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Burning Boots: Kirche Gößweinstein wird zur Line Dance-Bühne
Burning Boots
In einem neuen Projekt wird die evangelische Kirche in Gößweinstein zur Tanzfläche: Hier probt nun der neue Line-Dance-Verein. // Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Gößweinstein – Statt Messen tönt Country-Musik durch die Kirche. Ein ungewöhnliches Tanzprojekt begeistert Gößweinstein und vereint Tradition mit Leidenschaft.

Im Eingangsbereich der einzigartigen Holzkirche  „Zum guten Hirten“ in Gößweinstein ist ein großes Buffet aufgebaut, im Kirchenraum, dort wo normalerweise die Messen stattfinden und gebetet wird, stehen Tische mit leeren Whiskeyflaschen die mit kleinen amerikanischen und deutschen Flaggen dekoriert sind und an den Wänden hängt das Sternenbanner. Auf dem Altar stehen hübsch dekorierte Geschenkkörbe. Der vordere Gebetsraum, in dem das Kreuz an der Wand hängt und der Altar und die Kirchenorgel stehen, wird den ganzen Abend zur Tanzfläche.

Es ist nicht nur ungewöhnlich, sondern dürfte deutschlandweit einmalig sein: Eine Kirche wird zum Proberaum für Line Dance, bei dem einzelne Tänzer nebeneinander in Reihen passend zu Country- oder Popmusik tanzen. Zu verdanken ist das der Evangelischen Kirche und dem inzwischen eingetragenem Gößweinsteiner Verein „Burning Boots“, zu deutsch „Brennende Stiefel“.

Vereinsfreundschaft zwischen Gößweinstein und Großengsee

Gekommen sind auch die „Great Lakers“ aus Großengsee, eine befreundete Line-Dance-Gruppe, die als Einweihungsgeschenk ein spezielles Brot mitgebracht haben. „Die haben wir aus Zufall kennengelernt und wir sind inzwischen zu Freunden geworden“, sagt Vorsitzender Karsten Nögel von den Burning Boots. Dass man nun einen neuen Proberaum in der evangelischen Kirche hat, bezeichnet Nögel als Glücksgriff für seinen Verein, der inzwischen 35 Mitglieder hat und nun auch Mitglied im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) ist.

Die jüngsten Mitglieder sind die erst siebenjährige Lina Brütting, die ebenso wie der 12-jährige Moritz Dressel mit Begeisterung dabei sind. Das älteste Mitglied und auch aktive Tänzerin ist Marga Michl.

Burning Boots
 // FOTOGALERIE Thomas Weichert
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Die Gründung der Burning Boots war auch mehr oder weniger Zufall. Karsten Nögel und seiner Frau Sandra hat schon immer die Country-Musik gefallen und so waren sie ein paarmal nach Nürnberg zur Big Horn Ranch, einer Western-Ranch mit Live-Musik gefahren und tanzten einfach mit. Bei einer Geburtstagsfeier in Gößweinstein ist dann die Idee entstanden, einen eigenen Line-Dance-Verein zu gründen.

Anfang mit Videos 

Das war im November 2023 mit sieben Personen. Dann hat man sich im Haus des Gastes getroffen und einfach ins Blaue hinein versucht, Line-Dance zu machen. „Das haben wir uns alles selbst beigebracht“, sagt Nögel. Sie haben dazu Videos angeschaut und die Tänze nachgetanzt. Dann wurde regelmäßig jeden Samstag trainiert und es kamen immer mehr begeisterte Tänzer hinzu. Voller Euphorie waren sie dann zu einer Line-Dance-Veranstaltung nach Hemhofen gefahren. „Da haben wir dann gesehen, dass wir noch viel mehr leisten müssen, um professioneller zu werden“, sagt Nögel.

Der Durchbruch war dann das eigene Event im August letzten Jahres im Gößweinsteiner Schützenhaus, mit vielen Line-Dance-Gruppen aus der Region. Schließlich wurde der Proberaum im Haus des Gastes zu klein, da man inzwischen zwei Tanzgruppen hatte. Eine für Anfänger und die andere für Fortgeschrittene. Man ging auf die Suche nach einem neuen größeren Proberaum und wurde letztendlich in der evangelischen Kirche fündig.

Neuer Weg, um Kirchen zu nutzen

Eine entscheidende Rolle dabei spielte Gertrud Wiesheier, die auch viele Jahre im Kirchenvorstand war. Sie hat zunächst beim noch zuständigen Pfarrer Peter Zeh, der inzwischen nach Bischofsgrün gewechselt ist, und dann beim jetzt zuständigen Pfarrer David Kießlich aus Muggendorf nachgefragt, ob so was möglich wäre. Die informierten dann die Kirchenvorstände und die Evangelische Landeskirche, und beide stimmten zu.

„Das ist eigentlich ein neuer Weg, denn die Kirche muss, um mehr genutzt werden“, sagt Wiesheier. Denn das Gößweinsteiner Gotteshaus stand schon auf der Kippe zur Schließung und möglicherweise sogar für einen Abriss. Die Pfarrer sagten dann zu, dass das Kirchengebäude mindestens noch für die nächsten zehn Jahre betrieben wird. Denkbar sind auch andere Veranstaltungen durch Vereine, oder auch private Geburtstagsfeiern, so Wiesheier.

Was hat das Ganze aber mit dem Förderverein „Zukunft Gößweinstein“ zu tun? Dies erklärt Karsten Nögel. „Wir hatten am Anfang nur eine Mini-Stereo-Anlage und brauchten nun dringend eine professionellere Musikanlage. Aus eigenen Vereinsmitteln war die Investition, auch mit mehreren Headsets für die inzwischen vier Trainer, nicht zu stemmen." Immerhin kostete die neue Musikanlage 5.000 Euro. 80 Prozent dieser Kosten übernahm dann der Förderverein „Zukunft Gößweinstein“ unter dem Vorsitz von Klaus-Dieter Preis, der wegen einer privaten Familienfeier am Einweihungsabend nicht kommen konnte. „Wir sind nun super zufrieden“, so Nögel.

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