedünnt. Schon in den vergangenen Wochen hatte Stoschek betont: Den Grad der Automatisierung in den weltweiten Werken wertet der Vorsitzende des Verwaltungsrates als zu hoch. Dazu würde passen, dass es nur wenige Entlassungen in der Produktion geben soll.

700 Stellen? Das ist nur ein Drittel von den 2000 Stellen, die in den vergangenen Wochen gerüchteweise als Abbaumarke durch den Flurfunk bei Brose gegeistert sind. Doch was bedeutet: „In einem ersten Schritt?" Das fragen sich die Beschäftigten und die Gewerkschaft.

Die IG Metall sieht den Stellenabbau generell kritisch

Unter Mitarbeitern in Bamberg und Hallstadt lösen die neuen Zahlen deshalb nur vorsichtige Erleichterung aus. Denn hier existiert schon länger die Maximal-Marke von 240 Stellen, die am Standort abgebaut werden sollen. Darauf haben sich Brose und Betriebsrat sogar schon verständigt. In Coburg liegt diese Marke bei 250, nun ist hier wie da von 200 die Rede. Der Abbau soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Die Fluktuation bei Brose ist ohnehin hoch und könnte dazu dienlich sein. Ob das gelingt, wird sich 2025 zeigen.

„Man hat uns kurz vor der Betriebsversammlung diese Zahl 200 für Bamberg genannt. Wir haben in Bamberg eine Vereinbarung für 2024 und 2025 über 240 Stellen, inklusive Fluktuation. Im nächsten Schritt werden wir die Details der Planungen mit dem Arbeitgeber besprechen", sagt Martin Krapp, Betriebsratsvorsitzender in Bamberg. 

Andrea Sicker von der IG Metall Bamberg
Andrea Sicker von der IG Metall Bamberg // Foto: IG Metall Bamberg

„Wir erwarten längerfristige Zahlen für die einzelnen Standorte wie Bamberg erst für Anfang 2025“, erklärt Andrea Sicker, die für die IG Metall Brose Bamberg betreut. Offenbar wolle sich Brose alles offen lassen, kritisiert die IG Metall.

Auch in der Industriegewerkschaft ist nur wenig Erleichterung angesichts der vagen Zahlen zu spüren – außerdem kritisiert die IG Metall die Abbaupläne generell. Ihre Argumentation: Schnittstellenprobleme in der Verwaltung und mangelnde Innovationskraft bei Brose ließen sich kaum über Stellenabbau lösen. 

Probleme macht vor allem auch die schwächelnde Nachfrage von Großkunden wie Volkswagen. VW steckt in der Krise und zieht seine Zulieferer mit in den Abwärtsstrudel. Insgesamt werten die Gesellschafter um Michael und Sohn Maximilian Stoschek die Geschäftszahlen als besorgniserregend. 

Millionenverlust 2024 bei Brose

In der Pressemitteilung vom Dienstag heißt es: "Die Brose Gruppe wird aufgrund der aktuellen Abrufzahlen die gesteckten Ziele auch in diesem Jahr nicht erreichen. Der Umsatz liegt in der Vorschau mit 7,7 Milliarden Euro um sieben Prozent unter Plan und drei Prozent unter dem Vorjahr. Die fehlende Auslastung der Produktion und steigende Kosten belasten das Ergebnis. Das Unternehmen erwartet für das Geschäftsjahr 2024 einen Verlust von rund 53 Millionen Euro."

Als Familienunternehmen habe Brose nur eingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt und müsse deshalb seine Unternehmensentwicklung aus eigener Kraft finanzieren. Dafür wolle die Unternehmensgruppe bis Ende 2027 ein Betriebsergebnis von mindestens drei Prozent erreichen.

Die Anpassung der Kostenstruktur gehe Hand in Hand mit einer grundlegenden Überarbeitung der Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens, erklärt Brose in der Medieninfo. Ziel sei es, Aufgaben effizient zu bündeln, Führungsebenen abzubauen, Führungsspannen zu erweitern und die Komplexität von Organisationsebenen zu reduzieren. "Dadurch schaffen wir die Voraussetzungen, unseren engagierten und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neue Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten in zum Teil neue Positionen zu bieten. Besonders wichtig ist uns dabei, junge Talente zu motivieren und zu fördern", wird Krug zitiert. 

Hier ein Video vom Portfolio der Firma Brose:

Die Bamberger Autoindustrie steckt in der Krise

Brose ist mit seinen Problemen nicht allein. Die deutsche Autoindustrie ächzt unter der Flaute auf dem Weltmarkt, der Elektro-Offensive chinesischer Hersteller und dem Druck zur technischen Transformation. Bamberg ist dafür geradezu exemplarisch. Paradox: Vor allem der Verbrennungsmotor, von dem man sich doch verabschieden will oder soll, spült aktuell noch richtig Kohle in die Kassen. 

Lesen Sie hierzu ein Interview mit dem Bamberger Professor Friesl:

Bestes Beispiel: Bosch Bamberg. Auch hier sinkt die Mitarbeiterzahl. Geplant ist, die Bamberger Werksteile von aktuell 6150 auf rund 5000 Mitarbeiter zusammenzuschrumpfen – über die Demografie: Ältere gehen, Junge kommen kaum nach. Wasserstoff als Technologie soll den Standort in die Zukunft treiben.

Schaeffler Hirschaid will von 1300 Mitarbeitern 61 abbauen. Zunächst lag diese Abbaumarke noch bei 200. Durch den firmeninternen Transfer von Elektro-Produktionslinien sollen nun aber weniger gehen, als zunächst befürchtet. 

Schlimmer als befürchtet läuft es dagegen bei Valeo Ebern: Hier sollen 280 der 1100 Mitarbeiter gehen – und die Zukunftsperspektiven hinsichtlich erfolgversprechender Produktionslinien sehen düster aus. 

Die Bamberger Autoindustrie mit ihren noch rund 20.000 Beschäftigten steckt in einer tiefen Krise. 

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt teilen
  • kopiert!