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Kreis Forchheim
Hier gibt es Hilfe für pflegende Angehörige
Renate Kraus benötigt Hilfe, um sich aufrichten zu können.Forchheim & Fränkische Schweiz
Renate Kraus benötigt Hilfe, um sich aufrichten zu können. // Carmen Schwind
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Kirchehrenbach – Viele ältere Menschen werden von Familienmitgliedern betreut, die sich dabei alleingelassen fühlen. Für den Notfall sollten Betroffene vorbereitet sein.

Anneliese Iser vom Caritasverband der Stadt Bamberg und des Landkreises Forchheim hat pflegebedürftige Menschen und ihre pflegenden Angehörigen in die Begegnungsstätte nach Kirchehrenbach geladen. Gebannt hören die Anwesenden zu, als Martin Kraus erzählt, was ihm widerfahren ist: „Ich war noch in der Kirche, als ich angerufen wurde, dass meiner Frau übel ist und dass sie sehr schwach ist.“

Wo gibt es Hilfe am Wochenende?

Renate Kraus wird seit ihrem Schlaganfall von ihrem Mann gepflegt. „Sie hat bös ausgeschaut. Ich hab dann versucht, sie in den Rollstuhl zu setzen und ins Bad zu bringen“, erzählt er weiter. Danach brachte er sie ins Bett. In dieser Freitagnacht konnte das Ehepaar nicht schlafen, denn es ging der Frau sehr schlecht. Martin Kraus war völlig überfordert, hatte starke Rückenschmerzen und Angst, dass seine Frau wieder einen Schlaganfall haben könnte. Deshalb rief er Samstagfrüh um 8 Uhr den Notarzt. „Ich hatte keine Kräfte mehr und habe gehofft, dass meine Frau ins Krankenhaus kommt, eine Infusion kriegt, damit sie wieder stabiler ist“, berichtet Kraus. Er erzählt, dass der Arzt seine Frau wohl untersuchte, dann aber wegfuhr: „Das war frustrierend, denn ich wusste nicht, wo ich am Wochenende nun Hilfe bekommen könnte.“

Geschafft: Anneliese Iser verschafft Renate Kraus einen sicheren Stand.Forchheim & Fränkische Schweiz
Geschafft: Anneliese Iser verschafft Renate Kraus einen sicheren Stand. // Carmen Schwind

Antonie Brütting ist aufgebracht: „Alte Leute haben doch keine Lobby. Wenn die Angehörigen auch nicht mehr können, werden sie alleine gelassen.“ Sie weist darauf hin, dass pflegende Angehörige nur Menschen seien, die keine Ausbildung zum Pfleger genossen haben. Auch sei es schwierig, kurzfristig eine Unterbringung zu finden.

Das Pflegepersonal fehlt

„Da fehlt das Pflegepersonal“, gibt Anneliese Iser zu bedenken. Martin Kraus rät anderen in ähnlicher Situation, sich bereits vorher darüber zu informieren, woher im Notfall Hilfe kommen kann. „Viele Pflegedienste haben 24 Stunden Bereitschaft. Es gibt auch den Notfallknopf, den man sich anschaffen kann. Und es sollte in den Orten zum Beispiel Gemeindeschwestern als erste Anlaufstelle geben“, meint Anneliese Iser.

Sie erklärt, dass man sich bei den Pflegekassen oder dem Pflegestützpunkt des Landratsamtes informieren könne. Iser weiß aus ihrer Arbeit als Quartiersmanagerin, dass viele Menschen in der Region niemandem zur Last fallen wollen: „Deshalb wäre ein niederschwelliges Angebot vor Ort wichtig.“ Um das zu etablieren, benötige sie aber die Unterstützung der kommunalen Politik. Damit es erst gar nicht zu Notfällen kommt, möchte sie Maßnahmen zur Prävention anbieten und zusätzlich ein Helfernetzwerk installieren. „Man muss den Menschen bewusst machen, dass die Gesellschaft älter wird und dass wir alle an einem Strang ziehen und uns gegenseitig helfen müssen“, meint Iser.

Fachstelle für pflegende Angehörige

Birgit Pohl von der Fachstelle für pflegende Angehörige bei der Diakonie Bamberg-Forchheim empfiehlt ebenfalls, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen: „Es beginnt schon damit, dass man mit dem Hausarzt spricht.“ Zum Beispiel gebe es den Hausnotruf. Zu Pflegende mit Pflegegrad erhalten für ein Hausnotrufsystem Zuschüsse von den Pflegekassen. „Oder man sucht sich einen Profi, der wenigstens einmal die Woche kommt und vielleicht im Notfall Ansprechpartner wäre“, schlägt Pohl vor. Doch auch sie weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, eine solche Fachkraft zu bekommen. Deshalb sagt sie: „Es läuft darauf hinaus, dass man immer mehr auf sich selbst gestellt ist und sich ein privates Netzwerk aufbauen muss.“ Man solle auch in der Familie über das Thema Pflege sprechen und dieses auch der jüngeren Generation vor Augen führen. „Jeder ist gefordert. Jeder sollte in der aktuellen Zeit auf den anderen schauen“, fasst Birgit Pohl zusammen.

