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Raubtiere
Wolf-Attacke: Im Kreis Forchheim geht die Angst um
Gisela Herbst mit ihren AlpakasForchheim & Fränkische Schweiz
Gisela Herbst mit ihren Alpakas // privat
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
LKR Forchheim – Wölfe leben auf einem hunderte Quadratkilometer großen Territorium, in dem sie auf Futtersuche gehen- weshalb im Landkreis Forchheim die Sorge wächst.

Der Wolf geht um. Im benachbarten Landkreis Bayreuth hat er 18 Tiere gerissen. Nur wenige Tage zuvor vier Mufflons und drei Rotwild. 20 Kilometer Luftlinie davon entfernt, im Landkreis Forchheim, hat Gisela Herbst in Niedermirsberg ihre 28 Alpakas. Sie züchtet die Tiere und arbeitet mit den Alpakas als Therapietiere für Kinder.

"Wir sind in großer Sorge", gesteht Herbst. Dass der Wolf eben doch ein paar Kilometer weiter läuft und auch ihre Alpakas reißt. "Momentan sind sie in der Nähe vom Haus, doch eigentlich sollen sie in den nächsten Tagen auf die Weide gesetzt werden. In ein paar Wochen kommen die Babys auf die Welt", erzählt Herbst. Gerade diese Babyalpakas sind eine leichte Beute für den Wolf, sollte er ins Gehege eindringen. "Was sollen wir tun", fragt Herbst, die auch Jäger um Hilfe gebeten hat.

Machtlose Jäger

Doch die Jäger sind sich einig. "Wir können, dürfen und werden nichts tun", sagt Erich Fiedler. Er ist der Kreisfachberater der unteren Jagdbehörde am Landratsamt Forchheim, Jagdpächter in Obertrubach, Hegeringleiter im Trubachtal und zweiter Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbands Kreisgruppe Forchheim. Und er hat selbst ein Damwildgehege, nur sechs Kilometer Luftlinie von dem Ort des Wolfsangriffs entfernt.

"Es wäre unfair, Angst vor dem Wolf zu verbreiten. Aber es wäre ebenso unfair, nur pro Wolf zu reden. Wir würden gerne so gut wie möglich mit dem Wolf leben und sind bereit, mitzumachen, was die Naturschützer fordern. Doch so, wie es ist, kann es nicht weiter gehen", sagt Fiedler.

Er und seine Kollegen fordern deshalb das Landwirtschaftsamt, den Umweltminister und Julia Klöckner auf, endlich Klartext zu sprechen. "Wir brauchen klare Linien. Wie sollen wir mit dem Wolf umgehen. Denn so wie es ist, ist es nicht möglich", sagt Fiedler. Sein Vorschlag lautet daher, mit dem Wolf ähnlich umzugehen wie mit dem Rotwild. Verlässt dieses das Revier, ist es zum Abschuss frei.

Und die Naturschützer?

Auch für den Bund Naturschutz hat sich nach den jüngsten Ereignissen die Sicht ein wenig geändert. "Bei extremen Ausnahmesituationen, wenn sich der Wolf in die Nähe des Menschen wagt, sollte die Entnahme des Wolfs erlaubt sein", sagt Ulrich Buchholz, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Forchheim.

Lesen Sie dazu auch: Nach Wolf-Angriff: Landesamt für Umweltschutz gibt Verhaltenstipps

"Der Wolf kann mit den Menschen leben, wenn man bestimmte Dinge berücksichtigt. Die Einzeltiere sind hier sind nur auf Durchzug. Eine andere Sache sind die Wolfsrudel. Sie haben Hunger und die Viehzüchter müssen um ihre Tiere fürchten", sagt Buchholz. Herdenschutzhunde und Elektrozäune sind eine gute Schutzmaßnahme", betont Buchholz. Beides würde vom Staat finanziert.

Kritik vom Bauernverband

Von dieser Prävention hält der Bauernverband wenig. Abgesehen von dem Unterhalt und Folgekosten für die Landwirte, seien dies keine wirklichen Barrieren für den Wolf. Und: Entstehen gerade deshalb erst die Situationen, die den Wolf in eine Art Blutrausch verfallen lassen?

Wenn der Wolf in einem Pferch ist, aus dem die Tiere nicht ausreißen können und sich dementsprechend gebärden oder ein Wolf, der "nur auf Durchzug" in einem der kleinen Wäldchen hier in der Umgebung ist, sich nicht zurückziehen könne und wie mit dem Rücken an der Wand stehe, überlegt Friedrich Oehme, Geschäftsführer der Kreisgruppe Forchheim im BN. "Wir erleben Tiere, die auf der Suche nach Revieren sind und nicht wissen, dass sie in unseren kleinen Wäldchen in Notsituationen kommen und sich dann so verhalten", ist Oehmes persönliche Meinung über die besorgniserregenden Situationen, die gerade entstehen.

Doch warum funktioniert das harmonische Zusammenleben von Wolf und Wild im Wildpark Hundshaupten? "Der Zaun ist wolfsgerecht. Er hat einen Betonring auf mindestens einen Meter Tiefe", erklärt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim. Dass die Landwirte das nicht umsetzen können, weiß Strehl. "Ein normaler Weidezaun ist für den Wolf kein Problem und die Landwirte haben hier meist temporäre Weiden" sagt Strehl.

Qualvoller Tod

Zudem: "Die Wölfe lernen schnell, wo es das Fressen gibt. Der Wolf lernt, wie man Hindernisse überwinden kann. Er hat Hunger und die Gehege sind wie ein gedeckter Tisch. Welcher Tierschützer schützt das Nutztier? Viele überleben und sterben einen langen qualvollen Tod. Das Massaker kann man nicht entschädigen", schimpft Greif. Nun zu fordern, die Bauern sollen alles einzäunen, sei eine ganz fiese Masche. "Wenn diese Tiere gelernt haben, die Barrieren zu überwinden, bleibt nur die Forderung nach Entnahme. Der Wolf gehört ins Jagdrecht", sagt Hermann Greif, Präsident des Bauernverbandes in Oberfranken und Forchheimer Kreisobmann.

Inzwischen gebe es sogar Warnungen, dass Hundehalter ihre Hunde nicht frei herumlaufen lassen sollen. Wegen des Wolfes. Denn der Wolf reagiert auf Hunde, informiert das Landesamt für Umweltschutz.

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