Ganz ohne Personal
Pettstadt: Rund um die Uhr einkaufen im Mini-Markt
„Walk-in-Store“ Pettstadt
Premiere für Deutschland: In Pettstadt wurde am Wochenende „Josefs nahkauf Box“ eröffnet. Hier können Kunden unter 700 Artikeln des täglichen Bedarfs wählen und bargeldlos bezahlen. Und das ganzjährig rund um die Uhr.
Foto: Werner Baier
F-Signet von Baier Media Fränkischer Tag
Pettstadt – Rewe eröffnet in der kleinen Gemeinde den deutschlandweit ersten "Walk-in-Store". Die Einheimischen freuen sich - ein Restrisiko bleibt aber.

Auf 39 Quadratmetern Verkaufsfläche 700 Artikel des täglichen Bedarfs und das rund um die Uhr an 365 Tagen: „Josefs nahkauf Box“ an der Ohmstraße 15 macht es möglich. Seit 27. März wartet im 2000 Einwohner zählenden Pettstadt der erste „Walk-in-Store“ der in Köln ansässigen Rewe-Group auf Kundschaft.

Gäste greifen zu

Pettstadts Bürgermeister Jochen Hack probierte als einer der ersten das neue Einkaufsgefühl aus: Angesichts des verlockenden Preises von 69 Cent für eine Tafel Milka Vollmilch griff er beherzt zu – „Das weiß ich, dass das sehr günstig ist!“ – und leistete sich die kleine Sünde. 

Eingescannt an einer der beiden „Self-Checkout-Kassen“, mit der EC-Karte bezahlt und schon ist die lila Pause gerettet. Ein älterer Hausmann wird auf das Sonnenblumenöl aufmerksam und schnappt sich gleich mal drei Halbe-Liter-Flaschen der Bio-Sorte zu 1,69 Euro.

Die Gänge sind eng, die Regale und Kühlschränke voll: Pettstadter nahmen von ihrer neuen Einkaufsmöglichkeit begeistert „Besitz“.
Die Gänge sind eng, die Regale und Kühlschränke voll: Pettstadter nahmen von ihrer neuen Einkaufsmöglichkeit begeistert Besitz.
Foto: Werner Baier

„Gott sei Dank wieder volle Regale und ein großes Angebot“, ist die einhellige Reaktion der Teilnehmer am Eröffnungstag. Und lauscht man den Kundinnen, bekommt man zu hören: „Die Preise sind die gleichen wie in den Rewe-Filialen.“ Landrat Hans Kalb war gekommen, um die nagelneue „nahkauf-Box“ in Augenschein zu nehmen, wohl wissend, dass es im Landkreis Bamberg so manchen Ort gibt, wo eine Einkaufsmöglichkeit schmerzlich vermisst wird.

Ein wahrer Segen

In ganz Deutschland gebe es rund 8000 unterversorgte Siedlungsgebiete, wo sich alle Wettbewerber zurückgezogen hätten, berichtet Rewe-Bereichsvorstand Peter Maly. Gerade in Zeiten teuren Sprits und des Gebots, die Umwelt nicht unnötig mit Treibhausgasen zu belasten, ist ein solcher Selbstbedienungsladen ein wahrer Segen.

Rewe sammelt in Pettstadt Erfahrungen: Wie kommt das Konzept bei den Verbrauchern an, was wird bevorzugt, was ignoriert? Klappt es mit dem Bezahlen, dem Nachschub, der Ehrlichkeit? Ein paar Videokameras schauen den Kunden während des Aufenthalts in dem Lädchen zu und zeichnen den Besuch auf.

Die Tür öffnet sich nach Einschub der Kreditkarte und damit ist man auch schon registriert, die Nachverfolgung von Ladendiebstahl ist also möglich. Die Betreiber der „Josefs nahkauf-Box“, Josef Sier und Thomas Scheuring, die in Walsdorf gemeinsam einen nahkauf-Markt führen, sind sich der Risiken wohl bewusst. Andererseits stellen sie sich der sozialen Verantwortung und ergriffen mit unternehmerischem Optimismus die Chance, neben ihrem Bestandsmarkt einen „Satellit-Shop“ zu führen, so der Nahkauf-Vertriebsleiter Florian Sörensen.

Lösung für Marktlücke gefunden

Eine wichtige Rolle dabei spielten die Gemeinderätin Michaela Kaiser und die Pettstadter Unternehmerin Carina Krapp, die sich im Sommer vorigen Jahres entschlossen, eine Lösung für die Marktlücke zu finden. Ein Zufall, dass sie mit der Idee und dem Platzangebot auf einem Grundstück der Familie Krapp bei der Rewe-Group auf offene Ohren und ein Schubladen-Projekt stießen.

Am Ende steht da im Gewerbegebiet eine schmucke Einkaufskiste mit reichlich Parkplatz drumherum und fernab jeder Lärmbelästigung von Anliegern. Dort sei der Betrieb rund um die Uhr möglich, im Ortskern nicht, erklärt Bürgermeister Hack. Der will nun die Entwicklung der „Josefs nahkauf Box“ beobachten und die Bemühungen der Gemeinde, im Rahmen der Stadtentwicklung wieder einen Laden im Ortskern zustande zu bringen, erst einmal auf Eis legen.

Blick ins Innere der „Box“
Blick ins Innere der Box.
Foto: Werner Baier

Seit die Familie Reinwald ihren Nahkauf-Laden am Kirchplatz schloss, hatten die Pettstadter am Ort nur ein begrenztes Lebensmittelangebot: Obst, Gemüse, Backwaren, abgepackte Wurst und Snacks und natürlich Getränke und Speisen in den Gaststätten. Nun bekommen sie wieder so ziemlich alles vom Apfel bis zur Zahnbürste in einem Laden ganz nahe, frisches Gemüse, Molkerei- und Tiefkühlprodukte, Naschzeug und Spülmittel etc. – und das jederzeit!

Nur alkoholhaltige Getränke gibt es nicht: Ohne Personal ist die gebotene Jugendschutzkontrolle nicht möglich.

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