„Diese Schmierereien sind kein Spaß. Das ist Vandalismus“, schimpft Mike Weidinger, Mitglied des Vereins „Dampfbahn Fränkische Schweiz“ (DFS). Damit meint er die Verunstaltung eines Brückenpfeilers der DFS. Die Bahnstrecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle mit den Gebäuden und Bahnhöfen gehört dem Verein, der diese auch hat herrichten lassen und liebevoll hegt und pflegt.
Verein ließ Pfeiler erst sanieren
„Die steht auch unter Denkmalschutz“ fügt Weidinger hinzu. Er ist nicht nur Mitglied bei der DFS, sondern auch seit vielen Jahren beim Fußballclub Nürnberg (FCN): „Ich habe eine Dauerkarte und leide mit, wenn es nicht gut läuft.“ Umso mehr ärgert ihn, dass jetzt vermeintliche Club-Fans einen neu sanierten Brückenpfeiler besprüht haben. Dabei handelt es sich nicht um kunstvolle Graffiti, sondern um Diffamierungen. Denn es sind Akronyme wie beispielsweise „ACAB“ zu lesen, was für „All Cops are Bastards“ steht und bedeutet „Alle Bullen sind Schweine“.
„Die haben auch ihre ,Tags’, quasi ihre Unterschrift hinterlassen. ,Rsf03’ steht für den Fußballverein in Adelsdorf“, so Weidinger. Weiter berichtet er, dass er diesen kontaktiert, aber keine Antwort erhalten habe. Er habe auch den FCN kontaktiert. „Dort hat man mir gesagt, dass das doch nicht so schlimm sei, und dass es sich verschlimmern würde, wenn sie den Fans was sagen“, berichtet Mike Weidinger.
Auf eine Anfrage des FT kam auch aus Adelsdorf keine Reaktion. Johannes Wolf, Fanbeauftragter des FCN, schrieb: „Wir verstehen, dass es frustrierend sein kann, wenn öffentliche oder private Flächen durch illegale Graffiti besprüht werden. Aus diesem Grunde weisen wir unsere treue, emotionale Anhängerschar in Gesprächen immer wieder darauf hin, dass sie ihre Verbundenheit zum 1.FC Nürnberg nur auf legalem Wege zum Ausdruck bringen möge.“
FCN meint: Kunst und Protest
Warum Menschen so etwas tun? Wolf meint, dass es viele als eine Kunstform, andere als eine Art des Protestes sähen. Für wieder andere sei es eine Möglichkeit der Selbstdarstellung oder die Markierung eines Territoriums. „So, wie es einerseits Menschen gibt, denen illegale Graffiti auf Betonwänden missfallen, gibt es auf der anderen Seite Menschen, denen der Anblick von kahlem Beton in der Natur missfällt“, schreibt Wolf und schlägt vor, gemeinsam eine Lösung auf legalem Weg zu finden, um vielleicht große Street-Art-Künstler in der Fränkischen Schweiz hervorzubringen.
„Vielleicht ist es eine gewisse Art von Langeweile oder eine Mutprobe. Es ist auch keine Kunst, was hier gesprüht wurde, sondern es sind Schmierereien auf Privatbesitz“, stellt Weidinger fest. Stephan Schäff, stellvertretender Vorsitzender der DFS, erklärt, dass der Verein Strafanzeige bei der Polizei gestellt habe.
Das Problem sei, dass man den Beton nicht einfach übermalen könne. Die gesprühte Farbe, die den Beton angreift, müsse erst sorgfältig entfernt werden. Dann könne Farbe aufgetragen werden, durch die der Beton atmen könne. Der Verein müsse nun eine Firma mit den Arbeiten beauftragen. „Es ist einfach ärgerlich, denn wir haben ja erst alles renoviert und jetzt entstehen wieder Kosten.“
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