Gelockerte Muttern
Die Angst vor einem Serientäter
Tonja Roske aus Wiesenthau hat bei einer Autofahrt den linken Vorderreifen ihres Autos verloren.
Tonja Roske aus Wiesenthau hat bei einer Autofahrt den linken Vorderreifen ihres Autos verloren.
Foto: Barbara Herbst
Franziska Rieger von Franziska Rieger Fränkischer Tag
Forchheim – Schon drei Mal innerhalb kurzer Zeit wurden im Kreis Forchheim die Schrauben an Autoreifen gelockert. Tonja Roske berichtet von ihrer Horror-Fahrt.

Das Geräusch ist Tonja Roske aus Wiesenthau schon länger komisch vorgekommen. Im Auto klappert es auf kurzen Fahrten irgendwie komisch. Dann, auf einer längeren Fahrt, wird das Geräusch immer schlimmer. „Da habe ich schon gemerkt: Da passt was nicht.“ Roske ist alarmiert, fährt langsam und will in eine Werkstatt.

Bremsscheiben bohren sich in den Asphalt

Bei Schlaifhausen verliert sie dann den linken Vorderreifen ihres VW Sharan. Die Bremsscheiben bohren sich in den Asphalt, Reifen und Schrauben liegen auf der Straße verteilt, der Rahmen ist komplett verzogen. Schließlich kommt das Auto zum Stehen.

Der Rahmen des Autos ist verzerrt, das Rad kaputt, die Schrauben gelockert.
Der Rahmen des Autos ist verzerrt, das Rad kaputt, die Schrauben gelockert.
Foto: Barbara Herbst

Der Familienmutter passiert glücklicherweise nichts, aber nicht auszudenken, was bei hoher Geschwindigkeit hätte passieren können. „Ich fahre gerade mit einem sehr mulmigen Gefühl Auto“, sagt Roske.

Auto in Hofeinfahrt geparkt

Das Auto sei den August über während ihres Urlaubs in der hauseigenen Hofeinfahrt geparkt gewesen. Ein Fremder, der auf das eigene Grundstück kommt und dort einen Schaden anrichtet – für Roske eine ungeheure Vorstellung: „Ich rede mir ein, dass es nicht bei uns zuhause passiert ist“, sagt sie.

Ob die Schrauben nun zuhause oder unterwegs gelockert wurden, das werde man nie feststellen können, weiß Roske. „Ich bin jetzt schon vorsichtiger. Ich überprüfe nicht vor jeder Fahrt die Reifen. Aber ich höre sehr genau auf Geräusche.“

Bisher drei gemeldete Fälle

Tonja Roske aus Wiesenthau ist nicht die einzige im Landkreis, die in der vergangenen Zeit eine solche gefährliche Erfahrung gemacht hat.

In Wimmelbach hat sich im Zeitraum zwischen Samstag, 10. September, und Sonntag, 11. September, ein bislang unbekannter Täter an einem geparkten Auto zu schaffen gemacht. Dem 31-jährigen Besitzer des Fahrzeugs fielen während der Fahrt ungewöhnliche Geräusche auf. Auch er stellte anschließend fest, dass die Schrauben eines Vorderrades gelockert waren, teilte die Polizeiinspektion Forchheim mit.

Gleiches Szenario in Buckenhofen: Dort hatte in der Zeit von Montag, 12. September, bis Dienstag, 13. September, ein 73-Jähriger seinen Land Rover an einer Kreuzung abgestellt. Zuhause bemerkte er, dass von seinem rechten Vorderrad zwei Radmuttern inklusive Schutzkappen fehlten.

Polizei sucht nach Zeugen

Die Polizei sucht in allen Fällen nach Zeugen. Wer verdächtigte Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich mit der Polizeiinspektion Forchheim (Tel. 09191/70900) in Verbindung zu setzen.

Von einem Zusammenhang der Taten gehe die Polizei aber nicht aus, sagt Thomas Weidner, Erster Polizeihauptkommissar bei der Polizei Forchheim.

Kein Zusammenhang zwischen Taten

„Im Verlaufe einer Aus- und Bewertung der vorliegenden Erkenntnisse konnten bisher keine Zusammenhänge festgestellt werden. Weder in geografischer Hinsicht, noch hinsichtlich der Geschädigten und deren Fahrzeuge konnten Übereinstimmungen festgestellt werden.“

Bei der Polizei würden diesbezüglich immer wieder Vorfälle zur Anzeige gebracht. Oftmals bleibe allerdings ungeklärt, ob es sich um einen vorsätzlichen Sabotageakt, technische Mängel oder gar Fehler bei der Reifenmontage handele.

Hohe Strafen für Täter

Dabei kann auf potenzielle Täter eine hohe Strafe zukommen: Das vorsätzliche Lösen oder Lockern von Radmuttern erfüllt unter anderem den Tatbestand des gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr und gegebenenfalls der Sachbeschädigung, sagt der Polizeihauptkommissar.

„Kommt es darüber hinaus zu einem Personenschaden, muss der Täter mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder einer Geldstrafe rechnen“, sagt Weidner.

Was können Betroffene tun?

Der Polizist rät: Treten während der Fahrt Unregelmäßigkeiten oder Beeinträchtigungen beim Fahrverhalten auf, sollte das Fahrzeug sofort an einer geeigneten Stelle abgestellt und entsprechend gesichert werden. Bei lockeren Radmuttern ist eine Weiterfahrt nicht möglich.

Wie können sich Autofahrer schützen?

Kraftfahrzeuge sollten nach Möglichkeit immer in einer abschließbaren Garage geparkt werden. Besitzern wird empfohlen, ihre Fahrzeuge vor der Benutzung regelmäßig auf technische Sicherheit zu prüfen.

Ergänzend können Felgenschlösser sowohl Diebstahlshandlungen, als auch zumindest das vollständige Lösen aller Radbolzen verhindern.

Tobias Hirche, Mitarbeiter bei Reifen Popp in Forchheim, weiß aber auch: „Gegen Vandalismus kann man nichts machen.“ Zwar gebe es sogenannte Radsicherungsschrauben und -muttern. Aber: „Wer das wirklich vorhat, bekommt das auch wieder weg.“ Generell rät der Reifenexperte dazu, vor allem nach dem saisonalen Räderwechsel nach 50 bis 100 gefahrenen Kilometern die Räder noch einmal nachziehen zu lassen.

 

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