Der Ärger unter den Wirten im Forchheimer Kellerwald ist riesig: Neben der ohnehin schwierigen Lage in der Gastronomiebranche verzweifeln viele Kellerwirte wie Bruno Alberti vom Eichhornkeller momentan an der strikten Durchsetzung der Sicherheitsauflagen der Stadt Forchheim zum Annafest 2022.
Die Folgen bekommen auch die Besucher des diesjährigen Volksfestes im Kellerwald deutlich zu spüren.
Jeder vierte Sitzplatz droht am Annafest 2022 wegzufallen
„Ich verliere durch die neuen Auflagen im schlimmsten Fall ein Viertel meiner Sitzplätze“, klagt Pächter Bruno Alberti vom Eichhornkeller. Auf seiner Außenterrasse hat der Wirt mit Europaletten und Holzlatten bereits den in Forchheim neuerdings geforderten „Sicherheitsstreifen“ errichtet, um den Abstand zur Absturzkante baulich abzugrenzen.
Doch dann kam noch die Hiobsbotschaft aus dem städtischen Bauordnungsamt hinzu: Weil die Treppenaufgänge an der Absturzkante liegen, soll er komplett neue Treppen bauen lassen.
Und wenn diese nicht rechtzeitig zum Annafest gebaut werden, drohe ihm die Stadt mit der Sperrung der Fläche während der eigentlich lukrativen Festtage. „Wenn die Terrasse geschlossen bleibt, fehlen mir definitiv 200 Sitzplätze“, verdeutlicht Alberti. Jetzt rechnet er allein für den Treppenneubau mit Kosten im fünfstelligen Bereich.
Aufgrund der zu errichteten Abstandszone fallen in seinem Biergarten ohnehin mindestens 60 Sitzplätze von 500 weg. „Diese ganzen Maßnahmen müssen wir aus eigener Tasche zahlen.“
Forchheims Kellerwirte rechnen mit deutlichen Umsatzverlusten
Genauso ergeht es auch Matthias Erlwein vom Glockenkeller. Der Kellerwirt wird den „Sicherheitsstreifen“ mit Zäunen abgrenzen, die vor kurzem noch auf Rock im Park standen. Dadurch werden ihm mindestens 40 von seinen 220 Sitzplätzen verloren gehen.
Und diese Belastung käme durch die plötzlich strikte Umsetzung der Versammlungsstättenverordnung in Forchheim erschwerend zu den ohnehin steigenden Einkaufspreisen, Energie- und Personalkosten im Gastronomiegewerbe hinzu.
Folge der Belastung: Annafest-Preise werden steigen
„Die Umsatzverluste, die wir hier haben werden, werden extrem sein. Aber wir versuchen irgendwie, die Kuh vom Eis zu kriegen. Letztendlich wird auch der Konsument der Leidtragende sein“, sagt Erlwein. So werden die Kellerwirte ihre Preise zum Annafest deutlich erhöhen müssen.
Der Preis für eine Maß Bier werde wohl bei rund 10,50 Euro liegen, meint der Wirtesprecher. „Das begründet sich natürlich durch die gestiegenen Einkaufspreise. Aber jetzt kommt mit den Auflagen natürlich alles zusammen.“
Die Sicherheit im Kellerwald, besonders mit Blick auf die Massenveranstaltung Annafest, beschäftigt die Stadt Forchheim seit langem. Die Schankberechtigten im Kellerwald sind laut Bauordnungsamt in der Pflicht, absturzsichere Umwehrungen sowie Flucht- und Rettungswege zu gewährleisten.
90 Zentimeter hohe Barriere
Deshalb müsse auf den Bierkellern während der elf Tage Annafest „Sicherheitsstreifen“ zu den unsicheren Geländern errichtet werden. Die Schankberechtigten müssen nun 1,50 Meter Abstand zwischen den Bierbänken und -tischen bis zur Absturzkante einhalten. Zudem muss eine „bauliche Barriere“ die Sicherheitspufferzone abgrenzen, die auch beispielsweise Kinder nicht überschreiten können.
Die Stadtverwaltung hat den Betreibern deutlich angekündigt: Diejenigen, die für ihre Bewirtschaftungsflächen den geforderten Schutz nicht nachweisen, würden die Flächen während des Annafestes gesperrt werden. Die Barriere muss mindestens 90 Zentimeter hoch und ausreichend standsicher und befestigt sein. Denkbar sind beispielsweise Zäune, Stehboxen oder Tische.
Stadt Forchheim will sich zur Kritik nicht äußern
Unsere Redaktion hat die Stadt mit der Kritik konfrontiert. „Nach verwaltungsinterner Abstimmung“ könne man jedoch aktuell keine Stellung nehmen. Da die Themen zur Sicherheit im Kellerwald im kommenden Hauptausschuss am 23. Juni vom Stadtrat „ausführlich vorgestellt, diskutiert und beschlossen werden, möchten wir dies nicht vorab in der Öffentlichkeit präsentieren“, erklärt eine Stadtsprecherin.
„Die Stadt Forchheim wirkt seit längerer Zeit auf die Realisierung zu berücksichtigender Vorschriften hin, dies primär adressiert an die Schankplatzberechtigten, welche hier zunächst die Verantwortung tragen“, rechtfertigt sich Kellerwald-Bürgermeister Schönfelder.
„Das eigentliche Problem ist, dass Forchheim in den vergangenen Jahrzehnten versäumt hat, etwas im Kellerwald zu verbessern – und jetzt möchte man es innerhalb von kürzester Zeit alles umgesetzt haben“, kritisiert Wirt Erlwein.
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