Am Samstag, 7. September, um 19 Uhr eröffnet nach zwei Jahren Umbaupause wieder eine Ausstellung zeitgenössischer bildender Kunst in den Räumen der alten Mälzerei des ehemaligen Klosters Weißenohe. Zugleich ist mit dieser Ausstellung ein kleines Jubiläum verbunden, wurde doch vor 20 Jahren der Verein „Kunstraum“ gegründet. Seither ist regelmäßig im September eine Ausstellung zu einem aktuellen Thema zu besichtigen. Das Thema dieser Ausstellung lautet: „Eros, Tod und Hoffnung“. Vereinsvorsitzender Lutz Krutein schlägt die Themen vor. „Er schafft es immer, ein wichtiges Thema passend zur Zeit zu finden“, sagt Katharina Winkler, ebenfalls im Vereinsvorstand und Hausherrin der ehemaligen Mälzerei der Klosterbrauerei.
Kurator Lutz Krutein baute die Ausstellung auf und suchte Plätze für die eingereichten Kunstwerke. Von 30 Künstlern aus der Region, aus Deutschland und anderen Ländern sind die Werke zu sehen.
Gleich am Eingang wird der Besucher von Putin erschreckt. Eiskalt blickt er. Richtig unheimlich wirkt der Kriegsherr, dessen großer Orden aus „menschlichen“ Ohren besteht. Das Thema der Ausstellung ist der Krieg mit all seinen Facetten und Beweggründen.
Bilder mit Botschaft
„Es ist wichtig, Bilder am Puls der Zeit zu zeigen, nicht von anno dazumal“, meint Winkler. Auch sie sichtet die eingereichten Kunstwerke. „Man kann mit Kunst etwas bewegen. Es ist wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nicht wegzuschauen“, sagt Winkler und erklärt damit auch, warum nicht farbenfrohe idyllische Bilder die Räume zieren. Farbig sind zwar einige Bilder auch, doch dann kommt die Botschaft.
Wenn eine farbig dargestellte Frau ein grau gekleidetes Kind ganz fest in den Armen hält und an ihren Körper drückt: Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass alles Tote mit grauen Farben gemalt wurde, wie der Totenschädel neben der Frau und eben auch das Kind. „Wenn Krieg ist, bleibt keiner verschont“, sagt Krutein. Auf einem anderen Bild ist ein Kind oder eine Jugendliche. Es wirkt, als hätte sie ein Ballettkleid an. Alles ist rosa – die Welt, in der das Mädchen lebt?
Putin als grausamer Feldherr
Doch dann folgt der Blick ins Gesicht des Mädchens. Es ist schwarz, erstarrt, da die Umgebung des Kindes explodiert. Nichts ist mehr wie es war, wenn man die rosa Brille abnimmt, wenn man in der Realität ankommt. Dann sind da Kissen auf dem Dachboden aufgebaut, Kissen mit rosafarbigen Aufdrucken. „Es sind die letzten Worte von berühmten und nicht berühmten Menschen“, erklärt Krutein.
Kunstwerke mit Panzer-Motiven stehen für den Tod. Putin hingegen steht für das Schlagwort Eros. Wenn sich Feldherren – angetrieben von seltsamem Ehrgeiz– ein eigenes Denkmal setzen lassen: Zum eigenen Ruhm sei der Eros, der darin stecke, so Krutein. Das, was Putin gerade umsetze, durch den Tod unschuldiger Menschen zu Ruhm gelangen. Ganz groß ist ein Schwarz-Weiß-Bild, quer durch das Bild geht eine rote Linie.
Bildende Kunst zu drei Schlagworten
Diese wurde überschritten mit den Massakern, die angerichtet wurden. „Menschen, die einfach umgebracht wurden, obwohl sie nichts verbrochen haben“, erklärt Krutein. Dass die Menschen nach dem Beginn des Angriffskrieges lebten, als wäre nichts passiert, das habe Krutein nicht verstanden. Wie es anderen Künstlern damit ginge, wollte Krutein wissen. Entstanden ist dann die Ausstellung.
„Es mussten drei Schlagworte her“, erläutert Krutein. In Krisenzeiten seien immer drei Schlagworte benannt worden. Hier die Beschreibung der Kriege und der Folgen, dargestellt durch zeitgenössische bildende Kunst. In der Ausstellung sind Bilder, Skulpturen, Installationen, Grafiken und Performance zu sehen. Mit ihren Werken dabei sind auch zwei Künstler aus der Region.
Zwei lokale Künstler
Der aus Eckental stammende Künstler Robert Schlund hat farbige Bilder, die Motive sind verschwommen. Wie schnell sich diese heile Welt auflösen könne, will er damit zeigen. Die Grundlage der Bilder sind Fotografien, die er bearbeitet und übermalt hat.
Doch es gibt auch noch die Hoffnung, dass die Konflikte trotz allem Leiden und Tod beendet werden. Wenn Menschen in einer Gruppe stehen oder sich trotz verstümmelter Körper aneinander festhalten, wie bei der Skulptur von Thomas Binz aus Unterleinleiter. Am Ende bleibt die Hoffnung. Deshalb weht auch ein Tuch mit der Friedenstaube über dem Klosterhof.
Dauer 7. September (Vernissage) bis 29. September. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr
Eröffnung am Samstag, 7. September: 19 Uhr Öffnung der Räume, 19.30 Uhr Begrüßung durch Katharina Winkler und Lutz Krutein, 20 Uhr Klang-Performance mit Robert Schlund, 21 Uhr Michael Ammann und Gäste, „Elektroakusmatik Interplay“, Performances in der St.-Bonifatius-Kirche.
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