Nach drei Jahren coronabedingter Zwangspause fand das zweitgrößte Volksfest nach dem Annafest wieder auf dem Forchheimer Hausberg statt und die Massen strömten auf die Ehrenbürg, um bei meist durchwegs gutem Wetter das Kultfest gebührend und ausgiebig zu feiern.
Die große FT-Bildergalerie vom Walberlafest 2023
Mittendrin statt nur dabei - hoch aufs Walberla
Der Aufstieg, egal von wo aus, ob von Kirchehrenbach oder Schlaifhausen auf den „Feierberg“ ist schon etwas beschwerlich. Belohnt werden die Festgäste aber dann mit einer kühlen Maß Bier oder einem Radler von den zehn vertretenen Brauereien, wenn sie oben endlich angekommen sind.
Helle Freude herrschte bei der Kirchehrenbacher Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD), die wie immer am Freitagnachmittag die Festrede halten und das erste Bierfass anstechen konnte.
"Biertaufe" für Anja Gebhardt: Bieranstich mit Hindernissen
Der Bieranstich selbst wurde diesmal fast zum Fiasko. Die Reibe, zunächst aus Messing und dann aus Plastik, wollte einfach nicht in das 20-Liter-Fässchen einer Kulmbacher Brauerei eindringen.
Nach gefühlten 30 Schlägen spritzte das Bier zwar tröpfchenweise aus dem Fass und als man es dann umlegte und von oben anzapfte, wurde Anja Gebhardt mit dem Gerstensaft der „Mönche“ aus der heimlichen Hauptstadt des Bieres geradezu „übergossen“. Zum Glück hatte sie einen „Regenanzug“ mit Kapuze an, weil es zu diesem Zeitpunkt leicht nieselte.
Der Grund, warum der Bieranstich regelrecht missglückte, lag nicht an der Schlagkraft der Bürgermeisterin, sondern am Fass. Denn dieses war nicht für den Anstich mit einer herkömmlichen Reibe ausgerüstet, sondern für eine mit Schraubverbindung.
Mit Forchheimer Bier klappt es dann plötzlich
"Ich bin unschuldig“, konnte eine erleichterte Bürgermeisterin dann feststellen. Und siehe da: Beim zweiten Fass mit Forchheimer Greif-Bräu war nur ein einziger Schlag nötig, um das Walberlafest offiziell für eröffnet zu erklären.
Gemeinderat Johannes Schnitzerlein (CSU) kommentierte es so: „Kulmbacher Bier verweigert der Berg halt.“
Kerwabaum wird in die Höhe gewuchtet
Aber zuvor musste noch der „Kerwabaum“ aufgestellt werden, der eigentlich ein Maibaum ist, wie man auf Nachfrage bei den Heimatfreunden aus „Ehraboch“ und und den „Ehrabocher Kerwaburschen“ erfährt, die sie dabei tatkräftig unterstützen.
Bis der Baum endlich in der Senkrechte und fest verankert ist, vergehen etwa zwei Stunden. Sehr zur Freude der vielen Schaulustigen, darunter auch Landrat Hermann Ulm und Landtagsabgeordneter Michael Hofmann (beide CSU) sowie zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der umliegenden Gemeinden.
Währenddessen spielen die Musikerinnen und Musiker des Musikvereins Kirchehrenbach unter der Leitung von Dirigentin Julia Pleichinger immer wieder mal auf.
Stäudla haben ihren großen Auftritt
Und als der Maibaum, fränkisch geschmückt mit rot-weißen Flatterbändern, dann endlich steht, haben die „Stäudla“ ihren großen Auftritt.
Die Stäudla sind die in Tracht gewandeten Kinder der Heimatfreunde, eine Kindertrachtentanzgruppe, die erstmals von Andrea Sponsel aus Kolmreuth mit ihrem Akkordeon musikalisch beim fränkischen „Schnaderhüpferlasingen“ und -tanz begleitet wird.
Das erste Bierfass hat allerdings nicht die Rathauschefin angestochen. Sondern die Feuerwehr Kirchehrenbach, die ihren traditionellen und windgeschützten Platz gleich hinter der Walberlakapelle hat.
Walberlafest wichtig für Feuerwehrverein
Maria Müller ist erst seit März neue Chefin des Kirchehrenbacher Feuerwehrvereins. „Wir haben es schon deutlich in unserer Vereinskasse gemerkt, weil das Walberlafest die letzten drei Jahre nicht mehr stattfinden konnte“, sagt sie im Gespräch mit dem FT.
Ist das Fest doch eine wichtige Einnahmequelle für den Feuerwehrverein.
Rund 25 freiwillige Helfer der Wehr sind an diesem Wochenende im Schichtbetrieb auf dem Berg im Einsatz. „Es ist nicht ohne alles auf den Berg rauf zu bringen. Vom Schankwagen über das gemietete Festzelt bis hin zu den Bierzeltgarnituren. Zum Glück hatte die Gemeinde das letzte Bergstück kurz vorher noch neu geschottert. Manchmal fehlt es aber auch an Kleinigkeiten, wenn der Betrieb schon begonnen hat. An Flaschenöffnern zum Beispiel, die die Feuerwehrchefin noch schnell via Handy ordert.
Acht Euro im Durchschnitt für die Maß Bier
Acht Euro kostet die Maß Bier am Feuerwehrausschank. Dies ist auch der Durchschnittspreis bei allen anderen durstlöschenden Ständen, und somit im Vergleich zu anderen Volksfesten noch relativ günstig.
Von den einheimischen Vereinen sind die Sportvereine aus Kirchehrenbach und Weilersbach, das THW, die Reservisten und die Schützen und natürlich die Ortsfeuerwehr mit Ständen und Zelten auf dem Berg vertreten.
Daneben zahlreiche Schausteller und Essensanbieter, von denen einige von der Bürgermeisterin wegen jahrzehntelanger Beteiligung auch geehrt wurden.
Schiffsschaukel von Manfred Zenk seit 55 Jahren dabei
So wie zum Beispiel auch der Schaustellerbetrieb von Manfred Zenk der schon seit 55 Jahren beim Walberlafest mit einer Schiffsschaukel vertreten ist.
Oder Rosi Wittmann mit ihrer Heringsbraterei, die auch schon seit vielen Jahrzehnten dabei ist.
Und ein weiterer Festwirt, der seit 55 Jahren Bier ausschenkt, und heuer sein 40-jähriges Jubiläum mit der Forchheimer Brauerei Greif feiern konnte.
Walberlafest schon seit 100 Jahren gefeiert
Seit über 100 Jahren wird das Walberlafest nun schon gefeiert.
1987 wurde der Festbereich als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Anja Gebhardt appellierte daher während ihrer Festrede auch, auf den ausgewiesenen Wanderwegen zu bleiben und die Absperrungen nicht zu übertreten und seinen eigenen Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. Was nicht immer klappt, wovon zahlreiche leere Flaschen beim Abstieg zeugen.
Sieben Euro kostet es übrigens, wenn der Besucher am Landkreisparkplatz am Fuße des Walberla oberhalb von Kirchehrenbach parkt. Ob das nicht etwas teuer ist?
„Dafür ist das Auto aber auch versichert“, sagt Anja Gebhardt dazu.
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