Urlaub in der Fränkischen kann nicht nur schön sein, sondern auch günstig. Anhand der überall anziehenden Preise kann das in Sozialen Medien mitunter viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Derzeit etwa in Elon Musks Netzwerk X, ehemals Twitter. Ein Beitrag mit Bild aus dem Felsenbad Pottenstein ist dort mit über 592.000 Zugriffen und mehr als 7700 „Gefällt mir“-Angaben geradezu viral gegangen. Im Felsenbad selbst gibt man sich ob dieses Internetruhms aber gelassen.
Erstellt hat den Beitrag Andreas Rickmann, seines Zeichens Journalist und Berater für Soziale Medien aus Nordrhein-Westfalen. Bevor er sich selbstständig gemacht hat, war er über lange Jahre als Führungsperson in unterschiedlichen Bereichen für die Marke Bild des Axel Springer Verlags tätig. Unter anderem als Head of Social Media Bild. Auf X postet er lediglich sporadisch Beiträge, die in der Regel auch lediglich ein Publikum im niedrigen fünfstelligen Bereich finden. Insgesamt hat er rund 6500 Follower, die seine Beiträge abonniert haben.
Information eher nüchtern
Mit seinem Bild aus dem Pottensteiner Felsenbad hat er aber offenbar einen Nerv getroffen. Und das, obwohl er lediglich vergleichsweise nüchterne Informationen teilt. Etwa den Eintrittspreis von vier Euro. Und den Preis für eine Portion Freibad-Pommes – lediglich drei Euro und 50 Cent. Das Ausleihen eines Sonnenschirms ist kostenlos. Für die Meute im Internet scheint dieses Angebot gepaart mit dem Bild des Felsenbads sowie einer zweiten Aufnahme der angepriesenen Freibad-Pommes jedoch sensationell.
„Von dem Beitrag habe ich noch gar nichts mitbekommen“, erklärt Dieter Bauer, Betreiber des Felsenbads. Vermutlich auch, weil er selbst nicht auf X unterwegs sei. Erst recht, seitdem Elon Musk den Laden übernommen habe, bestehe daran auch kein Interesse. Angesprochen worden sei er darauf bislang auch noch nicht. Dennoch freue er sich natürlich über die Aufmerksamkeit.
Betreiber medienerfahren
Seine Antwort wirkt gelassen. Möglicherweise auch, weil er und sein Felsenbad durch den Beitrag nicht zum ersten Mal in das Auge der Öffentlichkeit geraten. „Wir sind hier halt in einer beliebten Touristenregion“, berichtet er. Auf Facebook, wisse er, würden öfter Bilder aus dem Felsenbad geteilt. Zudem sei heuer der Bayerische Rundfunk (BR) bereits zweimal zu Besuch gewesen.
Viele Badegäste würden von auswärts anreisen. So kämen etwa zahlreiche Bamberger, Forchheimer und auch Nürnberger. „Nach dem jüngsten BR-Beitrag hatten wir sogar Besuch aus Regensburg, die uns mitgeteilt haben, dass sie nur wegen des Fernsehbeitrags auf uns aufmerksam geworden sind“, erzählt der Betreiber. In der Ferienzeit höre man im Felsenbad aber auch Dialekte aus anderen Teilen Deutschlands.
Publikum international
„Mitunter haben wir auch ein sehr internationales Publikum“, berichtet er. So sei erst in der vergangenen Woche eine Reisegruppe aus Italien zur Abkühlung vorbeigekommen. Außerdem gelte das Felsenbad unter den Mitgliedern der amerikanischen Streitkräfte in Grafenwöhr offenbar als Geheimtipp.
Zudem sei kürzlich eine Gruppe von Personen da gewesen, von denen er annehme, dass sie wohl aus Indien oder Pakistan stammten. „Woher genau, kann ich nicht sagen, das kann man ja niemandem an der Nasenspitze ansehen“, erläutert er. Und wichtig sei es ja eigentlich auch nicht. Willkommen sei jeder, der sich zu benehmen wisse.
Wetter wichtiger als Social Media
Dass Soziale Medien zu der Beliebtheit des Felsenbades beitragen, streitet er nicht ab. „Viel wichtiger ist für uns aber, dass das Wetter mitspielt“, betont er. Sei schlechtes Wetter angesagt, überzeuge auch der viralste Post im Netz niemanden davon, Schwimmen zu gehen. Diese Erfahrung habe man in dem Naturbad unter anderem in den vergangenen Wochen machen müssen. Jetzt, nachdem der Regen nachgelassen habe, sei natürlich wieder mehr los.
Trotz des jüngsten Social-Media-Erfolgs sehe er übrigens keine Veranlassung, seine Preise zu erhöhen. „Wir sind ein Familienbetrieb und keine Halsabschneider“, erklärt er. Die Portion Freibad-Pommes werde also auch weiterhin drei Euro und 50 Cent kosten, solange dieser Preis wirtschaftlich haltbar sei. Nichts ändere die mediale Aufmerksamkeit übrigens auch daran, dass das Felsenbad dieselben Herausforderungen erlebe wie andere Bäder. „Auch wir haben Probleme, Personal zu finden“, berichtet Bauer. Dabei suche er lediglich Rettungsschwimmer – keine Bademeister.
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