Festakt zum Jubiläum
Teufelshöhle: Seit 100 Jahren erschlossen
„Kaiser Barbarossa“ ist einer der imposanten Tropfsteine in der Höhle.
„Kaiser Barbarossa“ ist einer der imposanten Tropfsteine in der Höhle.
Foto: T. Weichert
F-Signet von Thomas Weichert Fränkischer Tag
Pottenstein – Sie ist ein großer Besuchermagnet in der Fränkischen Schweiz - und das schon seit Jahrzehnten. Ein Festakt erinnert an das Team hinter dem Naturphänomen und an die Anfänge der Erforschung.

Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen feierten der Zweckverband Teufelshöhle und die Stadt Pottenstein in diesem Jahr den Beginn der Erschließung der Teufelshöhle vor 100 Jahren. Höhepunkt und zugleich Abschluss dieses Festjahres war nun der Festakt „100 Jahre Teufelshöhle“ mit zahlreichen Ehrengästen im Pottensteiner Bürgerhaus.

Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sollte eigentlich die Festrede halten.

Er musste jedoch wegen Erkrankung absagen und so sprang für ihn kurzfristig Vizeregierungspräsident Thomas Engel als Festredner ein. Wie Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) auch in seiner Eigenschaft als Zweckverbandsvorsitzender erklärte, ist die Teufelshöhle einer der bekanntesten und größten Besuchermagneten der Fränkischen Schweiz und spielt damit als wesentlicher Wirtschaftsfaktor eine ganz wichtige Rolle.

Höhlenlabor seit Jahrzehnten

Vor Corona besuchten jährlich rund 150.000 Menschen die Tropfsteinhöhle. Die Entwicklung des Freizeitangebots der Pottensteiner Erlebnismeile fußt in erster Linie auf der Teufelshöhle und geht daher auf den Zeitpunkt der Erschließung zurück, so Frühbeißer. Dabei erwähnte er unter anderem Dieter Preu vom Verein Höhle und Karst, der seit Jahrzehnten ein Höhlenlabor betreibt.

Preu ist Betreuer und Berater der verschiedensten Projekte, von der LED-Beleuchtung, der Höhlenklimaforschung, dem Fledermausschutz bis hin zur Höhlenführerfortbildung. Besonders stolz ist Frühbeißer auf seine Höhlenmitarbeiter. Denn der Erfolg des „Unternehmens Teufelshöhle“ hängt im Wesentlichen von ihrer Motivation und Qualifikation ab.

Zwei „bärige Typen“ kümmern sich um die Teufelshöhle

Karl-Josef Deinlein prägte als Leiter der Höhlenführer jahrzehntelang die Entwicklung und das positive Gäste-Image. Seine Arbeit setzt nun Martin Ashauer fort. Beide sind schon wegen ihres äußeren Auftretens „bärige Typen“. Der Rathauschef verlieh ihnen aber nicht nur deshalb die Ehrentitel „Höhlenbär“.

In der Coronazeit waren die Mitarbeiter mit allen Argumenten für und wider die Maskenpflicht sowie dem teilweisen Frust und Unverständnis der Besucher konfrontiert. Als man in die Planung für das Jubiläumsjahr einstieg, war wegen der Coronapandemie nicht absehbar, was überhaupt möglich sein wird. Großartig sei jedoch der Ideenreichtum seiner Mitarbeiter gewesen.

Ein Kinderbuch

Einzigartig auch die Kooperation mit dem Bayreuther Rotmaincenter nach der Idee von Bettina Angerer vom BVMW Oberfranken, die Frühbeißer auch ermunterte, das Kinderbuch „Das kleine Höhlenteufelchen Luzi aus dem Steinhaufenland“ zu schreiben. Mit solchen Projekten und weiteren habe man eine bundesweite Resonanz mit einer medialen Reichweite von über einer Million Klicks erzielt.

Festredner Thomas Engel bezeichnete die Teufelshöhle als geowissenschaftliches und touristisches Schmuckstück in Oberfranken. Engel begab sich während seiner Rede auf eine Zeitreise zur Entstehung der Erdgeschichte. So sei der wohl schönste Stalagmit der Teufelshöhle, der Barbarossa Dom, etwa 200.000 Jahre alt.

Erster Höhlenplan stammt aus dem Jahr 1901

Dieser Zaubergarten wäre dem Besucher verborgen geblieben, wenn das Höhlensystem nicht systematisch mit bergmännischen Mitteln erschlossen worden wäre. Der Geologe Adalbert Neischl zeichnete bereits 1901 einen ersten Höhlenplan.

Bis 1922 waren sich die Höhlenforscher einig, dass das Teufelsloch – so wie der Eingang damals bezeichnet wurde – keine Fortsetzung hinter der Abschlusswand hatte. Im Oktober 1922 fanden dann durch den Bayreuther Geologen Hans Brand mit Unterstützung der Stadt Pottenstein und eines privaten Geldgebers erste Grabungen statt.

NS-Vergangenheit des Geologen

Die im späteren Verlauf entdeckten Höhlenräume übertrafen dann sämtliche Erwartungen, was die Ausstattung mit Tropfsteinen betraf. Nicht unerwähnt ließ Engel, dass Brand später eine unheilvolle Rolle in der SS spielte, weshalb auch seine Gedenktafel am Höhleneingang wieder entfernt worden war.

Engel erinnerte an die finanzielle Unterstützung seiner Regierung in Höhe von 114.000 Euro für den Einbau der neuen LED-Beleuchtung im Jahr 2007. Weiterhin betonte er, dass Höhlen eine wichtige Rolle für bedrohte Tierarten spielen. Frei nach Fürst Hermann von Pückler-Muskau bezeichnete Engel die Teufelshöhle als „Zauberschrank“, in der sich immer wieder neue Schubfächer auftun.

 

Lesen Sie auch:

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: