0
Ein Blick zurück
Bamberger Landesgartenschau feiert Jubiläum
Bunte Farbtupfer im Frühling: Ein echter Hingucker sind derzeit die Japanischen Zierkirschenbäume im Erba-Park.
Hier im Erba-Park laden entlang der Wanderwege Zierkirschenbäume dazu ein, im Schatten ihrer Kronen zu entspannen // Ronald Rinklef
Blicken dankbar zurück (von links): Detlev Hohmuth, Jobst Giehler und Klaus Reuter vom Förderverein Landesgartenschau.
Blicken dankbar zurück (von links): Detlev Hohmuth, Jobst Giehler und Klaus Reuter vom Förderverein Landesgartenschau. // Ronald Rinklef
Blick auf das Landesgartenschaugelände von oben im Jahr 2012: Damals war das Wohnquartier auf der Erba-Insel noch im Entstehen. Auch das Schleusenwärterhäuschen, in dem  jetzt ein Café ist, war noch nicht saniert.
Blick auf das Landesgartenschaugelände von oben im Jahr 2012: Damals war das Wohnquartier auf der Erba-Insel noch im Entstehen. Auch das Schleusenwärterhäuschen, in dem jetzt ein Café ist, war noch nicht saniert. // Ronald Rinklef
Aus der Vogelperspektive zeigt sich heute die gemischte Nutzung der Halbinsel zwischen Main-Donau- und dem ehemaligen Erba-Werkkanal mit Wohnhäusern, Stadtpark und Unicampus.
Aus der Vogelperspektive zeigt sich heute die gemischte Nutzung der Halbinsel zwischen Main-Donau- und dem ehemaligen Erba-Werkkanal mit Wohnhäusern, Stadtpark und Unicampus. // Ronald Rinklef
Vor zehn Jahren galt  der ehemalige Erba-Turm als einsturzgefährdet.
Vor zehn Jahren galt der ehemalige Erba-Turm als einsturzgefährdet. // Ronald Rinklef
Auf der Erba-Halbinsel ist ein völlig neuer Stadtteil entstanden – mit Bambergs vermutlich teuersten Eigentumswohnungen.
Auf der Erba-Halbinsel ist ein völlig neuer Stadtteil entstanden – mit Bambergs vermutlich teuersten Eigentumswohnungen. // Ronald Rinklef
Besucher der Landesgartenschau ließen sich 2012 auf dieser Spaßbank im Erba-Park  fotografieren.
Besucher der Landesgartenschau ließen sich 2012 auf dieser Spaßbank im Erba-Park fotografieren. // Ronald Rinklef
Tierische Attraktion  gegenüber dem Bamberger Hafen: Vor allem Kinder freuten sich.
Tierische Attraktion gegenüber dem Bamberger Hafen: Vor allem Kinder freuten sich. // Ronald Rinklef
Besucher blicken 2012 vom Pyramidenberg auf das Zelt der Religionen hinab.
Besucher blicken 2012 vom Pyramidenberg auf das Zelt der Religionen hinab. // Ronald Rinklef
Der größte ökologische Erfolg der Landesgartenschau ist der 1,2 Kilometer lange Fischpass, auf dem die Fische auf ihrer Laichwanderung flussaufwärts schwimmen können.
Der größte ökologische Erfolg der Landesgartenschau ist der 1,2 Kilometer lange Fischpass, auf dem die Fische auf ihrer Laichwanderung flussaufwärts schwimmen können. // Ronald Rinklef
In verschiedenen Gartenparzellen erhielten  Besucher Expertentipps.
In verschiedenen Gartenparzellen erhielten Besucher Expertentipps. // Ronald Rinklef
Blick auf die Insel: Im Hintergrund das Zelt der Religionen, das jetzt am Markusplatz steht.
Blick auf die Insel: Im Hintergrund das Zelt der Religionen, das jetzt am Markusplatz steht. // Ronald Rinklef
Einer der Höhepunkte war der von Gefängnisinsassen initiierte Feuervogel, aus dem mächtige Fontänen emporschossen.
Einer der Höhepunkte war der von Gefängnisinsassen initiierte Feuervogel, aus dem mächtige Fontänen emporschossen. // Ronald Rinklef
Signet des Fränkischen Tags von Herbert Mackert
Bamberg – Vor zehn Jahren strömte über eine Million Besucher zur Landesgartenschau in Bamberg. Für die Stadt war sie ein Gewinn. Was sich verändert hat.

Am 26. April 2012 öffneten sich die Pforten der Landesgartenschau, und die ganze Region feierte 165 Tage lang ein großes buntes Gartenfest. Aus der Industriebrache der einstigen „Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Erlangen-Bamberg“ in Gaustadt war ein neues Stadtviertel geworden mit exklusiven Wohnbauten, einem neuen Zweigstellen-Campus der Universität und einem Stadtpark. Die Anfangsbuchstaben der beiden Nachbarstädte gaben auch der Insel den Namen.

