Leere Warteräume im Impfzentrum. Am Donnerstag starteten die Impfungen mit dem Vakzin der Firma Novavax. Die Politiker setzten große Hoffnungen in den neuen Impfstoff. Doch in vielen Bundesländern blieb der Ansturm aus, auch in Forchheim blieb es ruhig.
„Die Nachfrage war wie erwartet gering“, berichtet Sebastian Weiß, der Leiter des Forchheimer Impfzentrums. Er und seine Mitarbeiter hatten sich schon im Vorfeld ein grobes Meinungsbild zum Impfen mit Novavax eingeholt. „Viele Experten, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir auch, dass Novavax nicht der von der Regierung erhoffte Game-Changer sein wird“, erzählt Weiß.
Seit 24. Februar Anmeldung möglich
Seit 24. Februar war die Anmeldung für einen Impftermin mit dem Vakzin möglich. Für den Start am Donnerstag in Forchheim hätten sich nur drei Personen vorab für Novavax angemeldet. Am Vormittag seien dann insgesamt sechs Novavax-Impfwillige gekommen. „Wir wollen keine Fragen beantworten“, sagen ein Mann und eine Frau kurz nach ihrer Impfung.
Im Landkreis war am Donnerstag zusätzlich der Impfbus unterwegs. Aber auch für seinen Erfolg dämpft Weiß die Aussichten. „Wir müssen heute wahrscheinlich mehr Impfstoff wegwerfen, als wir verimpfen“, berichtet Weiß. „Früher hätten wir gewartet und Impfwillige angerufen, heute haben wir genug Impfstoff, aber keinen, der ihn haben möchte.“
Wenig Betrieb und Personal
„Die sinkenden Impfzahlen liegen wahrscheinlich an den kommenden Lockerungen und an der aktuellen Stimmung in der Bevölkerung. Die, die sich impfen lassen wollten, haben dies schon getan und die Hardliner werden sich nicht mehr umentscheiden“, vermutet er.
Das wirke sich auch auf die Stimmung im Impfzentrum aus. Da sich die meisten freiwillig impfen lassen und mehr Auffrischungsimpfungen verabreicht werden, sei die Stimmung laut Weiß eher ruhig und weniger aggressiv als noch vor ein paar Wochen.
Im Impfzentrum sind am Donnerstag insgesamt zwölf Mitarbeiter für die Impftermine zuständig. Am Vormittag kamen dann insgesamt 24 Impfwillige. Es herrscht also kein Vollbetrieb. Das Personal würde für 20 Impfungen pro Stunde reichen, genau wie die zwei angebrochenen Impfdosen. Im Vollbetrieb könnte das Forchheimer Impfzentrum rund 600 Personen pro Tag impfen.
Verteilung des Impfstoffs
Nach Beschlüssen der Bundesregierung, wird das Vakzin ausschließlich an Impfzentren geliefert, von dort aus sollte die Weiterverteilung an Hausarztpraxen stattfinden. Aber auch hier sprechen die Zahlen für sich: „Von 55 Hausarztpraxen im Landkreis Forchheim haben drei angerufen und nur eine hat ein Vial (Anmerkung der Redaktion: ein Fläschchen) bestellt“, erzählt der Leiter des Impfzentrums.
Das Impfzentrum bei dem aktuell geringen Aufkommen an Impfwilligen zu schließen, kommt für Weiß aber nicht in Frage: „Wenn die Impfbereitschaft wieder steigt, wird es schwer, nach einer Schließung wieder Mitarbeiter zu finden.“
Auch die Räumlichkeiten wären bei einer Schließung ein Problem. „Das Weiterbetreiben des Impfzentrums scheint mir günstiger als zu schließen und auf die Situation zu reagieren, gerade auch mit dem für Mai angekündigten Biontech-Impfstoff gegen Omikron rechne ich da wieder mit einer steigenden Impfbereitschaft“, so Weiß. Nun steht aber erst mal der Novavax-Impfstoff im Fokus.
Bauplan für Spike-Proteine
Nuvaxovid bekam am 20. Dezember die EU-Zulassung und ist eine Alternative zu den bisherigen mRNA-Impfstoffen. Während mRNA-Vakzine quasi einen Bauplan für Spike-Proteine des Coronavirus liefern, sind im neuen Impfstoff von Novavax diese Spike-Proteine bereits enthalten.
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