Der Aufenthaltsraum ist voll besetzt und die Senioren schauen erwartungsvoll auf die Tür. Gleich treffen ihre Stars ein. Als Ronaldo aufgeregt, aber zielgerichtet, vom Flur in den großen Raum tippelt, zeigt sich ein strahlendes Lächeln in den Gesichtern der Heimbewohner und der Menschen der Tagespflege.
Ronaldo und sein Teamkollege Jimmy besuchen das Gräfenberger Seniorenheim Casa Doro. Ronaldo stürmt gleich an den ersten Tisch, um die roten Blüten der Kalanchoe zu fressen, doch der dort auf Ronaldo wartende Senior kann die Pflanze vor dem vorwitzigen und gefräßigen Alpaka gerade noch in Sicherheit bringen.
Ronaldo und sein Teamkollege Jimmy, so heißt das dunklere Alpaka, sind nicht zum ersten Mal im Gräfenberger Heim, werden aber immer wieder sehnsüchtig erwartet. Sogar die Kinder der Pflegekräfte freuen sich auf diese drolligen Tierchen und kommen an den Tagen des Alpaka-Besuchs gerne in das Seniorenheim, berichtet Andreas Bürkel, der Leiter des Heims. Alle sechs Wochen ist ein Alpaka-Tag geplant.
Frei herumlaufen lässt Markus Enßner seine Alpakas nicht. Trotzdem geben die wolligen Tierchen den Ton an und ziehen in die Richtung, die sie bevorzugen. Ronaldo hat sich Bürgermeister Ralf Kunzmann ausgesucht. Das Stadtoberhaupt war eingeladen worden und wollte sich selbst von der positiven Wirkung der Alpakas auf die Senioren überzeugen.
Jimmy ist zu Hans Gebhardt gelaufen. „Die Tiere kommen immer zu mir, egal, wohin ich gehe“, sagt Gebhardt und steht auf, um seinen Ronaldo zu füttern. „Ich habe immer Futter dabei. Auch im Wald folgen mir Tiere“, erzählt Gebhardt weiter. Wenn er früher im Wald unterwegs war, hatte er immer für die Waldtiere Essen dabei. „Bis das Gras wächst, denn jetzt finden sie nichts“, sagt Gebhardt.
Während Jimmy den hinteren Teil des Aufenthaltsraums besucht und das Gesicht von Ana Konieczny abschlecken möchte, um seine Zuneigung auszudrücken, tippelt Ronaldo weiter zu Adolf Brinkmann. Er ist aus Osnabrück und wegen seiner hier arbeitenden Tochter nach Gräfenberg ins Casa Doro gekommen. Der Senior streckt die Hand aus, um das Alpaka zu streicheln. Eine Zeit lang gelingt das auch, dann sucht das gefräßige Tier wieder Futter. Adolf Brinkmann lacht. Ein wenig erinnere ihn das an seine jungen Jahre. Schafe und Schweine hätten seine Eltern gehabt, erzählt Brinkmann. Diese Erinnerungen an die jungen Jahre der Heimbewohner zu wecken, ihnen damit eine Freude zu bereiten, deshalb kommt Markus Enßner mit seinen Aurachtal-Alpakas von Neuendettelsau nach Gräfenberg.
„Sie sind tiefenentspannt“
„Manche Menschen sind neu hier oder unzufrieden, im Heim leben zu müssen. Doch wenn sie die Alpakas sehen, blühen die Menschen auf“, sagt Enßner. Das Casa Doro ist nicht das einzige Heim, in das Enßner mit seinen Alpakas kommt. „Aktuell sind es 14 Heime, die wir regelmäßig besuchen. Es werden immer mehr“, sagt er. Auch Kitas und Wohngruppen für Menschen mit Beeinträchtigungen hätten Interesse am Besuch dieser Tiere, die nichts aus der Ruhe bringe. „Sie sind tiefenentspannt. Das entschleunigt“, sagt Enßner. Selbst die bettlägerigen Menschen bekämen Besuch von Jimmy und Ronaldo. Die Tiere laufen inzwischen von Tisch zu Tisch. Immer wieder werden sie gestreichelt und auch fotografiert. Immer wieder schnuppern sie das Futter, das die Senioren bereithalten. Darauf sind die braunen jungen Alpakas ganz wild. „Langsam. Du bekommst schon was“, sagt Hans Vogel und streichelt Jimmy, während Ronaldo zur Dame am anderen Tisch läuft.









