Die Aufzugfahrt am Kirchturm nach oben in luftige 40 Meter Höhe ist Kirchenmaler Jürgen Otzmann längst gewöhnt. Dekan Reiner Redlingshöfer inzwischen auch, fährt er doch mindestens zweimal täglich wegen der Renovierungsarbeiten hoch. Der Kirchturm der Dreieinigkeitskirche in Gräfenberg wird renoviert. Bei den Arbeiten kam auch Unbekanntes zum Vorschein.
Dreieinigkeitskirche in Gräfenberg: Kirchturm wird saniert
Im April dieses Jahres baute die Firma Karl aus Viereth-Trunstadt (Landkreis Bamberg) das Gerüst auf, seit Juni wird der Turm saniert. 450.000 Euro sind dafür veranschlagt worden. „Ich bin optimistisch, dass wir innerhalb des Kostenrahmens bleiben“, sagt Dekan Redlingshöfer, der gleich nach seinem Amtsantritt das Gutachten für die Sanierung in der Schublade fand und 2020 diese Sanierung in Angriff nahm.
Denn schon zu Zeiten von Dekanin Berthild Sachs war nach einer Begehung von Renovierung die Rede. „Man merkt, dass Wasser eingedrungen ist“, erklärt Dekan Redlingshöfer. Der Putz wurde vom Turm abgeklopft. Die Witterung hatte an Holz und Gemäuer ihre Spuren hinterlassen. Moos und morsches Holz.
Dachbalken der Dreieinigkeitskirche sind marode
„Ein Großteil der Dachbalken musste ausgetauscht werden“, sagt Redlingshöfer. Die Balken waren verwittert, an der Spitze sind sie komplett erneuert worden, auch ein Großteil der Stützbalken. Mit der Hand konnten Stückchen herausgebrochen werden. Es ist kein Standarddach, weshalb die Balken maßgenau eingepasst werden mussten. „Jeder Balken einzeln in individueller Handwerkskunst und Feinarbeit. Es war eine diffizile Arbeit“, sagt Redlingshöfer.
Auf dem Kirchvorplatz liegen Dachziegeln. Alte kaputte neben den neuen Ziegeln, mit schwarzer Sprenkelung – eine Sonderanfertigung. „Damit sie historisch sind“, sagt der Dekan.
Auch die Uhr ist gerade beim Restaurator. Die Farbe war abgeblättert. Einen neuen Anstrich bekommen Uhr und Zeiger.
Türmerwohnung soll geöffnet werden
Inzwischen ist Jürgen Otzmann oben angekommen. Die Erneuerungen, die viele Arbeit und die unzähligen Handgriffe der vergangenen Monate sind sichtbar. Der Kamin auf dem Kirchturm ist erneuert und auch die Türmerwohnung, die in ungefähr 35 Meter Höhe liegt, wird saniert. Die Wohnung – zwei kleine Zimmer mit je zehn Quadratmetern und eine kleine Kochnische – ist der Grund für den Kamin auf dem Kirchturm. Wände und Holzboden müssen erneuert werden. Das Ziel: „Die Türmerwohnung bei besonderen Anlässen zu öffnen“, sagt der Dekan.
Der Türmer hatte vor allem im Mittelalter eine besonders wichtige Aufgabe. „Er musste Ausschau halten, ob ein Feuer ausbricht oder ob Soldaten marschiert kamen, und dann Alarm geben“, erzählt Redlingshöfer. Zugleich war der Türmer der Mesner. Bis 1945 war die Wohnung noch bewohnt. Sogar einige Kinder hatte das Türmerehepaar. „Im Sommer haben die Kinder auf dem Turmumgang geschlafen, so die Erzählungen“, berichtet Redlingshöfer.
Putz am Gräfenberger Kirchturm bröckelt ab
Doch der Turmumgang bereitet jetzt ein Problem. Moos und Wasser waren eingedrungen. „Er musste neu mit Beton und einer speziellen Schicht versehen werden, damit kein Wasser mehr eindringen kann, auch das Geländer am Umlauf wurde gereinigt“, erklärt Redlingshöfer, der vom Aufzug aussteigt und auf eine kleine Leiter, die zur ersten Gerüstetage führt, steigt.
Vom unteren Teil des Kirchturms ist der Putz abgeschlagen. Salz hatte dem Putz zugesetzt. An der oberen Turmseite ist der Putz stabil, doch unten bröckelte er ab. Sechs Zentimeter dick war der Putz, der ringsherum mit dem Presslufthammer abgeschlagen worden war: auf sieben mal sieben Meter und zwei Metern Höhe. „Da kommt Sanierputz drauf, anschließend wird die komplette Fassade neu gestrichen“, sagt der Dekan. Das historische Muster bleibt.
Mit Entfernung des beschädigten Putzes kam am Fenster eine Wasserleitung zum Vorschein. „Damit ist früher wohl die Türmerwohnung versorgt worden“, mutmaßt Redlingshöfer. Die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten jedenfalls gehen gut voran.
Ein Drittel der Kosten bezuschusst die evangelische Landeskirche, ein Viertel kommt von Stiftungen und 40 Prozent finanziert die Kirche aus Eigenmitteln, aus Spenden generiert. „Wir hoffen, dass sich die Stadt auch angemessen an der Sanierung beteiligt, da der Turm ein Wahrzeichen von Gräfenberg ist“, sagt Redlingshöfer.
Denn wenn auch die im 12. Jahrhundert gebaute Kirche fünfmal abgebrannt ist, war der untere Teil des Turms nie abgetragen worden. „Er ist neunhundert Jahre alt“, sagt der Dekan. Dann wird auch die Wetterfahne, in die vor Jahren der Blitz eingeschlagen hat, wieder am Kirchturm sein: eine goldene Kugel mit Stiel und Fahne.



















