Das Bier fließt, auf den Grills brutzeln die Bratwürste und in der Luft liegt der Duft gebrannter Mandeln. Das Annafest ist für viele Forchheimer ein Fest der Tradition. Der Kellerwald ist gefüllt mit Genießern. Im Vordergrund stehen Bier, Musik und natürlich Gastronomie. Bei 23 Bierkellern sollte niemand zu kurz kommen. Sollte man meinen.
Auf fränkischen Bierkellern dominiert meist eine Zutat: Fleisch. Egal, ob Schnitzel, Sauerbraten oder das allseits bekannte Schäuferla: Fleisch ist im in aller Munde. Wer da nicht mitmachen möchte und fleischlos, also vegetarisch lebt, bleibt oft auf der Strecke. Noch härter ist es für diejenigen, die auf alle tierische Produkte verzichten. Veganer nehmen beispielsweise auch keine Milchprodukte zu sich.
Das vegetarische Angebot ist im Vergleich zu den letzten Jahren enorm gestiegen. Während es vor einigen Jahren nur die klassische Käseplatte gab, kann man nun zum Beispiel auch Käsespätzle genießen. Während des Annafests geht der Greif-Keller mit gutem Beispiel voran: Hier kann man als Vegetarier mit Salaten, frisch paniertem Camembert, Mozzarellasticks, Ziebalaskäs oder Obatzter seinen Hunger stillen. Vegane Gerichte bietet der Greif-Keller aber nicht an.
Küche nicht dafür ausgelegt
Susi Herzing erklärt, dass eine Kellerküche wie auf dem Greif-Keller nicht ausgelegt sei für viele verschiedene Gerichte. Man müsse bei der Zubereitung von veganen Produkten logischerweise darauf achten, dass diese nicht im selben Fett wie die tierischen Produkte gebraten werden. Hierfür sei ihre Küche einfach zu klein, erklärt Herzing. Würde die Nachfrage nach veganen Gerichten steigen, sei sie bereit, ihre Speisekarte zu verändern.
Dass die Nachfrage nach veganen Gerichten gar nicht mal so groß sei, verdeutlicht Bruno Alberti vom Eichhorn-Keller. Auf seinem Keller wird man als Vegetarier mit Käsespätzle, Pommes und Klößen mit Sauerkraut oder Blaukraut satt. Nach veganen Gerichten werde eher selten gefragt, meint Alberti.
Auch Carola Bernklau vom Neder-Keller betont, dass die meisten auf einen Bierkeller gehen würden, um ein Schäuferla zu essen. Trotzdem bietet auch sie eine Käseplatte oder Obatzter an. Sogar ein veganes Gericht steht während des Annafests auf ihrer Karte: Das Kichererbsencurry sei letztes Jahr bereits sehr beliebt gewesen, so Bernklau.
Auch sie versuche, während des Annafests ihre Karte kleiner zu halten, weil sie so die Masse an Gästen leichter bewirtet werden könne. Ob die Nachfrage nun wirklich so gering ist wie behauptet oder sich die vegan oder vegetarisch lebenden Annafestgänger einfach damit abgefunden haben, dass es eben Schäuferla und Schnitzel auf den Kellern gibt, bleibt offen. Zumal während des Kellerbetriebs unter dem Jahr der Schindler-Keller mit Pächterin Birgit Hempel eine Vielzahl an vegetarischen und veganen Gerichten anbietet.
Während des Annafests übernehmen die Inhaber die Bewirtschaftung und sind trotzdem Vorreiter, was die vegane und vegetarische Auswahl angeht. Sonja Mühlbauer, Tochter des Inhabers, zählt Leckereien wie ein veganes Linsencurry, eine vegane Bowl mit Tofu und vegane Bratwürste auf. Ebenso kommen Vegetarier am Schindler-Keller auf ihre Kosten: vegetarische Linsen und Spotzen, Bratkartoffeln mit Quark, Käsespätzle und Obatzter nennt Mühlbauer. Sonntags gibt es als Alternative zum Schäuferla Semmelknödel mit Pilzrahmsauce.
Höhere Nachfrage oder nicht?
Im Gegensatz zu den anderen Kellerwirten berichtet Mühlbauer sehr wohl von einer erhöhten Nachfrage nach Gerichten ohne tierische Produkte. „Wir probieren das dieses Jahr einfach mal aus“, erklärt die Wirtin. Sie erwähnt aber, dass noch mehr Vielfalt auf der Karte auf ihrem Keller nicht möglich sei, da bei regem Besuch mit einer hohen Anzahl an Gerichten die Küche nicht mehr hinterherkomme.
Auf den Forchheimer Kellern ist also eine Entwicklung zu sehen. Als Vegetarier wird man auf dem Annafest auf jeden Fall satt. Jeder Keller bietet mindestens ein fleischloses Gericht an. Klar ist dennoch: Die Nachfrage der Gäste bestimmt die Karte.
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