Am 26. April 2012 öffneten sich die Pforten der Landesgartenschau, und die ganze Region feierte 165 Tage lang ein großes buntes Gartenfest. Aus der Industriebrache der einstigen „Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Erlangen-Bamberg“ in Gaustadt war ein neues Stadtviertel geworden mit exklusiven Wohnbauten, einem neuen Zweigstellen-Campus der Universität und einem Stadtpark. Die Anfangsbuchstaben der beiden Nachbarstädte gaben auch der Insel den Namen.
Stephanie Schirken-Gerster war damals für Kommunikation und Marketing der Landesgartenschau-Gesellschaft zuständig. Genau zehn Jahre später vibriert das Smartphone der heutigen Stadtsprecherin besonders häufig – zahlreiche Kurznachrichten treffen ein von ehemaligen Kolleginnen, die sie an die gemeinsame Zeit damals erinnern wollen.
Doch Schirken-Gerster braucht keine Erinnerungshilfe, die Bilder von damals hat sie parat. „Ich kenne noch das Brachgelände, als im Dickicht Rehe und Füchse lebten zwischen Unmengen Müll, und man sehr vorsichtig sein musste, dass man sich nicht an Glasscherben schnitt.“
Viel Gutes blieb erhalten
In ihrer Bilanz ist die Landesgartenschau „auf jeden Fall ein Gewinn für Bamberg“, nicht nur weil sie mit einem Anteil von 18,3 Millionen Euro sogar unterhalb des geplanten Kostenrahmens der Stadt geblieben sei, sondern weil sehr viel Gutes von der Gartenschau zurückgeblieben sei.
„Noch heute geht mir das Herz auf, wenn ich über die Erba radele und sehe, was da nach wie vor los ist: Es tummeln sich ununterbrochen junge Leute auf dem Sportplatz, um eine Runde Basket- oder Volleyball zu spielen. Der Wasserspielplatz ist immer noch in Kinderhand und die Eltern genießen Kaffee und Kuchen im ehemaligen Schleusenwärterhäuschen, während die Kids rutschen, schaukeln oder was auch immer. Und die Älteren drehen zu Fuß oder mit dem Rad ihre Runden und genießen ein Picknick auf der Pyramidenwiese.“
Ein Weckruf
Nach Ansicht von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hat die Schau viele Bamberger damals regelrecht wachgerüttelt und den Fokus „endlich wieder auf die Gärtner gerichtet und das Gärtnerviertel zärtlich wachgeküsst“. Auch der damals geschaffene Weinberg am Fuß von Kloster Michelsberg zeige die nachhaltige Wirkung der Gartenschau.
Zusammen mit dem Münchner Landschaftsplanungsbüro Mahl-Gebhard hatte das Stadtplanungsamt ein Konzept erstellt, mit dem sich die Stadt gegen 23 Mitbewerber durchsetzte. Es sollte Bamberg neben seinen Qualitäten als Weltkulturerbestadt auch als Naturstadt mit langer Gärtnertradition präsentieren.
Ein weiterer Park
Sozusagen als Beifang sollte den Bambergern eine neue Parkfläche verbleiben: Ein Nordpark als Gegenpol zum Hain, und beide sollten durch attraktive durchgängige Wege verbunden sein.
Neben dem Kerngebiet auf der Erba-Insel waren auch die Uferwege entlang der beiden Regnitzarme bis zum Hainpark, die Klosterlandschaft um den Michelsberg und das Gärtnerland mit dem Gärtner- und Häckermuseum Teil der Landesgartenschau.
Der Höhepunkt aus Sicht von Ökologie und Naturerlebnis wurde zweifelsohne der Fischpass, damals die Lebensader der Landesgartenschau. Der 1,2 Kilometer lange Bach schlängelt sich noch immer munter quer über die Insel und dient den Fischen der Regnitz als Aufstiegshilfe, um an ihre Laichplätze flussaufwärts zu kommen. Zuvor war für sie im Erba-Werkkanal am Kraftwerk-Stauwehr kein Weiterkommen. „Damit die Fische tatsächlich in den Umgehungsbach abbiegen, wurde die ,Lockströmung’ genau berechnet“, erzählt der ehemalige Vorsitzende des Fördervereins zur Nachhaltigkeit der Landesgartenschau, Jobst Giehler.
Geblieben ist das Zelt der Religionen
Auch kulturell wirkt die Landesgartenschau fort. Geblieben ist etwa das Zelt der Religionen. Damals als Mittelpunkt des „Gottesgartens der Religionen“ eine der Hauptattraktionen der Gartenschau, dient es heute auf dem Markusplatz Juden, Muslimen und Christen als interreligiöse Begegnungsstätte.
An der Inselspitze, wo die „B-ERBA-la“, die Bronzedame des Berliner Bildhauers Rainer Kurka, auf den Fluss blickt, finden Konzert- und Theateraufführungen und das Nachsommer-Festival statt. Etliche Trauveranstaltungen sind dort seither zelebriert worden, wie Michael Gerencser, der Leiter für das Gartenwesen im Garten- und Friedhofsamt, berichtet. „Wir pflegen den Erba-Park mit Freude und Stolz“, sagt er. Was sich ändern müsse, seien die zunehmenden Müllmengen. „Je mehr Mülleimer wir anbringen, desto mehr Müll gibt es“, klagt Michael Gerencser.
Gelungenes Projekt
Wo andernorts hohe Defizite und nach Ende der Gartenschau oftmals kaum genutzte Flächen zurückblieben, kann Bamberg mit seiner Landesgartenschau als ein gelungenes Projekt für Nachhaltigkeit werben. Dies ist auch ein Verdienst des „Fördervereins zur Nachhaltigkeit der Landesgartenschau Bamberg“. Der 2007 gegründete Verein entstand aus bürgerschaftlichem Engagement mit dem Ziel, möglichst viele Investitionen der Landesgartenschau nutzbringend als bleibende Einrichtungen zu erhalten.
Zwar hat sich der Verein in der Erfüllung des Vereinszwecks mittlerweile aufgelöst, doch gibt es weiter seine Internetseite mit vielen Dokumentationen zur Landesgartenschau 2012. Die Adresse lautet: www.fv-bamberg2012.de. Nachhaltig ist etwa, was viele Parkbesucher nicht ahnen: Der Müll und große Teile des Bodenaushubs aus der Brachfläche stecken heute in dem Pyramidenberg in der Mitte der Insel. Natürlich seien damals keine schadstoffhaltigen Altlasten im Berg versteckt worden, sagt die Sprecherin Stephanie Schirken-Gerster.
Ein weiterer Nachhaltigkeitserfolg ist der nach der Landesgartenschau wieder aufgenommene Süßholz-Anbau. Im Mittelalter war Bamberg das Zentrum der europäischen Süßholzproduktion, die in den 1950er Jahren aber in Vergessenheit geraten ist. Aus der Wurzel wird als Extrakt Lakritze gewonnen, das sich als Zuckerersatz und Teemischung steigender Beliebtheit erfreut.
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