Hans Leistner (Name geändert) ist frustriert. Sein Rücken schmerzt, schon länger. Nun hat er sich endlich dazu durchgerungen, einen Orthopäden aufzusuchen. Er ruft in mehreren Praxen an, um einen Termin zu vereinbaren. „Den nächsten freien Termin haben wir Ende September“, hört er da. Warten ist angesagt.
Kein Einzelfall. Wer im Landkreis Forchheim einen bestimmten Facharzt braucht, muss oft Geduld mitbringen. Glück haben Patienten noch bei den HNO-Ärzten. „Ich hätte da was in der nächsten Woche“, sagt die freundliche Dame in der HNO-Facharzt-Praxis Dr. Rüdiger Welb in der Schützenstraße in Forchheim auf Anfrage. Auch bei Neupatienten schaue sich der Doktor hier innerhalb weniger Tage das Problem an.
Warten bei Hautärzten und Kardiologen
Schwieriger wird es bei Hautproblemen. „Frühestens im Juli“, heißt es aktuell in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Jutta v. Hintzenstern und Dr. Annette Hüner in der Forchheimer Vogelstraße, außer in Notfällen. Für Termine zur Hautkrebsvorsorge sei man sogar voll bis Oktober. „Für Hautkrebsvorsorge wird aktuell bei uns keiner aufgenommen“, sagt die Arzthelferin.
Hoffnung keimt zunächst in Forchheim auf bei Fragen rund ums Herz. „Ihr Herz ist uns zu wichtig, um Sie auf einen Termin warten zu lassen. Wir haben einen Termin in den kommenden fünf Werktagen für Sie“, ist auf der Internetseite der Forchheimer Praxis von Kardiologe Dr. Michael Karg zu lesen. Aber auf unsere Nachfrage schränkt die Arzthelferin ein: „Das ist nur ein Gesprächstermin.“ Das Warten auf einen Untersuchungstermin würde länger dauern. „Ende Juli“ heißt es auf Terminnachfrage bei einem weiteren Kardiologen.
60 Facharztpraxen, 58 Hausarztpraxen
Im Gebiet Forchheim der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sind 60 Facharztpraxen mit 84 Ärzten sowie 58 Hausarztpraxen mit 88 Ärzten registriert. „Einen Ärztemangel haben wir derzeit nicht“, sagt Bärbel Matiaske, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion Plus im Landkreis Forchheim. Auch Wartezeiten stellten derzeit kein übergreifendes Problem dar.
Sollte sich allerdings der demographische Wandel insofern bemerkbar machen, dass Arztsitze mangels Ärzten nicht mehr nachbesetzt werden könnten, würden die Wartezeiten der Patienten zunehmen. „Wir tun alles Mögliche, um dies zu verhindern“, sagt Gesundheitsforscherin Matiaske.
Bisher ist dies im Landkreis Forchheim nach den Vorgaben der KVB gut gelungen. Der ermittelte Versorgungsgrad z.B. für den hausärztlichen Planungsbereich Forchheim liegt derzeit bei 105,43 Prozent – „weiterhin regelversorgt“, heißt es bei der KVB.
Ein Grund hierfür ist unter anderem der Hausarzt Dr. Dominik Tinkl in Hausen. Der 42-Jährige hat im Oktober 2020, mitten in der Coronaphase, eine Praxis eröffnet. „Da war ein neuer Kassensitz von der KVB ausgeschrieben und ich habe mich darauf beworben“, berichtet der Arzt, der vor seiner Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin als Anästhesist in einer Klinik gearbeitet hat.
Arbeiten im Heimatort
Weil die KVB damals den Versorgungsgrad für Forchheim als größer eingestuft hatte, gab es diesen zusätzlichen Arztsitz. Ansonsten kann sich ein Arzt mit eigener Praxis nur niederlassen, wenn er die Nachfolge eines Kollegen übernimmt, der z.B. in Ruhestand geht.
Tinkl hätte sich damals irgendwo in Stadt oder Landkreis Forchheim ansiedeln können. Die Wahl fiel auf Hausen, seinen Heimatort. „Das war von vielen glücklichen Umständen geprägt“, sagt der junge Hausarzt.
Wenn es um die Terminvergabe geht, so arbeitet Tinkls Praxis mit zwei Terminslots: einem für Notfall-Akuttermine wie Husten, Schnupfen oder Bauchschmerzen, und einem für Erstvollstellungen oder Gesprächen über chronische Erkrankungen, für die mehr Zeit benötigt wird.
„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in einer Hausarztpraxis für eine akute Erkrankung spätestens am Folgetag einen Termin bekommt. Wer zu mir spontan in die Praxis kommt, wird nicht weggeschickt, sondern mit Wartezeit am selben Tag behandelt“, sagt Tinkl. 90 Prozent der Anrufer würden am Tag des Anrufs behandelt, zumindest gebe es ein Feedback. Potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen behandle man sowieso unverzüglich.
Für alle anderen Termine betrage die Wartezeit „maximal eine Woche“. Laut KVB-Vorgabe muss Tinkl 25-Pflicht-Sprechstunden (je 60 Minuten) in der Woche anbieten. Zu seiner Arbeit und der seiner vier Arzthelferinnen in Teilzeit kommen noch Praxisführung, Verwaltungsaufwand sowie zusätzliche Sprechstunden für Patientenanliegen hinzu. „On Top dann noch die Not- und Bereitschaftsdienste.“
Terminservicestelle: Anfragen steigen
Wer für einen Termin, vor allem bei bestimmten Fachärzten, nicht reihenweise Arztpraxen durchtelefonieren will, kann sich seit 2016 auch an die Terminservicestelle der KVB in Bayern wenden – zu erreichen unter der Telefonnummer 116 117. Sie ist rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche besetzt. „Die Wartezeit zwischen Ihrem Anruf und Ihrem Termin beträgt maximal fünf Wochen“, verspricht die KVB. Man erhalte dann z.B. bei Fachärzten einen Termin in zumutbarer Entfernung von plus 60 Kilometern bzw. 60 Minuten Fahrzeit.
Grundsätzlich habe die Terminservicestelle diese Vorgaben bisher stets einhalten können, sagt Axel Heise, stellv. Pressesprecher der KVB. Die Zahl solcher Terminanfragen würde aber stetig teigen.
Strukturprobleme andernorts
In der Regel wird für die Vermittlung eine Überweisung des Hausarztes benötigt. Diese hat dann einen Vermittlungscode, den der Patient beim Anruf nennen muss. „Wenn die Terminservicestelle keinen Termin in der vorgegebenen Frist vermitteln kann, muss sie einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anbieten“, sagt Markus Hüttmann von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. „Das strukturelle Problem lässt sich damit aber nicht unbedingt lösen.“ Denn wenn auch aktuell nicht im Landkreis Forchheim, so gibt in einigen Regionen Frankens – etwa im Landkreis Kronach – durchaus ein unzureichendes Ärzteangebot.
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