Stephanie Schirken-Gerster war damals für Kommunikation und Marketing der Landesgartenschau-Gesellschaft zuständig. Genau zehn Jahre später vibriert das Smartphone der heutigen Stadtsprecherin besonders häufig – zahlreiche Kurznachrichten treffen ein von ehemaligen Kolleginnen, die sie an die gemeinsame Zeit damals erinnern wollen.

Auf der Erba-Halbinsel ist ein völlig neuer Stadtteil entstanden – mit Bambergs vermutlich teuersten Eigentumswohnungen.
Auf der Erba-Halbinsel ist ein völlig neuer Stadtteil entstanden – mit Bambergs vermutlich teuersten Eigentumswohnungen. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Aus der Vogelperspektive zeigt sich heute die gemischte Nutzung der Halbinsel zwischen Main-Donau- und dem ehemaligen Erba-Werkkanal mit Wohnhäusern, Stadtpark und Unicampus.
Aus der Vogelperspektive zeigt sich heute die gemischte Nutzung der Halbinsel zwischen Main-Donau- und dem ehemaligen Erba-Werkkanal mit Wohnhäusern, Stadtpark und Unicampus. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Besucher blicken 2012 vom Pyramidenberg auf das Zelt der Religionen hinab.
Besucher blicken 2012 vom Pyramidenberg auf das Zelt der Religionen hinab. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Besucher der Landesgartenschau ließen sich 2012 auf dieser Spaßbank im Erba-Park  fotografieren.
Besucher der Landesgartenschau ließen sich 2012 auf dieser Spaßbank im Erba-Park fotografieren. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Blick auf das Landesgartenschaugelände von oben im Jahr 2012: Damals war das Wohnquartier auf der Erba-Insel noch im Entstehen. Auch das Schleusenwärterhäuschen, in dem  jetzt ein Café ist, war noch nicht saniert.
Blick auf das Landesgartenschaugelände von oben im Jahr 2012: Damals war das Wohnquartier auf der Erba-Insel noch im Entstehen. Auch das Schleusenwärterhäuschen, in dem jetzt ein Café ist, war noch nicht saniert. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Blick auf die Insel: Im Hintergrund das Zelt der Religionen, das jetzt am Markusplatz steht.
Blick auf die Insel: Im Hintergrund das Zelt der Religionen, das jetzt am Markusplatz steht. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Blicken dankbar zurück (von links): Detlev Hohmuth, Jobst Giehler und Klaus Reuter vom Förderverein Landesgartenschau.
Blicken dankbar zurück (von links): Detlev Hohmuth, Jobst Giehler und Klaus Reuter vom Förderverein Landesgartenschau. // FOTOGALERIE Ronald Rinklef
Der größte ökologische Erfolg der Landesgartenschau ist der 1,2 Kilometer lange Fischpass, auf dem die Fische auf ihrer Laichwanderung flussaufwärts schwimmen können.
Der größte ökologische Erfolg der Landesgartenschau ist der 1,2 Kilometer lange Fischpass, auf dem die Fische auf ihrer Laichwanderung flussaufwärts schwimmen können. // FOTOGALERIE Ronald Rinkleff
Einer der Höhepunkte war der von Gefängnisinsassen initiierte Feuervogel, aus dem mächtige Fontänen emporschossen.
Einer der Höhepunkte war der von Gefängnisinsassen initiierte Feuervogel, aus dem mächtige Fontänen emporschossen. // FOTOGALERIE Ronald Rinkleff
Ronald Rinkleff
In verschiedenen Gartenparzellen erhielten Besucher Expertentipps. // FOTOGALERIE In verschiedenen Gartenparzellen erhielten Besucher Expertentipps.
Tierische Attraktion  gegenüber dem Bamberger Hafen: Vor allem Kinder freuten sich.
Tierische Attraktion gegenüber dem Bamberger Hafen: Vor allem Kinder freuten sich. // FOTOGALERIE Ronald Rinkleff
Vor zehn Jahren galt  der ehemalige Erba-Turm als einsturzgefährdet.
Vor zehn Jahren galt der ehemalige Erba-Turm als einsturzgefährdet. // FOTOGALERIE Ronald Rinkleff

Doch Schirken-Gerster braucht keine Erinnerungshilfe, die Bilder von damals hat sie parat. „Ich kenne noch das Brachgelände, als im Dickicht Rehe und Füchse lebten zwischen Unmengen Müll, und man sehr vorsichtig sein musste, dass man sich nicht an Glasscherben schnitt.“

Viel Gutes blieb erhalten

In ihrer Bilanz ist die Landesgartenschau „auf jeden Fall ein Gewinn für Bamberg“, nicht nur weil sie mit einem Anteil von 18,3 Millionen Euro sogar unterhalb des geplanten Kostenrahmens der Stadt geblieben sei, sondern weil sehr viel Gutes von der Gartenschau zurückgeblieben sei.

