Die zweitälteste bekannte Scheune im Landkreis Forchheim steht in Neuses-Poxstall bei Ebermannstadt. Datiert wird das Gebäude auf 1653, also kurz nach dem 30-jährigen Krieg. Nach aktuellem Forschungsstand hat die Scheune außerdem das älteste Fachwerkgefüge in der Gemeinde Ebermannstadt.
„Ich freue mich, dass es für diese Scheune noch eine Chance gegeben hat“, erzählt Bürgermeisterin Christiane Meyer und ergänzt: „Und wenn ich mal nicht mehr Bürgermeisterin bin, dann gehört das auch zu den Projekten, wo ich vorbeifahre und mich freuen kann, dass das in meiner Zeit gelungen ist .“
Neue Task Force beim Landesamt für Denkmalpflege brachte die Wendung
Bereits zu Beginn ihrer Amtszeit vor zwölf Jahren, war die historische Scheune Thema – über die Jahre gab es immer wieder Versuche zur Rettung, die jedoch meist an den Kosten scheiterten.
Die Wende kam dank eines Artikels, den Meyer in einer Fachzeitschrift las. Beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hatte sich eine Sondereinheit gegründet, die Task Force für bedrohte Baudenkmäler.
Durch die Zusammenarbeit entstand ein neues Förderszenario an dem die Stadt nur noch mit zehn Prozent der Kosten von 290.000 Euro beteiligt ist. Den Rest übernehmen das Landesamt für Denkmalpflege und die Oberfrankenstiftung.
Einige hundert Lehmziegel wurden für das Projekt in Neuses-Poxstall hergestellt
Nachdem die Fachfirmen die Arbeit an der Scheune abgeschlossen hatten, entstand die Idee, von der reinen Theorie in die Praxis überzugehen, Workshops anzubieten, direkt am Objekt zu lernen und die Bevölkerung mit einzubeziehen.
600 Lehmziegel hat Tobias Bösl vom Landesamt für Denkmalpflege mit Kollegen für das Scheunen-Projekt vorbereitet – auch für ihn eine Abwechslung zum Bürojob.
Das Lehm-Stroh-Gemisch wurde in Formen gepresst, herausgezogen und zum Trocknen in die Sonne gelegt. Einige der Bausteine sind mit Symbolen verziert, die Rathauschefin hat einen der Lehmziegel signiert.
Von Skepsis bis Euphorie – die Bevölkerung reagiert unterschiedlich
Immer wieder gibt es Besucher vor Ort, die sich das Projekt anschauen – von Skepsis bis Euphorie ist alles dabei.
„Wir wissen, dass solche Projekte immer ein bisschen skeptisch anfangen mit der Nachbarschaft, aber je länger das Projekt dann geht, kippen langsam die Dominosteine und dann sind die Leute am Ende doch irgendwie ganz happy und dann sieht es wieder schön aus. Und auch sind die größten Denkmalgegner am Ende die größten Befürworter, wenn ein Haus wieder top saniert dasteht“, erzählt Tobias Bösl von seinen Erfahrungen.
Berliner helfen beim Mauern in der alten Scheune
Sogar aus Berlin sind Helfer zum Lehmbauworkshop angereist. Über ein geerbtes Ferienhaus bestehen Verbindungen nach Neuses und die Berliner hatten die Fachwerkscheune viele Jahre im Blick- Sie freuen sich, nun zum Erhalt beitragen zu können.
Jan Krämer aus Rüssenbach, selbst Besitzer eines historischen Bauernhauses, dass er mit seiner Frau hergerichtet hat, interessiert sich aus praktischen Gründen für die Lehmbauweise. Auf dem Gelände des Paares gibt es eine alte Scheune, für deren Sanierung er das Wissen einfließen lassen möchte.
Neuses-Poxstall: Freiwillige arbeiten unter Leitung eines erfahrenen Lehmbauers
Angeleitet werden die freiwilligen Helfer von Lehmbauer Andreas Link aus Schwarzenbach.
Auf einer Seite der Scheune wird mit den Lehmbausteinen eine Sichtmauer errichtet. Die rustikalen Steine und die alten Holzbalken ergänzen sich sehr gut und sorgen für ein tolles Ambiente.
Die gegenüberliegende Seite wird traditionell aufbereitet: Etwas dickere Hölzer, sogenannte Staken, werden fest eingeklopft, mit Weidenruten umflochten und dann mit Strohlehm verputzt.
Tobias Bösl: „Lehmbau ist extremst klimafreundlich“
Der verwendete Lehm stammt aus dem Mühlbachtal. Andreas Link entdeckte zufällig eine Baustelle der Firma Geiger nahe der Scheune – eine Win-Win-Situation für alle.
Tobias Bösl hat den eindruck, dass das Interesse am Lehmbau zunimmt, was er auch als existenziell bezeichnet. „Wir müssen vom Beton weg, von diesen Schnellhausbauten. Lehmbau ist extremst klimafreundlich“, erläutert er und ergänzt: „Das finde ich sehr wichtig, dass gerade junge Leute lernen, wie man mit einfachen Mitteln, mit der Erde, die hier ist, etwas bauen kann, ohne sich aus China irgendwelche Sachen zu kaufen, die dann vielleicht nur zehn Jahre halten.“
Bürgermeisterin Meyer: „Wir freuen uns über alle die mitmachen“
Nach Fertigstellung wird der Bauhof die Scheune als Lagerfläche nutzen. Doch die Rathauschefin ist sich sicher, dass über kurz oder lang mehr aus dem Gebäude entstehen wird. „Wir freuen uns über alle, die mitmachen. Wir freuen uns auch über Ideen zur Nutzung. Vielleicht will die Dorfbevölkerung einen Weihnachtsmarkt machen oder was auch immer – wir sind dafür offen,“ betont sie.

















