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Gegen den Trend
Dieser Gastronom pfeift auf die Krise
Leitet seit 1991 den Gasthof „Zum Storch“ in Schlüsselfeld: Georg Leisgang
Besitzt seit 1991 den Gasthof „Zum Storch“ in Schlüsselfeld: Georg Leisgang // Matthias Hoch
Schlüsselfeld – Während um ihn herum Betriebe aufgeben, stellt der Schlüsselfelder Georg Leisgang kräftig ein und verlängert die Öffnungszeiten. Wie macht er das?

Wer ein Gefühl dafür bekommen will, wie Georg Leisgang die Welt sieht, sollte sich mit dem Gastronom über seine Heimatstadt Schlüsselfeld unterhalten. Der 65-Jährige könnte sich über einen Ort im fränkischen Nirgendwo mit trauriger ÖPNV-Anbindung, in die Jahre gekommener Straßen und schlecht ausgebauten Radwegen ärgern. Tut er aber nicht.

Als Leisgang den Gasthof „Zum Storch“ 1991 von seinem Vater übernahm, hatten die begehrten Bustouristen dem Städtchen Schlüsselfeld einige Jahre zuvor den Rücken gekehrt. Leisgang tat das, was er immer tut, wenn es um sein Geschäft geht: Er suchte nach einer Lösung und rief für sein Haus kurz darauf ein neues Selbstverständnis aus: Hotel und Gasthof liegen nicht im oberfränkischen Hinter- sondern mitten im schönen Frankenland. „Das habe ich so kommuniziert: Hier machen sie Urlaub in bester Lage.“

Kampf um Bustouristen

Bustouristen machen seither wieder Station in Schlüsselfeld. Und die Stammgäste unter ihnen haben beim „Zum Storch“ eine auffällige Wandlung miterlebt. Immer wieder hat Leisgang mit seiner Frau Pia das Haus im Ortskern aufwendig renoviert. Gebäude wurden dazugekauft, heute zählt das Hotel 62 Zimmer mit rund 120 Betten. „Man muss investieren, wenn man so einen Betrieb am Leben halten will“, sagt Leisgang. Einige Häuser in Franken müssen genau deshalb aufgeben: Weil jahrelang nichts getan wurde.

Die Krise als Chance

Trotz Coronakrise und Ukraine-Krieg zieht Leisgang die Handbremse nicht an. Im Gegenteil: Das Gasthaus hat ganzjährig sieben Tage die Woche geöffnet und bietet seit dem 1. März 2022 durchgehend warme Küche. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf 38 gestiegen. Und das in Zeiten, in denen andere Häuser an der Mitarbeitersuche verzweifeln und wegen der Energiekrise sorgenvoll in Richtung Winter blicken. Wie macht er das?

Die Sorgen der Kollegen kann Leisgang durchaus nachvollziehen. Auch für sein Haus seien die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg schwierige Herausforderungen. Trotzdem: Der Diplom-Kaufmann sieht jede Krise als Chance, etwas Neues auszuprobieren. Und sowieso: „Wenn ich als Chef jammere, dann jammern die Mitarbeiter. Ich muss nach vorne schauen und von der Zukunft überzeugt sein.“

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Und neue Wege gehen. Neben den Bustouristen hat Leisgang auch immer wieder Fußballmannschaften, die in Schlüsselfeld ihr Trainingslager absolvieren zu Gast.

Zudem erhöht er – eher untypisch für Franken – regelmäßig seine Preise. Das schmeckt nicht jedem Gast. Auf zehn Prozent schätzt er den Anteil der heimischen Kunden. „Ich muss meine Gäste von außerhalb anlocken.“

Seine Angestellten arbeiten teilweise schon über 20 Jahre im „Zum Storch“. Aber das reicht in Zeiten, in denen nahezu alle Branchen den Fachkräftemangel spüren, nicht. Leisgang hat deshalb mehrere Menschen aus sogenannten Drittstaaten eingestellt, unter anderem aus Singapur und Tadschikistan.

Georg Leisgang mit seinen indonesischen Lehrlingen Assyarafi Rasyadan (links) und Albasyir Ihsanudin
Georg Leisgang mit seinen indonesischen Lehrlingen Assyarafi Rasyadan (links) und Albasyir Ihsanudin // Matthias Hoch

Der 65-Jährige würde sogar noch mehr Personal aus dem Ausland nach Schlüsselfeld holen, wäre da nicht der aus seiner Sicht eminent lange Vorlauf. Teilweise warten Anwärterinnen und Anwärter ein halbes Jahr, bis sie einen Visum-Termin bei der Botschaft bekommen.

Ein Dilemma, das Susanne Droux vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bestätigt. Die Klärung der aufenthaltsrechtlichen Fragen, die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen und der Visum-Prozess seien störende Hürden. „Das alles dauert häufig sehr lange.“ Man fordere von der Politik schon länger, diese Prozesse zu beschleunigen.

Keine Angst vor der Gasrechnung

Während Leisgang die Gäste zum Abschluss durch „seinen“ Ort führt wird deutlich, dass dem 65-Jährigen Horrorszenarien eher fremd sind. Hat er nicht einmal Angst vor den Gasrechnungen im Winter? „Ich habe im Vorjahr bis 2024 einen Festpreis ausgehandelt. Das war natürlich Glück.“

Und was passiert mit dem Gasthof, wenn der Strom ausfällt? „Dann sieht es natürlich schlecht aus“, sagt Leisgang, um im nächsten Atemzug aber gleich wieder nach vorne zu blicken. „Daran denke ich aber nicht. Sonst könnten wir alle gleich zusperren.“

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