„Noch heute geht mir das Herz auf, wenn ich über die Erba radele und sehe, was da nach wie vor los ist: Es tummeln sich ununterbrochen junge Leute auf dem Sportplatz, um eine Runde Basket- oder Volleyball zu spielen. Der Wasserspielplatz ist immer noch in Kinderhand und die Eltern genießen Kaffee und Kuchen im ehemaligen Schleusenwärterhäuschen, während die Kids rutschen, schaukeln oder was auch immer. Und die Älteren drehen zu Fuß oder mit dem Rad ihre Runden und genießen ein Picknick auf der Pyramidenwiese.“

Ein Weckruf

Nach Ansicht von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hat die Schau viele Bamberger damals regelrecht wachgerüttelt und den Fokus „endlich wieder auf die Gärtner gerichtet und das Gärtnerviertel zärtlich wachgeküsst“. Auch der damals geschaffene Weinberg am Fuß von Kloster Michelsberg zeige die nachhaltige Wirkung der Gartenschau.

Zusammen mit dem Münchner Landschaftsplanungsbüro Mahl-Gebhard hatte das Stadtplanungsamt ein Konzept erstellt, mit dem sich die Stadt gegen 23 Mitbewerber durchsetzte. Es sollte Bamberg neben seinen Qualitäten als Weltkulturerbestadt auch als Naturstadt mit langer Gärtnertradition präsentieren.

Ein weiterer Park

Sozusagen als Beifang sollte den Bambergern eine neue Parkfläche verbleiben: Ein Nordpark als Gegenpol zum Hain, und beide sollten durch attraktive durchgängige Wege verbunden sein.

Neben dem Kerngebiet auf der Erba-Insel waren auch die Uferwege entlang der beiden Regnitzarme bis zum Hainpark, die Klosterlandschaft um den Michelsberg und das Gärtnerland mit dem Gärtner- und Häckermuseum Teil der Landesgartenschau.

Der Höhepunkt aus Sicht von Ökologie und Naturerlebnis wurde zweifelsohne der Fischpass, damals die Lebensader der Landesgartenschau. Der 1,2 Kilometer lange Bach schlängelt sich noch immer munter quer über die Insel und dient den Fischen der Regnitz als Aufstiegshilfe, um an ihre Laichplätze flussaufwärts zu kommen. Zuvor war für sie im Erba-Werkkanal am Kraftwerk-Stauwehr kein Weiterkommen. „Damit die Fische tatsächlich in den Umgehungsbach abbiegen, wurde die ,Lockströmung’ genau berechnet“, erzählt der ehemalige Vorsitzende des Fördervereins zur Nachhaltigkeit der Landesgartenschau, Jobst Giehler.

Geblieben ist das Zelt der Religionen

Auch kulturell wirkt die Landesgartenschau fort. Geblieben ist etwa das Zelt der Religionen. Damals als Mittelpunkt des „Gottesgartens der Religionen“ eine der Hauptattraktionen der Gartenschau, dient es heute auf dem Markusplatz Juden, Muslimen und Christen als interreligiöse Begegnungsstätte.

An der Inselspitze, wo die „B-ERBA-la“, die Bronzedame des Berliner Bildhauers Rainer Kurka, auf den Fluss blickt, finden Konzert- und Theateraufführungen und das Nachsommer-Festival statt. Etliche Trauveranstaltungen sind dort seither zelebriert worden, wie Michael Gerencser, der Leiter für das Gartenwesen im Garten- und Friedhofsamt, berichtet. „Wir pflegen den Erba-Park mit Freude und Stolz“, sagt er. Was sich ändern müsse, seien die zunehmenden Müllmengen. „Je mehr Mülleimer wir anbringen, desto mehr Müll gibt es“, klagt Michael Gerencser.

Gelungenes Projekt

Wo andernorts hohe Defizite und nach Ende der Gartenschau oftmals kaum genutzte Flächen zurückblieben, kann Bamberg mit seiner Landesgartenschau als ein gelungenes Projekt für Nachhaltigkeit werben. Dies ist auch ein Verdienst des „Fördervereins zur Nachhaltigkeit der Landesgartenschau Bamberg“. Der 2007 gegründete Verein entstand aus bürgerschaftlichem Engagement mit dem Ziel, möglichst viele Investitionen der Landesgartenschau nutzbringend als bleibende Einrichtungen zu erhalten.

Zwar hat sich der Verein in der Erfüllung des Vereinszwecks mittlerweile aufgelöst, doch gibt es weiter seine Internetseite mit vielen Dokumentationen zur Landesgartenschau 2012. Die Adresse lautet: www.fv-bamberg2012.de. Nachhaltig ist etwa, was viele Parkbesucher nicht ahnen: Der Müll und große Teile des Bodenaushubs aus der Brachfläche stecken heute in dem Pyramidenberg in der Mitte der Insel. Natürlich seien damals keine schadstoffhaltigen Altlasten im Berg versteckt worden, sagt die Sprecherin Stephanie Schirken-Gerster.

Ein weiterer Nachhaltigkeitserfolg ist der nach der Landesgartenschau wieder aufgenommene Süßholz-Anbau. Im Mittelalter war Bamberg das Zentrum der europäischen Süßholzproduktion, die in den 1950er Jahren aber in Vergessenheit geraten ist. Aus der Wurzel wird als Extrakt Lakritze gewonnen, das sich als Zuckerersatz und Teemischung steigender Beliebtheit erfreut.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!