Normalerweise wäre es eine gute Kirschernte. Die Äste hängen prallvoll mit der roten Frucht. Zwischen 4,90 und 5,50 Euro wird das Kilo verkauft. Auch Franz Galster aus Seidmar und seine Mitarbeiter sind in den Kirschgärten, um das rote Gold in Handarbeit zu pflücken. Normalerweise tun sie dies mit Herzblut.
Kosten steigen auch bei den deutschen Kirschen
„Derzeit habe ich einen richtigen Durchhänger, da uns ständig Prügel zwischen die Beine geworfen werden, die Unkosten steigen und der Verbraucher das nicht honoriert“, klagt Galster.
Denn letztendlich habe der Verbraucher Einfluss auf die Preisentwicklung. Kirschen würden nun in Massen aus allen Ländern auf den Markt geworfen. Die deutschen Kirschen müssen neben den billigen aus dem Ausland bestehen.
„Unsere Landwirte können mit den günstigen Preisen nicht konkurrieren“, sagt Manuel Rauch, Geschäftsführer der Obstgenossenschaft in Pretzfeld.
Immer mehr Landwirte hören auf
Immer mehr Landwirte würden deshalb aufhören. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte macht das deutlich. „Vor 20 Jahren hatten wir 280 aktive Kirschbauern. Letztes Jahr waren es noch 115“, berichtet Rauch.
Die meisten Kirschbauern betreiben das im Nebenerwerb. Was für die ältere Generation noch das Lebenswerk war, sei für die Nachfolgegenerationen keine Option mehr – ein Trend, der sich wohl fortsetze, fürchtet Rauch.
Verbraucher hat Macht durch sein Kaufverhalten
Dabei galt die Fränkische Schweiz einst als größtes zusammenhängendes Süßkirschanbaugebietes Europas. Eine Studie darüber, ob es noch so sei, existiere nicht. „Es gibt Anbaugebiete, die genauso groß sind. Aber unsere Gegend hier ist einzigartig mit den kleinen Flächen und Strukturen, die den Charme der Fränkischen Schweiz ausmachen“, meint Rauch. Das bestehen zu lassen, dafür bittet er um Unterstützung. Der Verbraucher könne es beeinflussen: durch sein Kaufverhalten.
Sehr zeitaufwendig
„Der Kirschanbau ist sehr zeitaufwendig“, erklärt Manuel Rauch. Dazu kommen gestiegene Kosten für den Pflanzenschutz, für den Mindestlohn an die Saisonarbeiter und für die Energie. Selbst in einigen Regionen Deutschlands kann günstiger angeboten werden, bedingt durch die unendlich weiten Kirschbaumflächen. Das gibt es in der Fränkischen Schweiz nicht.
Franz Galster ist Landwirt im Vollerwerb, doch vom Kirschanbau allein kann er nicht leben. Er hat Erdbeeren, betreibt vor allem Ackerbau und hat Mastbullen. Die Kirschen wachsen auf zehn Hektar Fläche und werden von Galster zu 100 Prozent direkt vermarktet. „Dann habe ich den Preis selbst in der Hand“, sagt Galster.
Dieser müsste heuer aufgrund der gestiegenen Kosten eigentlich angehoben werden. „Wir können keinen Aufschlag machen, eher rückwärts, da die Leute sparen“, weiß Galster. Doch billiger geht auch nicht bei den gestiegenen Betriebskosten. So hält der Landwirt aus Mittelehrenbach an den Preisen vom Vorjahr fest. Diese liegen für den Verbraucher bei 5,00 bis 5,50 Euro für das Kilo. Wie viel von dem Preis beim Landwirt bleibt? Galster lacht. Mit welchen Argumenten könnten die Nachfolgegenerationen überzeugt werden, doch weiterzumachen?
Billige Kirschen aus dem Ausland
„Überzeugen können wir nur, wenn wir gute Preise auszahlen können. Das aber orientiert sich am Markt“, sagt Manuel Rauch von der Obstgenossenschaft in Pretzfeld. Und da seien eben die billigen Kirschen aus dem Ausland. Der alleinige Grund für das Motivationstief bei Kirschbauern sei das aber nicht. „Über die wirklichen Auslöser lässt sich streiten. Aber die Auslandsprodukte hauen richtig rein“, stimmt Galster zu. „Für uns sind aktive Erzeuger sehr wichtig“, betont Rauch. Doch die werden immer weniger.
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