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Stoschek zückt den Rotstift
Brose streicht bis zu 240 gut bezahlte Jobs in Bamberg
Michael Stoschek ist Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Brose
Michael Stoschek ist Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Brose // Foto: Brose
Bamberg – Michael Stoschek kündigt an, bei Brose „950 Stellen in der Administration an Hochlohnstandorten“ zu streichen. Bamberg ist direkt betroffen. Warum die wichtigste Zahl für den Standort 240 lautet.

950: So viele Verwaltungsmitarbeiter an Standorten mit hohen Löhnen sollen Brose verlassen. Diese Zahl nennt Michael Stoschek in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das am Montag veröffentlicht wurde. In Bamberg fragen sich die 2300 Brose-Mitarbeiter nun, wie viele hier am Standort betroffen sein werden. 

240: Diese Zahl wurde in der Bamberger Betriebsratsversammlung im Sommer genannt. Bis zu dieser Maximalgrenze hat der Betriebsrat der Geschäftsführung demnach eine Art Freifahrtschein ausgestellt, berichtet ein Insider. So viele Stellen könnte Brose also in Bamberg abbauen, bevor sich die Arbeitnehmervertretung quer stellt. 

Michael Stoschek kündigt Sparmaßnahmen für Brose an

„Wir müssen unsere Organisation verschlanken, indem Hierarchien abgebaut und Führungsspannen vergrößert werden. Unsere Führung plant den Abbau von 950 Stellen in der Administration an Hochlohnstandorten. Unsere Werke mit ihren hoch automatisierten Fertigungsanlagen sind nicht ausgelastet, das lässt sich aber kurzfristig nicht ändern“, hatte Stoschek in der FAZ erklärt. 

Werden am Ende auch wirklich 240 Stellen in Bamberg abgebaut? Das ist offenbar noch nicht beschlossen. Aber es ist wahrscheinlich. Denn Bamberg ist ein verwaltungslastiger Standort, und die Löhne sind vergleichsweise hoch. 

Was ist für den Brose-Standort Bamberg geplant?

Steht nun also Kahlschlag bevor? Nein. Brose hat in der Betriebsversammlung angekündigt, den Stellenabbau in Bamberg mithilfe der Fluktuation erreichen zu können. Das heißt, betriebsbedingte Kündigungen seien wohl gar nicht nötig. Und betriebsbedingte Kündigungen sind mit der Arbeitnehmervertretung nach FT-Informationen in Bamberg auch nicht vereinbart. 

Konkret hieße das: Sobald 240 Stellen in Bamberg über Altersteilzeit und so weiter abgebaut sind, bestehen die Betriebsräte auf Neueinstellungen, um den Aderlass zu stoppen. Für eine aktuelle Stellungnahme war der Betriebsrat am Montag nicht zu erreichen. 

IG Metall kritisiert Brose

Kritik kommt von Seiten der Gewerkschaft. „Die IG Metall Bamberg ist von den Medienberichten über einen angeblichen weiteren Personalabbau wie alle anderen überrascht“, erklärt Erster Bevollmächtigter Martin Feder. „Wir müssen jetzt gemeinsam mit den Betriebsräten diskutieren, ob dieser Personalabbau zu dem bereits bestehenden Personalabbau hinzukommt oder ob es bei den bisher angekündigten Maßnahmen bleibt.“

Brose beschäftigt aktuell 32.000 Mitarbeiter an 68 Standorten in 24 Ländern und hatte im vergangenen Jahr rund acht Milliarden Euro Umsatz. Erst in der vergangenen Woche hatte Michael Stoschek eine Umstrukturierung der Führungsriege erklärt: „Anstelle des Aufsichtsrats ist jetzt ein Verwaltungsrat eingerichtet, dessen Vorsitzender Michael Stoschek ist“, hieß es in einer Pressemitteilung. 

Der bisherige Vorstandsvorsitzende Philipp Schramm habe die Geschäftsführung verlassen. Der neue Spitzenmanager ist Stefan Krug.

„Unsere Mitarbeiter hören lieber eine schmerzhafte Entscheidung als gar nichts Konkretes“, erklärte Stoschek nun in der FAZ. 

Michael Stoschek sorgt sich um sein Lebenswerk

Ein Dorn im Auge ist Stoschek die aufgeblähte Verwaltung der Firma. Daran haben die beiden Pressemitteilungen in der vergangenen Woche keinen Zweifel gelassen. Die Sorge dahinter: Brose dürfe nicht zu einer großen Behörde mit angeschlossener Fertigung mutieren. 

Stoschek hatte in der Vergangenheit gegenüber dem FT immer betont, dass Brose eine Privatgesellschaft ist – und es deshalb nur natürlich sei, dass die Eigentümer entscheiden. Besonders in schwierigen Situationen – und Stoschek sieht Brose in einer schwierigen Situation. 

Nun wolle sich die Firma für Investoren öffnen. Die Nachkommen von Max Brose, die beiden Familien Volkmann und Stoschek, halten laut FAZ aktuell jeweils die Hälfte der Anteile, Michael Stoschek besitzt zehn Prozent. Das Einzelrisiko der Gesellschafter sieht Stoschek als zu hoch an. Er sei deshalb „offen für Partner“. 

Michael Stoschek hat großen Einfluss auf Bamberg:

180-Grad-Wendungen in der Brose-Frührung sind in Bamberg zuletzt auffällig gewesen:

 

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