Der Pflegestützpunkt Forchheim öffnete vor einem Jahr

Seit der Eröffnung des Pflegestützpunktes (PSP) für den Landkreis Forchheim am 15. Januar 2022 hat das Telefon laut Pressemitteilung des Landratsamtes Forchheim knapp 700-mal geklingelt. Angerufen haben vor allem Angehörige und Pflegebedürftige, die Fragen zur Pflege hatten. 180 persönliche Beratungen haben die Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes in dieser Zeit geführt. Alle anderen Fragen konnten telefonisch oder schriftlich beantwortet werden.

Der Pflegestützpunkt hilft Angehörigen und Pflegebedürftigen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Pflegestützpunkt hilft Angehörigen und Pflegebedürftigen. // Landratsamt ForchheimMail von Pressestelle@lra-fo.de:

Beispielhaft berichtet die Leitung des Pflegestützpunktes über die Situation der Familie Sommer. Bei einem Arztbesuch mit seiner Mutter wurde Herrn Sommer ein Flyer des PSP mitgegeben. Nach einem ersten Anruf nutzte er die Möglichkeit und kam mit seiner Mutter zu einem Beratungsgespräch in den Pflegestützpunkt. Frau Sommer hat seit einiger Zeit zunehmend Probleme, sich selbst zu versorgen. Herr Sommer fügt hinzu, dass seine Mutter auch zunehmend vergesslich wäre und eine beginnende Demenz diagnostiziert wurde. Er versorge die Mutter, soweit es ihm neben seiner Berufstätigkeit möglich sei. Er komme jedoch an seine Grenzen, fühle sich überfordert.

Gesetzlich oder privat versichert?

Frau Sommer ist gesetzlich versichert. Wäre sie privat versichert, wäre auch die Compass-Pflegeberatung (Telefon 0221/93332709) eine passende Anlaufstelle.

Der Pflegestützpunkt hilft Herrn Sommer, die nächsten wichtigen Schritte zu einer besseren Versorgung seiner Mutter zu definieren und zu priorisieren.

Lieg eine Vollmacht vor?

Grundsätzlich wird zuerst geklärt, ob eine Vollmacht vorliegt und ob bereits ein Pflegegrad beantragt wurde. Wenn keine Vollmacht vorliegt, empfiehlt der Pflegestützpunkt Beratung beim Betreuungsverein der Arbeiterwohlfahrt (Telefon 09191/3405050) oder bei der Betreuungsstelle des Landkreises in Anspruch zu nehmen. Wenn noch kein Pflegegrad vorliegt oder eine Höherstufung beantragt werden soll, biete der Pflegestützpunkt tiefergehende Beratung zur Vorbereitung der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst an.

Hier gibt es Hilfe

Pflegestützpunkt Silke Herbert und Doris Braun,

Am Streckerplatz 3, Forchheim, Gebäude A, Telefon 09191/86-2290, pflegestützpunkt-fo.de, E-Mail pflegestuetzpunkt@lra-fo.de; Montag und Dienstag 9 bis 11 Uhr, Donnerstag 9 bis 11 Uhr und 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.

Fachstellen für pflegende Angehörige Andrea Baptistella, Birkenfelderstraße 15, Forchheim, Telefon 09191/7072-72 und 0151/75029629, Internet caritas-bamberg-forchheim.de, E-Mail: angehoerige@caritas-bamberg-forchheim.de; Birgit Pohl, Telefon 09191/6156071 und 0160/90971426; Beratung für pflegende Angehörige: Diakonie, Internet dwbf.de, E-Mail b.pohl@dwbf.de

Helferkreis Eine Helferkreisschulung findet ab 4. März in Kirchehrenbach statt Anmeldung bei einer der Fachstellen für pflegende Angehörige, Telefon 09191/707272 und 09191/6156071. Eine ähnliche Schulung findet vom Verein „Kunreuth – hier lässt sich’s leben“ ab 25. Februar in Igensdorf statt, Anmeldung unter Telefon 09192/9943820.

Anton-Landgraf-Stiftung finanzielle Hilfe für Senioren; Ansprechpartner Lisa Hoffmann, Arbeiterwohlfahrt-Kreisverband, Kasernstraße 7, Forchheim, Telefon 09191/320990; Diakonin Beate Wagner, evangelische Seniorenarbeit in den Dekanaten Forchheim und Gräfenberg, Paul-Keller-Straße 19, Forchheim, Telefon 09191/6219673.

 

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